12:45 19 Juni 2019
SNA Radio
    Sowjetischer Luftabwehrkomplex (Archivbild)

    Peinlicher Rückschlag für Sowjet-Flugabwehr – und wie er aufgearbeitet wurde

    © Sputnik / Inyakin
    Panorama
    Zum Kurzlink
    91738

    Der peinliche Vorfall aus dem Jahr 1987, als der Deutsche Mathias Rust mit einem Leichtflugzeug bis an den Kreml gelangte, ohne gestoppt worden zu sein, blieb nicht ohne Auswirkungen für die (post)sowjetische Grenzbewachung. Ein ehemaliger Flugabwehroffizier klärt auf.

    In einem Bericht des russischen TV-Senders Swesda heißt es: „Der 28. Mai 1987, als die Grenzsoldaten ihren Berufsfeiertag begingen, wurde zu einer Art Tag der Schande für die sowjetische Flugabwehr und Luftwaffe. Ein vom Deutschen Mathias Rust pilotiertes Leichtflugzeug des Typs Cessna passierte alle Systeme der sowjetischen Flugabwehr und landete am Wassili-Abhang – praktisch vor der Kreml-Mauer.“

    Die Cessna des Deutschen Mathias Rust steht am 28. Mai 1987 vor der Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau
    © AP Photo /
    Die Cessna des Deutschen Mathias Rust steht am 28. Mai 1987 vor der Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau

    Oberst a.D. Wladimir Baturkin sagte dem Sender: „Zum Thema Rust gab es viel ‚Manöverkritik‘. Es wäre damals nicht schwer gewesen, ihn in jeder Flugphase abzuschießen: Die entsprechenden Optionen standen sowohl den Jagdflugzeugen, die ihn begleiteten, als auch den Flugabwehrsystemen zur Verfügung. Niemand wagte jedoch, diese Entscheidung zu treffen. Die zuständigen Operatoren setzten sich mit Moskau in Verbindung, um eine Genehmigung zum Abschuss zu bekommen, es gab aber keine Antwort.“ 

    „Da muss man noch eine Nuance berücksichtigen: Nach dem Abschuss einer südkoreanischen Boeing über Sachalin am 1. September 1983, der international breite Resonanz fand, war man übervorsichtig. Es gab eine klare Richtlinie: Ausländische Passagier- und Leichtflugzeuge, die in den sowjetischen Luftraum eindringen, soll man nicht abschießen, sondern nur begleiten und zu einer Kursänderung zwingen. Unter dieser ‚Kontrolle‘ erreichte Rust Moskau“, so Baturkin.

    Ein Jahr später versuchte der Norweger Andreas Sommers, die russische Flugabwehr erneut zu knacken. Auch er flog mit einer Cessna. Der Flug wurde, wie der Sender berichtet, mit Unterstützung der in Norwegen stationierten US-Militärs vorbereitet, die den Piloten über die Aktivitäten der sowjetischen Abfangjäger informierten.

    Laut Baturkin drang die Cessna 30 bis 40 Kilometer weit in den sowjetischen Luftraum ein. Um sie abzufangen, hob eine Su-27 von Kapitän Andrej Poloskow ab. Als sich das Jagdflugzeug der Cessna näherte, änderte diese den Kurs und flog zurück an die Grenze.

    Trotzdem unternahm Sommers nach Angaben des Senders später einige weitere Versuche, in den sowjetischen Luftraum einzudringen, darunter auch nachts. Dabei bekam er dem Bericht zufolge Informationen von Nato-Aufklärungsflugzeugen des Typs RC-135 oder Orion. Sowjetische Abfangjäger passten aber auf, und der Norweger wagte keine unmittelbare Grenzverletzung mehr.

    Mathias Rust im sowjetischen Gericht (Archivbild)
    © AFP 2019 / Sylvia Kaufman
    Mathias Rust im sowjetischen Gericht (Archivbild)

    Baturkin erzählt weiter: „Nach dem Vorfall mit Rust bekamen die Flugabwehrkräfte die Anweisung, dass die Grenzverletzter entweder zu einer Kursänderung gezwungen oder abgeschossen werden müssen, selbst wenn es sich um ein ziviles Flugzeug handelt. Die Region nahe der finnischen Grenze, die als relativ ruhig galt, wurde durch Flugabwehr- und Luftwaffenmittel verstärkt. Und man kann sagen, dass die Versuche, in den Luftraum unseres Landes einzudringen, praktisch aufhörten.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Grenzverletzung, Flugabwehrsystem, Luftabwehrkräfte, Cessna-Flugzeug, Su-27, Mathias Rust, Sowjetunion