06:20 14 Dezember 2019
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    Kampf um den Himmel: Die härtesten Luftschlachten des 20. Jahrhunderts

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    Hunderte Flugzeuge fliegen direkt aufeinander zu. Die Flugaufgaben wurden erhalten, Kanonen und Maschinengewehre sind geladen, der Feind ist vorne. Nach eine Sekunde beginnt der Chaos des Luftkampfes.

    Vor 75 Jahren, am 16. Dezember 1942 begann im Zweiten Weltkrieg bei Stalingrad die Mittlere Don-Operation,  bei der die Truppen der sowjetischen Südwestfront und der linken Flanke der Woronescher Front die achte italienische und dritte rumänische Armeen der Heeresgruppe Don unter der Führung des Feldmarschalls Erich von Manstein attackierten.

    Jede Seite zog für die Schlacht 400 bis 500 Flugzeuge verschiedener Typen hinzu. Die Rote Armee durchbrach innerhalb von zwei Wochen die feindliche Front, die 340 Kilometer breit war, zerschlug elf Divisionen des Gegners und gelangte ins Hinterland der Heeresgruppe Don. Dieser Erfolg wurde in vielerlei Hinsicht dank dem effektiven Handeln der sowjetischen Fliegerkräfte erzielt. In diesem Artikel lesen Sie über weitere bekannteste Luftoperationen des 20. Jahrhunderts.

    Drei Kämpfe

    Eine der größten Luftschlachten des Zweiten Weltkriegs fand im April-Juni 1943 über der Region Krasnodar statt, am Höhepunkt des Kampfes um den Kaukasus. Die deutsche Seite nutzte die zahlenmäßige Überlegenheit bei Fliegerkräften und setzte  bis zu 1200 Flugzeuge ein, um die Offensive der Roten Armee zu torpedieren. Die Sowjetunion zog bis zu 1050 Maschinen in den Himmel. Sowjetische Piloten kämpften sowohl mit neuen Jagdflugzeugen, als auch mit bereits in früheren Schlachten geprüften Maschinen. Gegen die Luftwaffe kämpften die LaGG-3, La-5, Jak-1B, Jak-7 sowie die gemäß dem Lend-Lease Act, dem Leih und Pachtgesetz, erhaltenen amerikanischen P-39 Airacobra, P-40E  Kittyhawk und die britischen Spitfire Mk.V. Die Angriffe gegen die Bodenziele wurden vorwiegend mit Sturzbombern Pe-2, Angriffsflugzeugen Il-2 und Langstreckenflugzeugen Il-4 versetzt. Die Deutschen setzten die Messerschmitts BF-109 der neuen Modifikationen G-2 und G-4 sowie die Jagdflugzeuge FW-190 ein. Die Grundlage der deutschen Bomber bildeten die He-111 und Ju-88.

    In der sowjetischen Historiografie wird der Kampf über der Region Krasnodar in drei große Luftschlachten geteilt. Die erste Schlacht ereignete sich vom 17. bis zum 24. April bei Myshako. Die Wehrmacht versuchte mit Unterstützung ihrer Luftwaffe, den Truppenverband der 18. Armee zu vernichten. Sie setzte 450 Bomber und 200 Jagdflugzeuge ein. Ihnen wurde von 500 sowjetischen Flugzeugen, darunter 100 Bomber, Widerstand geleistet. Die deutsche Seite hatte es zwar geschafft, die Initiative in der Luft zu behalten, doch die Jagdflugzeuge der Sowjetunion erreichten ihr Hauptziel – sie verhinderten organisierte Angriffe gegen die sowjetischen Truppen durch gegnerische Bomber.

    LaGG-3 (Archiv)
    © CC0
    LaGG-3 (Archiv)

    Die zweite große Luftschlacht fand vom 28. April bis zum 10. Mai über der Siedlung Krymskaja statt. Im Laufe von drei Stunden ihrer Offensive absolvierte die deutsche Luftwaffe mehr als 1500 Starts. Die letzten großen Luftkämpfe fanden vom 26. Mai bis zum 7. Juni bei den Siedlungen Kiewskaja und Moldawanskaja statt. Insgesamt verlor die Sowjetunion in diesen drei Schlachten rund 750 Flugzeuge, Deutschland – rund 1100 Maschinen. Die Luftkämpfe über der Region Krasnodar werden von der sowjetischen Geschichte positiv bewertet – wegen einer bedeutenden Untergrabung der Stärke der Luftwaffe an der ganzen Front.

