17:38 23 Juli 2018
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    Totenköpfe in Urwald

    Australien: Todesinsel zeigt ihre Leichen

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    Wir schreiben das Jahr 1628: Ein Handelsschiff verlässt die Niederlande in Richtung Indonesien, 350 Menschen sind an Bord. Am Zielhafen wird die „Batavia“ niemals ankommen: Was ihrer Crew und den Passagieren bevorsteht, liest sich wie ein Horror-Roman. Spuren dieser Geschichte sind jüngst entdeckt worden.

    Wären es die Piraten gewesen, wäre die Geschichte schnell erzählt, so die Onlinezeitung gazeta.ru. Doch das Verderben lauerte auf die „Batavia“ nicht in den Weiten des Ozeans, sondern direkt an Bord, mitten unter den Besatzungsmitgliedern.

    Dass etwas nicht stimmt, hatte der Expeditionsleiter Francisco Pelsaert rechtzeitig bemerkt und auch Gegenmaßnahmen ergriffen. Er verdächtigte nämlich den Schiffskapitän Adrian Jacobson, es auf die wertvolle Ladung der „Batavia“ abgesehen und deshalb eine Meuterei ins Auge gefasst zu haben.

    Sogleich ordnete Pelsaert an, sowohl die Fracht als auch die Brücke Tag und Nacht zu bewachen. Nur dass er krank werden würde, damit hatte der Expeditionschef nicht gerechnet: Gleich nachdem die „Batavia“ das Kap der guten Hoffnung passiert hatte, erkrankte er an Malariafieber. Jacobson nutzte die Gunst des Moments und entführte den Frachtsegler – weg vom vorgesehen Kurs und aus der Sichtweite der Begleitschiffe.

    Am 4. Juni 1629 ereignet sich die Katastrophe: Die „Batavia“ zerschellt an einem Riff, rund 60 Kilometer westlich der australischen Küste. Das Schiff sinkt, ein Teil der Besatzung und der Passagiere stirbt – 260 Überlebende können sich aber auf eine Insel retten, auf Beacon Island. Und damit beginnt für sie der Horror.

    Auch Pelsaert und Jacobson haben den Schiffsbruch überlebt. Mit einem Beiboot fahren sie los, um ihren Zielhafen in Indonesien zu finden, während die anderen Überlebenden auf Beacon Island bleiben. Ein gewisser Jeronimus Cornelisz, ein Untergebener von Pelsaert, bleibt bei ihnen und soll für Recht und Ordnung unter den Gestrandeten sorgen. Nur: Seine Pläne sind ganz andere.

    Cornelisz will das Gold und Silber vom Bord der gekenterten „Batavia“ holen und damit ein eigenes Königreich gründen – wohlbemerkt auf einer Insel, die bessere Lebensbedingungen bieten würde und noch zu finden war. Vorerst aber musste er mögliche Gegner loswerden.

    Was folgte, war eine Willkür ohne Gnade: Die Anhänger von Cornelisz machten mit jedem kurzen Prozess, der ihnen irgendwie verdächtig erschien – oder auch einfach nur mitdurchgefüttert werden musste. Ohne eine Strafe fürchten zu müssen, töteten die Meuterer alles und jeden wie im Blutrausch. Um jeden zu ertränken, zu erwürgen oder totzuschlagen, brauchten sie keine Begründung: 110 Männer, Frauen und Kinder fielen ihnen zum Opfer.

    Cornelisz legte dabei höchsten Wert darauf, sich die Hände nicht schmutzig zu machen: Jeder Mord war ein Auftragsmord, ausgeführt von seinen Handlangern. Aus dem Traum von einem eigenen Königreich wurde trotz der Gewaltherrschaft nichts. Pelsaert kehrte von seiner Erkundungsreise zurück und ließ seine Soldaten die Verbrecher an Ort und Stelle hinrichten.

    1963 wurde das Schiffswrack entdeckt, die umliegenden Gebiete werden bis heute untersucht, wie die Onlinezeitung schreibt. „In den letzten Jahren wurden im Rahmen unseres Forschungsprojekts im Zentralteil der Insel Beacon Überreste von zehn Menschen entdeckt“, sagte der Anthropologe Daniel Franklin von der University of Western Australia.

    Eine Isotopenuntersuchung soll nun zeigen, woher diese Menschen stammten. Weitere Analysen werden dann noch mehr darüber offenbaren, was auf der Insel nach dem Schiffsbruch geschah.

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    Brutalität, Leichen, Mystik, Geheimnisse, Ermittlung, Archäologie, Schiffsunglück, Australien
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