08:51 18 Juli 2018
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    Baikalsee

    Katastrophe vereiteln: Baikalsee verwandelt sich langsam in einen Sumpf

    © Sputnik / Vladimir Smirnov
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    Seit vielen Jahren boomt das Interesse von Touristen aus allen Ecken der Welt am tiefsten und mit mehr als 25 Millionen Jahren ältesten Süßwassersee der Erde. Das Erscheinungsbild des Baikalsees veränderte sich im letzten Jahrzehnt allerdings enorm. Viele wasserarme Buchten entlang der Ufer entwickeln sich langsam gar zu verrotteten Sümpfen.

    Sumpf-Teppiche aus Schlick

    Im Sommer treibt der Wind den grünen Schlick, der die ganze Untiefe in einer Entfernung von bis zu 50 Metern von der Wasserkante füllt, an die Ufer des Baikalsees. Der Teppich aus dem zusammengepressten Schlick landet auf dem Seegrund, isoliert ihn somit komplett vom Oberwasserspiegel, fault aus und tötet somit die Bewohner des Sees. Außerdem führt er zu einem schrecklichen Geruch und stellt eine Art Hindernis für diejenigen dar, die das saubere Wasser erreichen wollen.

    ​Der Grund für die Bildung solcher Teppiche sind die Grünalgen Spirogyra, die die meisten Süßwasserseen, darunter auch den Baikalsee, stets belebten. Unter den aktuellen Umständen wird Spirogyra jedoch zu einer inneren Gefahr für den See.

    Wegen des boomenden Interesses von Touristen wurden in den letzten zehn Jahren zahlreiche Ferienhäuser und Herbergen am Baikalsee gebaut. Diese sind größtenteils allerdings mit keinen qualitätshohen Abwasser-Reinigungsanlagen ausgestattet. Die Bettwäsche und Handtücher werden hier nämlich in der Regel mit billigen Waschmittelpulvern gewaschen, die viel Phosphor und Stickstoff enthalten.

    So wird das verschmutzte Abwasser direkt in den See geschwemmt. Die Alge Spirogyra erfreut sich dieser chemischen Substanzen – für sie stellen diese einen köstlichen und gut verwertbaren Dünger dar. Die Fäden der Grünalgen wachsen bis zu zehn Zentimeter am Tag. Nachdem sie absterben, zersetzen sie sich ganz schnell und „befreien“ die zuvor aufgenommenen Substanzen zurück ins Wasser.      

    Jedes Jahr wird der Baikalsee also immer reicher an diesen Chemikalien. In den letzten Jahren wird zudem immer mehr Wasser aus dem See für das staatliche Überlandkraftwerk Angarskij entnommen. Der Seespiegel liegt derzeit unter dem Extremniveau. Das führte wiederum zur intensiven Erwärmung des Seegrunds in der Untiefe der Küstengebiete. Und je wärmer das Wasser ist, desto schneller wachsen nun wieder die Algen. 

    Im Prinzip ist das intensive Wachstum von Spirogyra also als eine ganz normale Reaktion des Ökosystems des Baikalsees auf den von den Menschen verursachten Stress zu verstehen. Die Prozesse im See sind somit mit Lungentuberkulose zu vergleichen. Der Tuberkelbazillus lebt in jedem menschlichen Körper, der nur unter ständigem Stress gefährlich für das Leben sein kann. Dann fängt er an, sich schnell in den Lungen zu verbreiten, und bildet Klumpen (Tuber). Diese sondern Giftstoffe ab, die das Blut vergiften können. Spirogyra führt aktuell zu ähnlichen Prozessen im Baikalsee. 

    Schutz braucht Zeit

    • Reinigen des Baikalsees (Archiv)
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      © Sputnik / Alexandr Krjazschew
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    Die russische Regierung schenkt der ökologischen Situation des Baikalsees immer mehr Aufmerksamkeit. Eine Prüfung, die die Staatsanwälte aus Buratien, dem Irkutsk-Gebiet und der Region Transbaikalien durchführten, hat den ernsthaften Rückgang des Fischvorkommens im See ans Licht gebracht. Die Generalstaatsanwaltschaft des Landes hat daraufhin einen offiziellen Brief an das Ministerkabinett gerichtet, in dem das Problem geschildert und Schutzmaßnahmen vorgeschlagen werden.

    So soll unter anderem die Zahl der unter ökologischer Aufsicht stehenden Objekte erhöht werden. Auch die Kontrolle des Baus der touristischen Infrastruktur im Küstengebiet soll verstärkt werden. Die massive Rekonstruktion von Reinigungsanlagen wurde zudem bereits 2017 aufgenommen. Das gibt eine substantielle Hoffnung auf die Verbesserung des Zustandes des Baikalsees in absehbarer Zeit.

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    Tags:
    Anlage, Schutz, Ökologie, Vergiftung, Baikalsee, Russland
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