02:49 18 August 2018
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    Taxi in der Nähe von Breitscheidplatz (Archivbild)

    „Taxikosten werden nicht erstattet“: Berliner Bürgermeister erbost Terror-Opfer

    CC BY 2.0 / Till Krech / taxi!
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    Kurz vor der Einweihung des Denkmals für die Berliner Terror-Opfer hat ein Brief des Bürgermeisters Michael Müller für Unverständnis und Empörung bei den Hinterbliebenen gesorgt, wie die „Bild“-Zeitung berichtet.

    Zum ersten Jahrestag des Terroranschlags in Berlin wurden demnach Angehörige der zwölf Todesopfer und über 50 Verletzte zur Enthüllung eines Mahnmals an der Gedächtniskirche geladen. In diesem Zusammenhang soll Berlins Bürgermeister Michael Müller einen einfühlsamen und gleichzeitig für Empörung sorgenden Brief verfasst haben.

    Im Anhang des Schreibens, der sieben Punkte enthält, heißt es: „Taxikosten werden nicht erstattet. Es müssen öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden.“
    Weiter steht geschrieben: „Bei Anreise mit einem privaten Pkw nach Berlin werden Ihnen 0,20 Euro pro gefahrenem Kilometer erstattet.“ Unter Punkt 4 soll darauf hingewiesen werden, dass die Pkw-Kosten nur bis zu einem Betrag erstattet werden, der nicht höher als der für ein Bahn- oder Flugticket sei.

    ​Die Betroffenen waren dem Blatt zufolge wütend über das Schreiben. Yaron, Schwager der ermordeten Israelin Dalia Elyakim, sagte dazu:

    „Sie wollten nur Geld sparen, alles war sehr kalt. Sie haben nicht versucht, uns zuzuhören oder unsere Bedürfnisse zu verstehen. Die Behörden haben mit ihrem Verhalten noch zu unserem Schmerz beigetragen.“

    Eine der Versehrten sagte gegenüber dem Blatt:

    „Gerade jetzt, wo sich herausstellt, dass die Behörden und somit der Staat eklatante Fehler gemacht haben, eine Mitschuld tragen, hätte ich mehr Großzügigkeit erwartet.“

    Eine Sprecherin des Berliner Senats kommentierte gegenüber der Zeitung diese Situation. Das Schreiben sei „haushalts- und verwaltungsrechtlich notwendig“. „Den dadurch möglicherweise entstehenden Eindruck bedaure ich“, fügte sie hinzu.

    Am 19. Dezember war ein Lkw in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche im Zentrum von Berlin gerast. Zwölf Menschen kamen dabei ums Leben, 48 wurden verletzt. Die deutschen Behörden stuften das Attentat als Terroranschlag ein. Zu der Tat bekannte sich die Terrormiliz Daesh (auch „Islamischer Staat“, IS). Der Attentäter, ein 24-jähriger Flüchtling aus Tunesien namens Anis Amri, ist auf der Flucht bei Mailand von italienischen Polizisten erschossen worden.

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    Tags:
    Brief, Bürgermeister, Terroranschlag, Berlin, Deutschland
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