03:17 14 Dezember 2017
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    Prognose für 2018: Die Erde wird immer stärker und öfter beben

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    Unser Planet wird künftig immer stärker und öfter beben. Von 2018 an dürfte sich die Zahl der Erdbeben schrittweise verdoppeln, urteilen Wissenschaftler.

    „Langjährige Forschungen ergaben, dass die Erde öfter bebt, wenn sich ihr Drehen um die eigene Achse verlangsamt“, betonte der Geophysiker Roger Bilham von der Colorado University (Boulder). „Im 20. Jahrhundert wurden fünf Perioden festgestellt, da die Zahl starker Beben mit 25 bis 30 pro Jahr den Durchschnittswert von etwa deutlich 15 überstieg“, schrieb der Wissenschaftler im Magazin „Geophysical Research Letters“.

    Seine Schlussfolgerungen präsentierte Bilham auch auf der jüngsten Konferenz der Amerikanischen Geologischen Gesellschaft (GSA). „Die Korrelation zwischen dem Drehen der Erde und der seismischen Aktivität ist stark und führt vor Augen, dass die Zahl verheerender Beben im kommenden Jahr zunehmen dürfte“, erklärte er.

    Bekanntlich dreht sich die Erde infolge der Gezeitenkräfte von Sonne und Mond etwas langsamer. Auch andere Kräfte wirken sich auf die Drehgeschwindigkeit der Erde aus, indem sich der Planet mal schneller, mal langsamer dreht. Beobachtungen zeigen, dass Beben der Stärke 7 bei geringerer Drehgeschwindigkeit um 25 Prozent öfter vorkommen, selbst wenn sich die Geschwindigkeit nur um Millisekunden ändert.

    „Beim Verfassen des Artikels hatten wir festgestellt, dass zwei herausragende Forscher in Ihrem Land – Dr. Lewin und Dr. Sassarowa – bereits seit Jahren an dem Problem arbeiten. Aber die Entdeckung der russischen Wissenschaftler blieb fast ohne Beachtung“, sagte Bilham in einem Interview der russischen Onlinezeitung „Gaseta“.

    Boris Lewin vom Institut für maritime Geologie und Geophysik der Fernöstlichen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften und Professorin Jelena Sassarowa vom Institut für Ozeanologie der Russischen Akademie der Wissenschaften hatten 2015 in der Zeitschrift „Berichte der Russischen Akademie der Wissenschaften“ einen Beitrag veröffentlicht, in dem ein Zusammenhang zwischen Änderungen der Drehgeschwindigkeit der Erde und verstärkten seismischen Aktivitäten belegt wurden.

    Es geht darum, dass eine höhere Drehgeschwindigkeit des Planeten dessen äquatorialen Radius größer und den polaren Radius geringer macht. Dadurch wird die Erde zu einem Ellipsoid leicht abgeplattet. Und umgekehrt: Eine niedrigere Drehgeschwindigkeit der Erde hat eine schwächere Abplattung und eine Verringerung der Oberfläche des Planeten zur Folge.

    Bekanntlich hat eine Sphäre im Vergleich zu einem Ellipsoid von selbem Volumen eine geringere Fläche. Demzufolge hat die langsamere Drehgeschwindigkeit eine Verringerung der Erdfläche zur Folge. „Das führt seinerseits zum Zusammenstoß tektonischer Platten und zu ihrer Deformation, was denn auch Erdbeben auslösen kann“, sagte Lewin.

    Ob die Forscher recht haben, wird bereits die nächste Zukunft zeigen. Das jüngste verheerende Erdbeben der Stärke 7 ereignete sich vor einer Woche an der Grenze zwischen dem Iran und dem Irak. Und in der Nacht zum Montag wurde im Pazifik ein Seebeben der Stärke 7,3 registriert.

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    Tags:
    Gefahr, Prognose, Erdbeben
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