05:54 23 Juli 2018
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    Probe für Dornröschen im Bolschoi Theater

    Prinzessin sexuell belästigt? Britin will „Dornröschen“ verbieten – Netz diskutiert

    © AP Photo / Alexander Zemlianichenko
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    Eine britische Mutter hat gefordert, dass das Märchen „Dornröschen“ aus dem Lehrplan herausgenommen wird: Ihrer Meinung nach ist das Kinderbuch ein Lehrstück für „unangebrachtes sexuelles Verhalten“.

    Die zweifache Mutter Sarah Hall veröffentlichte in ihrem Twitter-Account einen Post, in dem sie das Kinderbuch kritisiert. Die Frau stört sich an dem Kuss, den der Prinz der schlafenden Prinzessin gibt: Dies sende nämlich eine falsche Botschaft an Kinder. Der Kuss sei nicht einvernehmlich gewesen, klagt die Britin an.

    ​Die jüngsten Enthüllungen über sexuelle Belästigungen in Hollywood hätten sie dazu angeregt, über die subtilen Botschaften in dem Märchen nachzudenken, so die Frau.

    „Das ist bezeichnend dafür, wie tief diese Verhaltensweise in unserer Gesellschaft verwurzelt ist“, sagte Hall gegenüber der britischen „Sun“. „All diese Kleinigkeiten häufen sich an, und sie machen dann einen Unterschied.“

    Allerdings sollte laut der Britin das Märchen nicht komplett aus dem Stundenplan entfernt werden: Es könnte älteren Schülern als guter Stoff für Diskussionen über sexuelles Verhalten dienen. 

    Es bleibt nur zu hoffen, dass die Britin mit der Originalfassung des berühmten Märchens nicht vertraut ist: Denn diese hätte ihr schon gar nicht gefallen. In dem Ur-Märchen des italienischen Schriftstellers Giambattista Basile „Sonne, Mond und Thalia“, das erstmals im Jahr 1634 veröffentlicht wurde, wird die Prinzessin Thalia von einem König auf Jagd vergewaltigt und geschwängert, während sie bewusstlos ist.

    Im Netz diskutieren die Nutzer den Vorschlag der Britin. Die meisten Kommentatoren halten offenbar nichts davon, manche ziehen sogar die geistliche Gesundheit der Frau in Zweifel.

    „Ich bin so verblüfft, dass Menschen Dornröschen verbieten lassen wollen, weil es,für einen Mann unangebracht ist, eine schlafende Frau zu küssen‘. Kinder sind zu unschuldig und naiv, um das überhaupt zu begreifen. Es wird heutzutage buchstäblich zu einem Trend, etwas aus dem Nichts zu machen“, schrieb die Nutzerin Chloe Neave auf Twitter.

    ​„Die Mutter will also Dornröschen verbieten, weil die Prinzessin den Kuss nicht erlaubt hatte. Was ist mit dem anderen Prinz, der einen Frosch küsst? Niemals habe ich gehört, dass der Frosch seine schriftliche oder mündliche Erlaubnis gegeben hat“, so der Nutzer Jack Dean.

    ​„Nun habe ich alles gehört…die Tatsache, dass die Prinzessin den Kuss braucht, um gerettet zu werden, sollte sicher Grund genug sein, um ihre Erlaubnis nicht einholen zu müssen? Als Nächstes werden auch die Wiederbelebung und Mund-zu-Mund-Beatmung verboten“, lautet ein weiterer Kommentar.

    ​„Generationen später werden sich die Soziologen fragen, an welchem konkreten Zeitpunkt wir als kollektive Zivilisation unseren Verstand verloren haben. Ich vermute, das war dieser Zeitpunkt. (…)“, schreibt der Nutzer „ionel”.

    ​Allerdings gab es auch einige, die den Vorschlag unterstützten:

    Tags:
    Märchen, sexuelle Belästigung, Großbritannien
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