06:00 19 November 2019
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    Silvester Stallone posiert mit der aus der DDR geflohenen Krankenschwester Liane Sündermann vor der Berliner Mauer (Archivbild)

    Mit Kampfjet, Zug und … Panzerwagen: die spektakulärsten Grenzflucht-Fälle

    © AP Photo / ebh/stf/Elke Bruhn-Hoffmann
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    Die vor kurzem veröffentlichten Aufnahmen von der Verfolgungsjagd nach einem nordkoreanischen Soldaten in der Demilitarisierten Zone ließen bei Internetnutzern einen Nervenkitzel wie bei den besten Hollywood-Blockbustern verspüren. Sputnik hat einige weitere Geschichten von erfolgreichen und spannenden Grenzflucht-Fällen für Sie gefunden.

    Der nordkoreanische Rambo, wie der Grenzsoldat bereits in den Medien bezeichnet wurde, hat einen Vorläufer aus der DDR-Zeit, dessen Flucht kaum weniger spektakulär war.

    „Polizei, wir sind gleich mit einem Zug geflohen …“

    Im Frühjahr 1963 entschied sich der Volksarmist mit dem mehr als kommunistischen Familiennamen ‚Engels‘, trotz aller Vorteile des Lebens in Ostdeutschland nach Westen zu fliehen. Und zwar mit einem Panzerwagen! Er fuhr mit dem gestohlenen Wagen mit Vollgas gegen die Berliner Mauer, durchschlug dabei jedoch nur teilweise die Konstruktion aus Beton und Metall. Danach sprang er aus dem in der Mauer steckengebliebenen Wagen und setzte seine Flucht durch den Stacheldraht zu Fuß fort.

    Zwei Jahre vor dem Fall mit dem „verrückten Panzerwagen“ wurde die Mauer sogar mit einem Zug durchbrochen. Unmittelbar nachdem die Absperrungen an der Grenze errichtet waren, entdeckte der junge Lokführer aus Ost-Berlin Harry Deterling eine Bahnstrecke in den westlichen Stadtteil. Ohne lang zu überlegen, wechselte er auf die Spur, die am nächsten zur „Grenzlücke“ lag.Als er fast auf der westlichen Seite angelangt war, wurde der Flüchtige zweimal von seinen ehemaligen Kollegen aus dem Osten angeschossen. Zum Glück bemerkten Besucher einer Kneipe in West-Berlin die Schüsse. An der Grenzlinie sahen sie, wie ein verletzter Soldat hilflos versuchte, auf ihre Seite zu gelangen. Die Menschen befreiten den ohnmächtigen Mann vom Stacheldraht und brachten ihn in die Kneipe. Viele Jahre später erinnerte sich Wolfgang Engels daran, dass ihm erst durch die Flaschen unbekannter Biermarken im Raum klar wurde, dass er den Eisernen Vorhang überwunden hatte.

    Die ostdeutschen Grenzsoldaten errichten Barrikaden auf der Bahnstrecke nach West-Berlin (Archivbild)
    © AP Photo / Bought
    Die ostdeutschen Grenzsoldaten errichten Barrikaden auf der Bahnstrecke nach West-Berlin (Archivbild)

    Am Tag X holte er dann seine Familienmitglieder und einige Freunde ab, die sein Vorhaben unterstützten, und riss in voller Fahrt mit dem Zug die Barrikaden nieder. Er hielt die Eisenbahn in Spandau an, somit durfte die Flucht als gelungen gelten. Als einer der Passagiere aus dem Zug ausstieg, um sich bei der Polizei zu melden, begrüßte er den Polizeioffizier mit den Worten: „Wir sind gleich mit einem Zug über die Mauer geflohen.“

    Amphibienmenschen aus der Sowjetunion

    Liliana Gassinskaya stammte aus der Schwarzmeerstadt Odessa, was im Wesentlichen ausschlaggebend für ihre Berufswahl war – sie war auf dem Kreuzfahrtschiff „Leonid Sobinow“ als Stewardess tätig. Ein weiterer Grund für diese Wahl war ihr geheimer Wunsch, um jeden Preis nach dem Westen zu fliehen. Die Flucht wurde jedoch durch die ständigen Kontrollen seitens der Sicherheitsbehörden während der Auslandsreisen erschwert.

