21:14 21 Januar 2018
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    Ein kleiner Eisbär (Archivbild)

    Der kleine Berliner Eisbär hat noch keinen Namen und wird seinen Vater nie treffen

    © Sputnik/ Alexander Kryazhew
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    Im Tierpark Berlin freuen sich alle über Nachwuchs bei den Eisbären. Mutter Tonja und Vater Wolodja, die beide aus Moskau stammen, sind Eltern geworden. Es ist nicht die erste Geburt bei den Berliner Eisbären. Im Tierpark ist die Hoffnung groß, dass es diesmal gut geht.

    In der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember erblickte im Tierpark Berlin ein kleiner Eisbär das Licht der Welt. Wobei … so ganz stimmt das nicht, denn Eisbären sind bei ihrer Geburt blind. Und federleicht. „Der junge Eisbär ist 600 bis 700 Gramm schwer, und es geht ihm gut“, sagt Dr. Florian Sicks, der für Säugetiere verantwortliche Kurator im Tierpark. Gewogen wurde das Bärenbaby, das etwa so groß ist wie ein mittleres Meerschweinchen, noch nicht. „Wir wissen generell noch nicht viel. Auch das Geschlecht ist noch unbekannt, denn aktuell geht noch kein Pfleger oder Tierarzt in die Wurfbox, in der sich Tonja und ihr Junges aufhalten. Denn das oberste Gebot bei der Eisbären-Jungtier-Aufzucht ist absolute Ruhe.“ Erst im Frühjahr kommen die Mutter und ihr Junges ans Tageslicht. 

    Das ist vor allem für die Eisbärin eine ziemliche Strapaze. Laut Sicks muss die achtjährige Tonja vier bis fünf Monate lang auf Futter verzichten. Sie lebt ausschließlich von ihren Fettreserven. Erstmals mit Menschen in Kontakt kommt der junge Bär in etwa zwei Monaten. Dann impft ihn der Tierarzt gegen Würmer. Bei dieser Gelegenheit wird auch festgestellt, ob es sich um ein Weibchen oder ein Männchen handelt. Die Eltern kommen beide aus Moskau. Der frühere Tierpark-Chef Bernhard Blaszkiewitz hatte gute Kontakte zu seinem Kollegen Wladimir Spitsin. Dieser schenkte dem Berliner Tierpark die Bären. Zum Dank bekam der männliche Eisbär den Namen Wolodja. Das ist ein Kosename von Wladimir. 

    Schon im vergangenen Jahr gab es Nachwuchs bei den Eisbären in Berlin-Lichterfelde. Ein Junges starb bereits unmittelbar nach der Geburt. Beim zweiten, dem Eisbären Fritz, schien alles gut zu laufen, bis er im Alter von vier Monaten plötzlich starb. „Dass ein Jungtier in diesem hohen Alter noch verstirbt, ist wirklich eine Seltenheit. Trotz der umfangreichen Untersuchungen von Tier- und Human-Pathologen sowie Virologen haben wir den Grund für den Tod des Tieres nicht zutage bringen können“, gibt Dr. Sicks zu. Auch Berlins berühmtester Eisbär „Knut“ starb 2011 sehr früh im Alter von vier Jahren. „Knut“ lebte allerdings im Zoologischen Garten in Berlin und wurde von seinem Pfleger aufgezogen. Familiäre Verbindungen zu den Eisbären im Tierpark gibt es nicht. 

    Bei Dr. Sicks und seinen Kollegen im Tierpark ist die Hoffnung groß, dass der Eisbär dieses Mal ohne Komplikationen aufwächst. In der Wurfbox, in der im Übrigen für die Arktis untypische 13 Grad Celsius herrschen, wurden Kameras angebracht. Damit können Besucher und Tiermediziner sehen, was Tonja und ihr Junges so treiben. Mit seinem Vater Wolodja, der jetzt fünf Jahre alt ist, wird der kleine Bär niemals in direkten Kontakt kommen. Klingt hart, ist aber überlebenswichtig, wie Dr. Sicks erklärt:

    „Eisbärenmänner sind im natürlichen Lebensraum die größten Feinde der Jungtiere. Eisbären paaren sich mit jedem Weibchen, das ihnen über den Weg läuft. Sie können sich darum nie sicher sein, ob es sich um den eigenen Nachwuchs handelt. Zum anderen ist so ein kleines Jungtier für einen Eisbärenmann von 500 Kilogramm eine willkommene Beute, eine Proteinquelle. Die wird dann auch genutzt, wenn sie einem über den Weg kommt.“

    Ein anderer Eisbar hat gerade ebenfalls für Schlagzeilen gesorgt. Die Bilder des in der kanadischen Arktis verhungernden Tiers gingen gerade um die Welt. Der Tierpark nutzt die eigenen Eisbären auch, um auf das Schicksal der wild lebenden Tiere aufmerksam zu machen: „Das ist der Hauptgrund, warum wir in zoologischen Gärten überhaupt Eisbären halten“, betont Dr. Sicks. „Mit keinem anderen Tier können wir so auf die Bedrohung durch den Klimawandel aufmerksam machen. Der Eisbär ist unglaublich populär. Das merken wir an unserem Video aus der Wurfbox, das durch das Netz geht, und am Interesse an unserem Jungtier.“ Dadurch hätten die Zoos die Möglichkeit, ihre jährlich etwa 40 Millionen Besucher auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Große Hoffnungen, den derzeit in Paris stattfindenden Klimagipfel beeinflussen zu können, hat der Veterinär allerdings nicht.

    In freier Wildbahn verhungern oder vom eigenen Vater gefressen werden? Zumindest diese Schicksale bleiben dem kleinen Berliner Bären erspart. Im Frühjahr darf er seine Wurfbox verlassen. Wenn es ein Männchen ist, hätte die Sputnik-Redaktion in Anbetracht des Geburtsdatums einen hübschen Namenvorschlag: Nikolaus.

    Matthias Witte

    Das komplette Interview mit Dr. Florian Sicks finden Sie hier:

    Tags:
    Tierpark, Eisbär, Zoo, Berlin, Deutschland
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