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    Eine Verkettung unglücklicher Umstände, Konstruktionsmängel und dann auch noch Fehlentscheidungen der Crew? Echte Seebären wissen, warum die Titanic wirklich untergegangen ist.

    Den größten Passagierdampfer seiner Zeit auf den Namen antiker Helden zu taufen, war aus Sicht der Reeder vor allem ein geschickter Marketingzug, wie die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ berichtet. „Titanic“ – das klang über alle Naturgewalten erhaben, waren es doch die Titanen, die die Götter des antiken Griechenlands einst zum Wettkampf herausgefordert hatten.

    Mag der Name die Aufmerksamkeit der potentiellen Fahrgäste auch erregt haben: Für die Götter der Meere war er ein Affront. Ein fester Glaubenssatz der Seeleute lautete nämlich, wie das Blatt schreibt: „Das Meer mag keine protzigen Schiffsnamen. Wer prahlt, muss leiden.“

    Moskauer U-Bahn
    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Schon der Legende nach wurden die Titanen für ihren Hochmut von Göttern niedergestreckt und in den Tartar geworfen, in den unvorstellbar tiefen Abgrund irgendwo im hohen Norden. Ist es da ein Zufall, dass die „Titanic“ im Nordatlantik in einer Tiefe von 3750 Metern liegt?

    Aus der Geschichte der Götter hatten die Eigentümer der „Titanic“ offenbar keine Schlüsse gezogen. Für die Geschichte der Schifffahrt hatten sie sich offenkundig gar nicht erst interessiert. Sonst hätten sie gewusst, dass man einen Dampfer keinesfalls auf den Namen eines bereits verunglückten Schiffes taufen darf – so lautet nämlich der zweite Grundsatz der erfahrenen Seewölfe, wie das Blatt schreibt.

    Hätten die Reeder nur nachgeschlagen, ob der Name „Titanic“ nicht schon eine Bedeutung hat! Dann hätten sie schon 14 Jahre vor dem Stapellauf ihres Dampfers erfahren, wie dessen Jungfernfahrt ausgehen würde.

    Der US-Autor Morgan Robertson hatte nämlich 1898 in seinem Zukunftsroman „Futility“, Vergeblichkeit also, eine „Titan“ beschrieben – ein Passagierschiff, dem nachgesagt wurde, es sei unsinkbar. Selbst in seinen Ausmaßen war der fiktive Dampfer der britischen „Titanic“ erstaunlich ähnlich.

    Doch wirklich unheimlich wird es erst jetzt: Die „Titan“ aus dem Roman des US-Amerikaners rauschte, wie das Blatt schreibt, in einer Nacht im April bei voller Fahrt in einen Eisberg. Der Rumpf wurde steuerbords aufgerissen, das Schiff sank, die meisten Passagiere starben, weil … es zu wenig Beiboote an Bord gab. An die Unsinkbarkeit ihrer „Titan“ glaubten die Schiffseigentümer eben felsenfest.

    Die Geschichte der „Titanic“ war wie von Robertsons Roman abgekupfert: Der britische Dampfer mit über 2200 Fahrgästen an Bord war in der Nacht vom 14. auf den 15. April in nordatlantischen Gewässern mit einem Eisberg zusammengestoßen und sank. Bis zu 1600 Menschen starben, weil es nicht genug Rettungsboote für alle gab.

    Wie konnte man nur nach dem Erscheinen des Romans von Morgan Robertson einem Schiff einen solchen Namen geben? Vielleicht hatten ja jene 55 Menschen das Buch gelesen, die ihre Tickets für die Jungfernfahrt zurückgaben – und deshalb überlebten.

    Jedoch: Blut klebte an der „Titanic“ schon lang vor der Tragödie, wie die Zeitung schreibt. Gebaut wurde das britische Schiff bekanntlich sehr schnell, in nur 26 Monaten. So ein rasantes Bautempo forderte seinen Tribut: Acht Werftarbeiter starben, ganze 246 Arbeiter wurden verletzt.

    Das erste Opfer der „Titanic“ war der 15-jährige Samuel Scott. Er soll sich bei einem Sturz vom Schiffsrumpf das Genick gebrochen haben – wird jedenfalls angenommen, wie das Blatt schreibt. Genaueres ist über den Unglücklichen nicht bekannt. Sogar sein Grabstein auf einem Friedhof in Belfast ist erst 100 Jahre nach dem tragischen Sturz aufgestellt worden.

    Nach dieser Reihe von Todesfällen hatte die „Titanic“ schon vor dem Stapellauf einen schlechten Ruf. Mit so einem Pott in See zu stechen, ist laut Seemannsglauben so, als spielte man Russisch Roulette.

