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    Der internationale Flughafen der indonesischen Ferieninsel Bali hat wegen eines drohenden Vulkanausbruchs alle Flüge zunächst komplett gestrichen. Inzwischen wurde das Flugverbot wieder aufgehoben. Die Gefahr eines Ausbruchs des Vulkans Agung ist jedoch nicht gebannt. Rund um den Berg gilt weiterhin Alarmstufe Rot.

    Waren die ergriffenen Maßnahmen wirklich notwendig? Mehrere tausend Urlauber konnten die Insel gar nicht mehr verlassen. Die Antwort lautet eindeutig: „Ja“. 

    Vulkan Agung auf der indonesischen Ferieninsel Bali
    © REUTERS / Antara Foto/Nyoman Budhiana
    Vulkan Agung auf der indonesischen Ferieninsel Bali

     

    Vulkanausbruch und für Triebwerke schädliche Aschenwolke 

    Der Ausbruch eines Vulkans ist eine Gefahr für Flugzeuge, weil die Partikel von Aschewolken die Triebwerke schädigen können.

    Am 24. Juni 1982 flog die City of Edinburgh, eine Boeing 747-200 (236B) mit dem Kennzeichen G-BDXH, nachts in eine Wolke aus Vulkanasche, die von der Eruption des Vulkans Gunung Galunggung in die Erdatmosphäre geschleudert worden war. In der Aschewolke fielen alle vier Triebwerke der Maschine aus. Zum Glück gelang es der Besatzung nach längerem Gleitflug, die Triebwerke wieder zu starten und schließlich mit drei intakten Triebwerken in Jakarta notzulanden.

    Selbst bei geringen Partikelkonzentrationen können in Düsentriebwerken wegen der starken Luftmassenströme Schäden auftreten. Die Oberflächen der Verdichter- und Turbinenschaufeln können angegriffen werden, wodurch der Wirkungsgrad der Turbine abnimmt.

    In der Brennkammer einer Flugzeug-Turbine herrschen Temperaturen von mehr als 1400 Grad, während Vulkanasche schon bei etwa 1100 Grad schmilzt und sich auf den kühleren Turbinenschaufeln absetzt. Das führt zum Leistungsverlust der Turbine. Dies kann Fehlfunktionen auslösen und schließlich zum kompletten Ausfall der Turbine führen.

    Selbst sehr kleine Asche-Ansammlungen im Kühlluftsystem einer Turbine können zudem die Kühlluftöffnungen verstopfen.

    Auch kleine Vögel für riesige Boeings eine Gefahr

    Wenn Vögel mit Flugzeugen zusammenstoßen, sterben sie. Aber auch Flugzeuge können dadurch erheblichen Schaden nehmen.

    Wie schlimm die Folgen sein können, hängt davon ab, wo das Flugzeug getroffen wird und wie groß der Vogel ist. Kleine Vögel wie ein einzelner Sperling, Star oder Zaunkönig hinterlassen in der Regel keinen Schaden an der Flugmaschine. Bei einer Kollision mit einem größeren Vogel können bei einem Flugzeug dagegen sogar strukturelle Schäden entstehen. Sollte ein Flugzeug an kritischen Bauteilen wie zum Beispiel den Triebwerken oder den Scheiben am Cockpit getroffen werden, bleibt so ein Vogelschlag nicht mehr folgenlos.

    Passagierflugzeug landet durch einen Schwarm von Vögeln in Reagan International Airport Washington (Archivbild)
    © AFP 2019 / Andrew Caballero-Reynolds
    Passagierflugzeug landet durch einen Schwarm von Vögeln in Reagan International Airport Washington (Archivbild)

    Wozu Kollisionen mit Vögeln führen können, zeigt der wohl bekannteste Fall dieser Art. 2009 musste der Pilot Chesley Sullenberger eine Maschine von US-Airways, Flug 1549, auf dem New Yorker Hudson River notwassern. Schuld daran waren Kanadagänse, die in die Triebwerke der Passagiermaschine geraten waren.

    Maschine von US-Airways, Flug 1549, auf dem New Yorker Hudson River
    © AP Photo / Bebeto Matthews
    Maschine von US-Airways, Flug 1549, auf dem New Yorker Hudson River

    Im schlimmsten Fall können Vögel so starke Schäden am Flugzeug verursachen, dass dieses nicht mehr flugfähig ist, oder gar alle Triebwerke ausfallen.

    Beim Landeanflug einer Boeing 737-800 von EgyptAir im März 2016 am Londoner Flughafen Heathrow passierte es wieder. Diesmal krachte ein Vogel frontal auf die Nase des Fliegers. Dadurch entstand eine riesige Delle, was einen Weiterflug unmöglich machte. Zum Glück wurde bei der Landung keiner der Passagiere und Crewmitglieder an Bord verletzt. Die Reparatur der Maschine dauerte allerdings 21 Stunden.

