17:17 15 Oktober 2018
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    Allein, aber nicht einsam: Wie diverse Persönlichkeitstypen Einsamkeit wahrnehmen

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    Einsamkeit gilt nach wie vor als Makel: Viele Menschen schämen sich dieses Gefühls, weil es für das Informationszeitalter unangemessen sein soll. Die Psychologin der Russischen Akademie der Wissenschaften und Schriftstellerin Olga Machowskaja erläutert in einem Gespräch mit Sputnik, warum das Alleinsein keine Tragödie ist.

    Laut Machowskaja ist das Alleinsein heute zu sehr romantisiert und die Angst vor der Einsamkeit übertrieben – tatsächlich sei es keine Katastrophe. Im Gegenteil, das Fürsichsein habe durchaus seine Vorteile. Es könne unter anderem zu Schöpfungsprozessen anregen, mehr Zeit für sich sowie Aktionsfreiheit bieten.

    Die Wissenschaft nenne verschiedene Arten, wie Menschen das Alleinsein bewältigen. Wie die Psychologin gegenüber Sputnik ausführt, lässt sich die Wahrnehmung des Alleinseins und der oft damit verbundenen Einsamkeit mit der Temperamentenlehre erklären, einem Persönlichkeitsmodell, das Menschen nach ihrer Grundwesensart kategorisiert.

    „Nur ein Teil der Menschen leidet ohne Bindungen, nämlich Sanguiniker, die ohne neue Gefühle sofort depressiv werden. Melancholiker dagegen können ihr Leben lang mit einer einzigen Beziehung zufrieden sein. Choleriker knüpfen Kontakte, um diese später auszunutzen. Und was Phlegmatiker betrifft, fühlen sie sich durch Beziehungen zu Menschen eingeengt“, so Machowskaja.

    Darüber hinaus betont sie, dass zwar das Alleinsein heute nicht „in“ sei, doch akzeptiere die Gesellschaft durchaus einen mit „dem Leben für sich“ eng verbundenen Trend – das sogenannte Downshifting, bei dem ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben angestrebt werde. Dies könne einerseits zur Selbstverwirklichung beitragen, andererseits aber auch mit dem Abbruch von Beziehungen einhergehen. Es sei dabei sehr wichtig, Kompetenzen wie Solidarität und Hilfsbereitschaft nicht zu verlieren, schlussfolgert die Psychologin.

    Sofia Martjanowa

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    Tags:
    Einsamkeit, Gesellschaft, Leben, Angst, Solidarität, Beziehungen