01:35 15 Dezember 2017
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    Atombombentest in Dakota (USA)

    Spuren von US-Atomtests in Sibirien entdeckt

    © Wikipedia/ United States Department of Energy
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    Russische Forscher haben in Kieferbäumen Spuren von Nukleartests aus den 1960-er Jahren entdeckt. Dies bestätigt laut den Wissenschaftlern die globalen Auswirkungen von Kernwaffenversuchen auf unseren Planeten.

    Wissenschaftler vom Budker-Institut für Kernphysik in Nowosibirsk haben die Jahresringe eines Kieferbaums untersucht. „Wir haben Ergebnisse erhalten, die jenen Ergebnissen ähneln, die unsere Kollegen (in Europa und den USA – Anm. d. Red.) beobachten, obwohl wir Proben untersucht haben, die praktisch am anderen Teil der Welt entnommen wurden“, so der Leiter des Institut-Labors, Wassili Parchomtschuk.

    „Wir haben gezeigt, dass die Atomtests der USA eine spürbare Auswirkung auf die Ökologie Russlands hatten und umgekehrt“, so Parchomtschuk weiter.

    Die Atomtests hinterließen laut Forschern nicht nur in der Atmosphäre Spuren, sondern auch im Erdboden und sogar in den Jahresringen von Bäumen. Dort habe sich C-14 angesammelt– ein schwach radioaktives Isotop, das beim Zerfall der Atomkerne von Plutonium und Uran in Atombomben und Kernkraftreaktoren entstehe.

    Ihre Entdeckung verdanken die Forscher einem Kieferbaum, der mehr als ein Jahrzehnt lang auf dem Institutsgelände in Nowosibirsk stand. Die Untersuchung seiner Jahresringe zeigte einen Überschuss an C-14. Dasselbe galt auch für amerikanische Bäume, die in den 50-er und 60-er Jahren des 20. Jahrhundert wuchsen.

    Seit September 1945 hat es in der Welt knapp 2500 Atomtests gegeben. Ungefähr zwei Drittel davon verliefen unter der Erde, 520 hingegen in der Atmosphäre. Bei vielen, insbesondere bei den früheren Tests, ist die genaue Stärke der Explosion bis heute nicht bekannt. Auch wird bis heute vehement diskutiert, ob Israel, Südafrika oder Nordkorea je Nukleartests durchgeführt haben.

    Vor der „Atom-Ära“ war das Isotop C-14 nur auf natürlichem Wege in der Atmosphäre entstanden, nämlich durch das Zusammenwirken von Atomen mit der kosmischen Strahlung.

    Doch durch die Entwicklung von Nukleartechnik veränderte sich die Lage: Bis zum Jahr 1963 stieg der Gehalt von C-14 in der Atmosphäre unkontrolliert an, bis sich die führenden Atommächte auf einen Stopp von Nuklearversuchen einigten.

    Wissenschaftliche und militärische Organisationen in Russland sowie im Ausland verfolgen die Schwankungen der C-14-Werte in der Atmosphäre, um den „illegalen“ Atomtests, die möglicherweise von nicht anerkannten Atommächten wie Indien, Nordkorea, Israel und anderen Staaten durchgeführt werden könnten, auf die Spur zu kommen.

    Diese Beobachtungen ermöglichen Fachleuten, nicht nur die Geheimnisse der heutigen Politik aufzuklären, sondern auch zu verstehen, wie sich Nukleartests auf die Natur auswirken.