12:06 18 Juli 2018
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    Japan: In diesem simplen Holzschiff acht Leichen entdeckt

    Warum tauchen so viele nordkoreanische „Geisterschiffe“ mit Leichen vor Japan auf?

    © REUTERS / Mandatory credit Kyodo
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    Im vergangenen Monat sollen Medienberichten zufolge mehrere, angeblich aus Nordkorea stammende Schiffe bzw. Boote an der japanischen Küste angespült worden sein. In einem wurden sogar acht Leichen entdeckt. Was suchen sie dort?

    Ende November hatten internationale Medien berichtet, dass ein Holzschiff mit acht möglicherweise nordkoreanischen Toten an Bord an die Küste Nordjapans getrieben worden sei. In den vergangenen Jahren seien bereits hunderte „Geisterschiffe“ an Japans Küsten angespült worden. Was steckt hinter diesen mysteriösen Ereignissen? 

    Alte Schiffe

    Laut der „Deutschen Welle“ wurden seit 2012 500 Schiffe und Boote an der japanischen Küste angespült. Allein 2017 sollen circa 40 Boote Nordjapan erreicht haben.  Es sind alte und schmutzige Wasserfahrzeuge, die manchmal leer sind, oft aber zerlegte Leichen oder Knochen der Besatzung beherbergen.
    Gewöhnlich handele es sich um männliche Tote in Zivilkleidung. Spezialisten würden demnach auch einige Sachen an Bord finden, wie beispielweise Zigarettenschachteln, die darauf schließen ließen, dass die Besatzung sowie die Boote aus Nordkorea gekommen seien.

    Die „Geisterschiffe“, wie die verunglückten Wasserfahrzeuge von Medien und japanischen Fischern genannt werden, würden im Herbst und Winter auftauchen. In diesem Zeitraum ist Experten zufolge das Meer besonders gefährlich für jene, die alte Boote und Ausstattung nutzen. Angeblich besäßen sie nicht einmal eine Navigation- bzw. GPS —Systeme.

    Spione?

    Im November hatten japanische Medien berichtet, dass verdächtige Männer am Meer entdeckt worden seien. Die Männer hätten demnach angegeben, aus Nordkorea zu stammen. Dies bestätigten auch die lokalen Behörden. Höchstwahrscheinlich habe es sich um Fischer gehandelt. Vor dem Hintergrund der angespannten Situation auf der koreanischen Halbinsel hätten viele Japaner aber Zweifel.

    „…Es (Nordkorea) ist ein mysteriöses Land, über das wir viel nicht wissen. Ich kann nicht verstehen: Sind sie geflohen oder zufällig hier gelandet“, so der 66 Jahre alte Kazuko Komatsu gegenüber der Zeitung „The New York Times“.

    Wie die Zeitung in einem weiteren Beitrag schrieb, hätten nordkoreanische Agenten in den 1970er bis 1980er Jahren japanische Bürger entführt. Damals seien 13 Personen „verschwunden“. Fünf von ihnen seien 2012 in ihr Heimatland zurückgebracht worden, die anderen kamen laut der nordkoreanischen Regierung vor langer Zeit ums Leben.

    In diesem Zusammenhang haben viele Japaner Angst vor diesen „Geisterschiffen“ mit Toten und manchmal Lebenden. Nicht alle Bürger, vor allem lokale Fischer, glauben, dass die Boote wegen eines Unfalls oder Unwetters über das Meer die japanische Küste erreicht hätten.

    Im November hatten Medien berichtet, dass nordkoreanische Fischer bei einer kurzen Landung auf einer japanischen Insel eine Schutzhütte für Seeleute leergeräumt hätten. Die zehn verdächtigen Seeleute hätten gestanden, Kühlschränke, Fernseher, ein Motorrad und andere Sachen aus der Hütte „mitgenommen“ zu haben.

    Viele Japaner fürchten laut „The New York Times“ trotz fehlender offizieller Hinweise, dass die immer häufiger ankommende Nordkoreaner Spione seien, die eine neue Welle von Entführungen planten. Im Unterschied zu Südkorea, wo die Sicherheitskräfte detaillierte Informationen über alle Flüchtlinge aus Nordkorea publik machten, sei die japanische Polizei wortkarg und kommentiere keine Versionen über die Spionage durch Nordkorea.

    Japanische Experten bezweifeln, dass die Menschen in der jämmerlichen Kleidung und mit den alten Holzbooten Spione sein könnten. Sie gehen davon aus, dass wirkliche Spione „mit einem besseren Boot“ ankommen würden. Angeblich seien diese Menschen Fischer, die sich verirrt hätten.

    Diese Theorie entspricht laut der Zeitung „The Japan Times“ der nordkoreanischen Politik. Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un unterstützt die Fischerei, besonders seit die Uno 2017 Sanktionen gegen Nordkorea verhängt hat, die den Import von Meeresprodukten verbieten. Zudem gibt es zahlreiche Medienberichte, wonach viele Menschen vor dem Hunger und der Unterdrückung aus Nordkorea geflohen sind.

    Laut dem TV-Sender BBC tauchen manchmal auch militärische Boote vor der japanischen Küste auf. Dies sei mit der Tätigkeit vieler nordkoreanischer Soldaten in der Fischereiindustrie verbunden.

    Ein Professor der japanischen Seigakuin Universität, Satoru Miyamoto, erklärte gegenüber dem TV-Sender CNN, dass die Anzahl der angespülten Schiffe seit 2013 gestiegen sei:

    „Es passiert seitdem Kim Jong-un beschlossen hat, die Fischereiindustrie zu erweitern, um die Einnahmen des Militärs zu erhöhen. Deshalb nutzen sie alte Boote und besetzen diese mit Soldaten, also mit Menschen, die überhaupt kein Wissen über die Fischerei haben“. Er fügte hinzu: „Es wird so weitergehen.“ 

    Der Sender BBC verwies auch darauf, dass Nordkorea weder vermisste Boote noch Soldaten gemeldet habe.

    Was passiert mit den Booten in Japan?

    Laut der Zeitung „Los Angeles Times“ hat Japan im Februar 13.500 US-Dollar für den  Transport und Abbau der angespülten und zerstörten Boote ausgegeben. Die Leichen werden laut „The New York Times“ kremiert. Deren Fingernägel würden aufbewahrt, damit bei Bedarf ein DNA-Test durchgeführt werden könne. Nicht identifizierte Leichen würden in einem Grab für „unbekannte Seelen“ bestattet.

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    Tags:
    Boote, Schiffe, Leichen, Japan, Nordkorea
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