    ​Besonders gefährlich sind Vögel beim Start und bei der Landung. Deswegen setzen Flughäfen diverse Mittel wie Füchse, Knallkörper oder Greifvögel ein, um Vögel gezielt von Start- und Landebahnen fernzuhalten.

    Tödliche Gefahr bei Gewitter?

    Weltweit wird jedes Flugzeug durchschnittlich alle ein bis drei Jahre von einem Blitz getroffen. Das hat in der Regel keine gravierenden Folgen. Luftfahrtexperten gehen deshalb davon aus, dass ein Blitzeinschlag als alleinige Ursache für ein Unglück unwahrscheinlich sei, aber auch nicht komplett ausgeschlossen werden kann.

    Es gibt schlimmstenfalls einen lauten Knall, sagen Experten. Beim Blitzeinschlag wirkt das Flugzeug wie ein Blitzableiter. Da die Maschine keine Erdung besitzt, tritt der Blitz nicht nur ein, sondern auch wieder direkt aus. Der Flug wird fortgesetzt, später kommt es nur zur Nachkontrolle. Moderne Flugzeuge sind zudem mit einem Wetterradar ausgestattet. Piloten versuchen also meist, einem Gewitter auszuweichen.

    In Amsterdam wurde im November dieses Jahres ein spektakuläres Video aufgenommen. Eine Boeing 777 der Fluglinie KLM hob gerade vom Flughafen Schiphol ab, als die Maschine von einem Blitz getroffen wurde. Sie konnte aber problemlos weiterfliegen.

    Andere Experten behaupten ihrerseits, dass nicht ganz ausgeschlossen werden könne, dass ein Blitz seinen Weg in die elektrischen Leitungen eines Jets findet und die empfindliche Elektronik stört. Schon das Prinzip der Induktion könne dazu führen, dass starke elektrische Ströme entlang der Außenwand eines Flugzeugs über Magnetfelder zerstörerische Ströme in der Bordelektronik verursachen. Genau deswegen gibt es im Luftverkehr die feste Regel, dass Piloten Gewitterregionen möglichst umfliegen müssen.

    Nach dem Absturz eines Airbus vom Typ A330-200 im Jahr 2009 über dem Atlantik äußerte der Chef der Fluglinie Air France, Pierre-Henri Gourgeon, die Vermutung, dass ein Blitzeinschlag Ursache für die Katastrophe des Fluges AF 447 gewesen sein könnte. Bestätigt wurde diese Hypothese offiziell allerdings nicht. Damals kamen alle 228 Insassen ums Leben. 

    Im Abschlussbericht vom 5. Juli 2012 wurden als Ursache für den Absturz folgendes genannt: Die die Geschwindigkeit des Flugzeugs messenden Pitot-Sonden fielen zeitweise aus, wahrscheinlich wegen Verstopfungen, die durch Eiskristalle hervorgerufen worden waren. Als Folge schaltete sich der Autopilot ab, und die Flugsteuerung schaltete in den Modus „Alternate Law“ um. Die Besatzung reagierte auf den angezeigten Ausfall der Geschwindigkeitsanzeige nicht mit der für solche Fälle vorgesehenen Prozedur.

    Laserpointer blenden Piloten

    Was für manche ein Spaß ist, kann für Piloten und Passagiere eines Flugzeugs lebensgefährlich werden. Immer wieder werden Piloten mit Laserpointern geblendet. Allein im vergangenen Jahr wurden nach Auskunft der Deutschen Flugsicherung in Deutschland 508 Laser-Attacken auf Flugzeuge gemeldet. 

    ​Als kritischste Phasen eines Fluges gelten der Anflug und der Abflug. In dieser Zeit müssen Piloten besonders konzentriert sein. Obwohl die meisten Verkehrsflugzeuge auch automatisch landen können, tun dies die Piloten in der Regel im Endanflug manuell. Sollte sie in dieser Phase ein Laserstrahl ins Auge treffen, wird das Ablesen der Instrumente für die Piloten unmöglich. Das bedeutet, dass sie dann die Flugmaschine nicht mehr vollständig kontrollieren. Im schlimmsten Fall könne die Maschine sogar abstürzen. Aber auch wenn der Laserstrahl den Pilot nicht direkt ins Auge trifft, kann er gefährlich sein. Wenn der Laserstrahl auf die Scheiben trifft, bricht das Licht und erhellt das am Abend abgedunkelte Cockpit blitzartig.

    Bisher ist keine Katastrophe passiert. Das ist aber reines Glück. 2016 musste zum Beispiel das Flugzeug des Flugs VS025 in London nach dem Start wieder landen. Nachdem jemand einen Laser auf die startende Maschine gerichtete hatte, wurde einem Piloten dadurch übel. Die Maschine kehrte um, kurz nachdem sie Irland überquert hatte.

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