15:24 12 Dezember 2017
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    Unglaubliche Flucht: Sowjetische Gefangene entführten Nazi-Bomber voller Geheimnisse

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    Es klingt unglaublich, ist aber wahr: Zehn sowjetische Kriegsgefangene mit Pilot Michail Dewjatajew an der Spitze konnten während des Zweiten Weltkriegs mit einem entführten Bomber aus Nazideutschland zurück in die UdSSR fliehen – und ermöglichten ihrem Heimatland Einblicke in ein streng geheimes deutsches Waffenprojekt.

    Bis zum Herbst 1941 hatte der sowjetische Oberleutnant Dewjatajew Dutzende Kampfeinsätze als Pilot absolviert und neun deutsche Flugzeuge abgeschossen, wie der russische TV-Sender Swesda berichtet. Dann wurde er jedoch schwer verletzt. Erst im Frühjahr 1944 durfte er als Jagdflieger wieder in den Kampf. Bei einem Einsatz nahe Lemberg schossen die Deutschen ihn ab. Er wurde gefangengenommen und etwas später ins Konzentrationslager Sachsenhausen verlegt. Im Herbst 1944 kam er dann in ein anderes Lager, das zur Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Insel Usedom gehörte.

    Der TV-Sender erläutert: „Deutsche Fachleute entwickelten und testeten dort die als ‚Vergeltungswaffe‘ bekannten V2-Raketen, die nach Ansicht von Hitler eine Wende in den Kampfhandlungen bringen sollten – nicht nur in Europa, sondern auch weltweit. Für alle Häftlinge ohne Ausnahme sollte die Arbeit auf dem Versuchsgelände mit dem Tod enden, denn selbst kleinste Kenntnisse über die deutschen Entwicklungen hätten ermöglicht, das Hauptgeheimnis jener beispiellosen Raketen-Technologien zu lüften.“

    Außer den Produktionshallen gab es in Peenemünde auch einen Flugplatz, wo unter anderem Heinkel-Bomber stationiert waren, die bei den Tests zum Einsatz kamen. Der Fluchtplan war äußerst gefährlich: Die aus zehn KZ-Gefangenen bestehende Gruppe tötete ihren Aufseher und gelangte in einen betankten Bomber. Dewjatajew ließ die Triebwerke anspringen und bereitete sich auf den Start vor. Dieser gelang allerdings nicht sofort, denn der sowjetische Pilot kam nicht gleich mit der fremden Technik klar. Dann verstand er aber, wo das Problem lag, und die Maschine hob beim zweiten Anlauf ab. Dies geschah am 8. Februar 1945.

    Peenemünde
    Peenemünde

    Am 13. Februar traf Hermann Göring auf der Insel ein, um die Umstände der Flucht zu klären. Ihm wurde gesagt, die entführte Maschine sei über der Ostsee abgefangen und abgeschossen worden – doch das stimmte nicht. Der russische Historiker Pjotr Kreschewski sagte dem Sender: „Es ist durchaus möglich, dass die Leiter der Anstalt und der mit dem Abfangen beauftragte Pilot gelogen haben. Denn die Führung des Reiches pflegte, jene Parteifunktionäre und Offiziere, die sich besonders schuldig machten, extrem hart zu bestrafen – ungeachtet ihrer Ämter und Auszeichnungen.“

    Als die flüchtige Maschine die Frontlinie erreichte, wurde sie von der sowjetischen Flugabwehr unter Beschuss genommen. Nach einer Bruchlandung wurden die Häftlinge verhört, sowjetische Fachleute nahmen das Flugzeug unter die Lupe. Dieses war, wie der Sender weiter berichtet, kein bloßer Bomber, sondern hatte moderne geheime Ausrüstungen an Bord, darunter Kommunikationsgeräte und Vorrichtungen zur Beobachtung von Raketenstarts: „Es gab auch eine ganze Palette von Messgeräten – auf dieser Grundlage konnten sowjetische Physiker und Rüstungsbetriebe später nicht nur viele Geheimnisse des Gegners enthüllen, sondern auch eigene militärische Geräte bauen.“

    Auf Initiative des sowjetischen Konstrukteurs Sergej Koroljow half Dewjatajew nach dem Krieg dabei, das Versuchsgelände auf Usedom zu erforschen. Seine Informationen trugen zur Entwicklung des sowjetischen Raketenprogramms bei.

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    Tags:
    Gefangene, Geheimnisse, Nazi-Deutschland, Flucht, Geschichte, UdSSR, Deutschland
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