    Und das war längst nicht alles, womit die britischen Reeder das Schicksal herausforderten. Entgegen aller Tradition hatten sie auch noch auf die Schiffstaufe verzichtet. Es ist bis heute Brauch, dass eine Taufmutter vor der Jungfernfahrt ihres „Täuflings“ eine Champagnerflasche an dessen Rumpf zerschlägt und ihm einen Namen gibt. Dass die Herren der „Titanic“ an diesem Ritual hatten sparen wollen, ist kaum anzunehmen, wie das Blatt schreibt. Vielmehr war es wohl so, dass sie auf Seemannsbräuche pfiffen.

    Diese Schamlosigkeit allein hätte schon gereicht, um den britischen Dampfer auf den Meeresgrund zu schicken. Aber die Reeder haben noch eine Schippe draufgelegt: Entgegen allen Regeln seemännischer Vernunft wurde auf der „Titanic“ in jenem April 1912 eine altägyptische Mumie transportiert.

    In den 1880er Jahren wurde bei Ausgrabungen in der Nähe Kairos die Mumie einer Wahrsagerin aus der Zeit des Pharaos Amenophis IV. entdeckt. Ein Sammler erwarb das Fundstück, verkaufte es dann an einen anderen – und so ging die Mumie zunächst von Hand zur Hand.

    Lang behalten wollte die Mumie niemand. Denn wer auch immer mit ihr in Berührung kam, erkrankte oder starb unter ungeklärten Umständen. Und dieses „wertvolle“ Stück der Weltgeschichte befand sich an Bord der „Titanic“. Ein Sammler aus den USA hatte sie beim British Museum erworben und beschlossen, sie in die Vereinigten Staaten zu verschiffen.

    So eine wertvolle Fracht konnte, wie die Zeitung schreibt, natürlich nicht im Laderaum verstaut werden und wurde daher gleich hinter der Kommandobrücke untergebracht, zusammen mit einer kleinen Statue des Gottes Osiris. „Erhebe dich aus dem Staub, und dein Blick wird jeden niederwerfen, der dir im Wege steht“, war darauf gemeißelt, wie die Zeitung schreibt.

    Was muss die Neugier des Kapitäns Edward Smith groß gewesen sein! Jedenfalls soll er einer Legende zufolge den Sarkophag geöffnet haben, um einen Blick reinzuwerfen – schon waren der Kapitän und sein Schiff verflucht und verdammt.

    Edward Smith war übrigens ein erfahrener Seefahrer. Seit rund 40 Jahren war er damals auf Weltmeeren unterwegs, auch auf Großdampfern. Nur ein glückliches Händchen hatte er dabei nicht, so die Zeitung. Havarien, Brände, Strandungen – Zwischenfälle gab es auf vielen Schiffen, die Smith führte. Die Matrosen munkelten schon, er sei wie verwünscht.

    Und wer soll ihnen diese Nachrede auch übelnehmen? Die Jungfernfahrt der „Titanic“ sollte auch Smiths letzter Auftrag vor seiner Pensionierung sein – kein gutes Omen, wie jeder Seemann weiß. Dazu noch die Beinahe-Katastrophe im Hafen von Southampton: Da stieß das britische Schiff wegen eines Fehlers des Kapitäns beinahe mit einem Liniendampfer aus New York zusammen. In letzter Minute entgingen die beiden Riesen der Kollision – um einen halben Meter!

    Doch auch diese Panne war noch nicht das letzte Vorzeichen des Verderbens. Der letzte Warnruf war wohl, wie die Zeitung schreibt, der Tod eines Passagiers an Bord der „Titanic“. Dass ein Fahrgast nach dem Auslaufen des Schiffs verstorben war, wurde vor der Besatzung und den anderen Passagieren geheim gehalten – vergeblich: nur wenige Stunden nach dessen Ableben prallte die „Titanic“ mit dem Eisberg zusammen …

    Der Eigentümer der „Titanic“ – die Reederei White Star Line – zog seine Schlüsse aus der Katastrophe. 1912 befand sich die kleine Schwester der „Titanic“ gerade im Bau – „Gigantic“ sollte sie eigentlich heißen. Um wenigstens diesem Schiff eine Tragödie zu ersparen, wurde seine Konstruktion eilends nachgebessert.

    Vor allem aber änderte man den stolzen Namen, schreibt das Blatt. Die Reederei entschied sich für das frommere und patriotische „Britannic“. Allein, gerettet hat der neue Name den Liniendampfer nicht: Im Ersten Weltkrieg wurde er nicht von einem Eisberg, sondern von einem deutschen Torpedo versenkt.

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    Tags:
    Geheimnis, Mystik, Grund, Katastrophe, Mumie, Titanic, Schiff, England, Ägypten, Atlantik, Großbritannien, USA