    Als das Schiff am 14. Januar 1979 in der Nacht nahe Sydney auf Reede lag, sperrte sich die 18-jährige Liliana in ihrer Kabine ein, zog sich bis auf den knallroten Badeanzug aus und sprang durch die Luke. Da der Bereich vor dem Schiff aus Sicherheitsgründen ständig mit Scheinwerfern beleuchtet wurde, musste das Mädchen für lange Zeit den Atem anhalten und unter Wasser fortschwimmen. Mit einem verletzten Bein erreichte sie die australische Küste, wo „The Red Bikini Girl“ zu einer Sensation in der Presse wurde. Trotz mangelnder Gründe (in der UdSSR war sie kaum verfolgt worden, und sie war Aktivistin der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei) wurde Gassinskaya der Asylstatus zuerkannt. Sie machte Karriere als Model und heiratete einen Millionär.

    Ein anderer Amphibienmensch aus dem Sowjetstaat war ein Ozeanforscher aus Leningrad namens Stanislaw Kurilow. Ihm wurde mehrmals angeboten, mit prominenten Kollegen aus dem Westen wie Jacques-Yves Cousteau zusammenzuarbeiten. Dennoch weigerte sich die UdSSR, dem Wissenschaftler das Ausreisevisum zu erteilen. Die einzige Chance für Kurilow war die Pazifikfahrt mit einem Forschungsschiff, das auf seinem Weg keine Häfen anlief.

    Wie ein US-Raumfahrtingenieur eine MiG aus Nordkorea kidnappte

    Die genaue Route war ausschließlich den Besatzungsmitgliedern bekannt. Der Mann hatte jedoch das Glück, heimlich Einsicht in die Karte zu bekommen und dank seinen Kenntnissen der Kartografie den einzigen passenden Ort für die Flucht zu finden. Mehr als hundert Kilometer nördlich der philippinischen Insel Siargao sprang er in den Ozean. Nach einem zweitägigen Kampf gegen Wellen und Fieber erreichte er den weißen Strand von Siargao. Von dort wurde der Russe kurze Zeit später nach Kanada geschickt. Sein weiteres Leben widmete er Forschungen am Äquator.

    Nach Abschluss der Universität Delaware arbeitete Kenneth Rowe für lange Zeit bei Top-Firmen der US-amerikanischen Raumfahrtbranche, bis er wieder als Professor an seine Alma Mater zurückkehrte. Seine Studenten wussten nicht, dass ihr Professor Anfang der 1950er Jahre im Koreakrieg auf der Seite der Kommunisten gekämpft hatte. Damals hieß er noch No Kum-Sok und kämpfte als Pilot im neuesten sowjetischen Kampfjet MiG-15.

    Die von Kenneth Rowe gekidnappte MiG-15 auf dem US-Militärstützpunkt Okinawa (Archivbild)
    © AP Photo /
    Die von Kenneth Rowe gekidnappte MiG-15 auf dem US-Militärstützpunkt Okinawa (Archivbild)

    Nach dem Krieg (1950-1953) desertierte der junge Mann mit dem Jagdflugzeug und landete auf der südkoreanischen Militärbasis „Kimpo“. Dort erhielt der Flüchtige gleich zwei gute Nachrichten. Erstens: Seine Mutter, die er für tot hielt, überlebte den Krieg und rettete sich nach Südkorea. Darüber hinaus wurde er von den Amerikanern für das Stehlen der streng geheimen Technologien mit 100.000 Dollar (heute etwa eine Million Dollar) prämiert. Mit dem Geld und seiner Familie zog No Kum-Sok in die USA, wo er seinen Namen in Kenneth Rowe änderte.

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    Tags:
    30 Jahre Mauerfall, Mauerfall-Jahrestag, Grenze, Grenzmauer, Geschichte, Fluchtversuch, Flucht, UdSSR, Sowjetunion, Nordkorea, DDR