00:58 18 Januar 2018
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    Kardinal  George Pell, dem in Australien sexuelle Belästigung von Kindern vorgeworfen wurde (Archivbild)

    „Nationale Tragödie“: Australien offenbart massenhafte Kinderschändung

    © AP Photo/ Gregorio Borgia
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    Die Australische Königliche Kommission zur Institutionellen Reaktion auf sexuellen Missbrauch von Kindern hat ihren 17-bändigen Abschlussbericht veröffentlicht, berichtet das Online-Magazin „Republic“. Wie das Dokument unerfreulich ergibt, sind die australischen Behörden am Kinderschutz massiv gescheitert.

    Fünf Jahre lang befragte die Kommission insgesamt 15.000 Personen. Mehr als 8000 Menschen erzählten dabei von ihren traurigen Erfahrungen, die meisten von ihnen zum ersten Mal. 3955 anonymisierte Erzählungen der Opfer, die von ihren Adoptiveltern, Priestern und Schulkameraden verprügelt und sexuell missbraucht worden waren, wurden in den 17-bändigen Bericht aufgenommen.

    Dem Bericht zufolge wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten mindestens Zehntausende Kinder sexuell missbraucht. Genaue Zahlen seien nie feststellbar.

    Tragödie von nationalem Ausmaß 

    „Unbeachtet der Zahlen ist das eine nationale Tragödie, die sich im Laufe von mehreren Generationen ereignet hat, in den Einrichtungen, denen wir vertrauen", heißt es im Bericht. In 62 Prozent der Fälle seien es Kirchen gewesen, aber auch Schulen, Sportclubs und Kulturzentren. Am häufigsten wurde Kindesmissbrauch Lehrern und Priestern vorgeworfen.

    Der Bericht zeigt ein umfassendes Bild der Tragödie. Demnach waren die meisten Opfer (64,3 Prozent) männlich, allerdings war das Durchschnittsalter der missbrauchten Mädchen niedriger, als das der männlichen Opfer. Mehr als die Hälfte der Opfer wurde im Alter von zehn bis vierzehn Jahre misshandelt.

    Dabei teilten 93,8 Prozent mit, der Täter sei ein Mann gewesen. 36,3% Prozent der Befragten sagten aus, sie seien von mehreren Personen missbraucht worden.

    Das Dokument geht unter anderem auch auf die psychischen Folgen der Opfer ein, die aufgrund der Erlebnisse soziale Schwierigkeiten haben und infolge dessen alkohol- und drogenabhängig wurden.

    Staatliche Behörden verfehlen Kinderschutz

    Besonders hervorgehoben wird die mangelhafte Arbeit der Polizei und der für den Kinderschutz zuständigen Behörden, deren Beamten sich weigerten, sich den Kindern anzunehmen und Ermittlungen einzuleiten. Die Kinder und Jugendlichen, die aus den Einrichtungen flohen, in denen Gewalt herrschte, seien zurückgebracht worden.

    Die Königliche Kommission zur Ermittlung des Ausmaßes entsprechender Missstände war 2012 gebildet worden, nachdem der Katholischen Kirche vorgeworfen worden war, Kinderschänder in ihren Reihen zu hehlen. Australien ist das bislang einzige Land, das eine solche Ermittlung auf Anregung der Behörden durchgeführt hat. 

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    Tags:
    Bericht, Missbrauch, Schändung, Kindermisshandlung, Australien