    Direkter Weg zu Kamikaze

    Einer der größten Luftkämpfe in der Pazifikregion im Zweiten Weltkrieg war die Schlacht über der Philippinensee am 19. und 20. Juni  1944. Die 5. Front der US-Marine kämpfte dort gegen einen starken Flugzeugträgerverband der Kaiserlich Japanischen Marine, die neun „schwimmende Flugplätze“ zählte. Die Amerikaner rückten mit zwölf Flugzeugträgern vor. Gegen etwa eintausend amerikanische Flugzeuge kämpften rund 750 japanische Maschinen. Diese Schlacht wurde von der Kaiserlich Japanischen Marine verloren.

    USS Bunker Hill nach Kamikaze-Angriff (Archiv)
    © Foto : U.S. Navy
    USS Bunker Hill nach Kamikaze-Angriff (Archiv)

    Innerhalb von zwei Tagen verloren die USA 123 Flugzeuge. Doch sie vernichteten mehr als 600 gegnerische Maschinen und versenkten drei Flugzeugträger. Zu einem solchen Ergebnis führten technische Mängel der japanischen Jagdflugzeuge sowie die unzureichende Ausbildung ihrer Besatzungen. Die riesengroßen Verluste der japanischen Kriegsflotte konnten nicht mehr aufgefüllt werden. Im Oktober 1944, während der See- und Luftschlacht im Golf von Leyte,  konnten vier japanische Flugzeugträger nicht in den Kampf eingreifen, weil sie keine Flugzeuge mehr hatten. Zum Teil gerade wegen der Zerschlagung der japanischer Kräfte in der Schlacht in der Philippinensee und des großen Mangels an bordgestützten Flugzeugen wurde beschlossen, in der japanischen Flotte einen Verband der Kamikaze zu schaffen.

    „Schwarzer Dienstag“

    Voll von erbitterten Luftschlachten war auch der Koreakrieg (1950 – 1953). Eine der größten Niederlagen erlitten US-Fliegerkräfte am 30. Oktober 1951 im Kampf gegen sowjetische Flugzeuge. An jenem Tag, später in den USA „schwarzer Dienstag“ genannt, starteten 21 schwere Bomber B-29 Stratofortress in Begleitung von 200 Jagdflugzeugen zu Angriffen gegen den Flugplatz Namsi. Zum Abfangen dieses Verbandes  stiegen 44 sowjetische MiG-15-Maschinen auf.

    Sowjetisches Jagdflugzeug MiG-15 bei der Eröffnungszeremonie der „Internationalen Armeespiele 2016“
    © Sputnik / Ewgeni Biyatow
    Sowjetisches Jagdflugzeug MiG-15 bei der Eröffnungszeremonie der „Internationalen Armeespiele 2016“

    Die US-Jagdflugzeuge blieben stark hinter den Bombern zurück, weil sie mit einem Abstand gestartet waren. Die B-29-Bomber flogen einen Abschnitt mit einer minimalen Deckung. Das wurde von den sowjetischen Piloten genutzt. 22 Paare der MiG-15-Flugzeuge attackierten die strategischen Bomber. Bei diesem kurzen Kampf wurden zwölf „fliegende Festungen“ und vier Jagdflugzeuge abgeschossen. Die restlichen US-Bomber mussten umkehren. Laut einem Steuermann einer B-29-Maschine, der später gefangen genommen worden war, gab es auf allen angegriffenen, aber heil gebliebenen Flugzeugen Tote und Verletzte. Die sowjetische Seite verlor nur ein Jagdflugzeug.

    Zwei gegen 28

    In einer der ersten Schlachten des Jom-Kippur-Kriegs (im Herbst 1973) kam es zu einem Zusammenstoß in der Luft, der erneut zeigte, dass die zahlenmäßige Überlegenheit am Himmel keineswegs den Sieg garantiert. Am 6. Oktober 1973 attackierten 28 ägyptische MiG-17 und MiG-21 den israelischen Luftwaffenstützpunkt Ofira auf der Sinai-Halbinsel bei Scharm El-Scheich. Am Flugplatz befanden sich zu jenem Zeitpunkt nur zwei Abfangjäger F-4 Phantom II mit Besatzung. Israel half die Tatsache, dass die Jagdflugzeuge des Gegners das nicht als bedeutende Bedrohung empfanden und mit Bombenangriffen gegen die Start- und Landebahnen und andere Infrastruktur des Stützpunktes begannen.

    Die zwei israelischen Jagdflugzeuge  starteten und drängten den ägyptischen Flugzeugen sofort einen manövrierten Nahkampf auf. Den israelischen Piloten half auch das Flugabwehrsystem MIM-23, das auf dem Stützpunkt stationiert war. Während eines kurzen sechsminütigen Luftkampfes schossen israelische Flugzeuge vier bis sieben gegnerische Jagflugzeuge ab und hielten bis zum Eintreffen weiterer vier israelischer Flugzeuge durch. Danach stellten die MiG-Flugzeuge ihren Angriff ein und flogen in Richtung Gebirge davon. Laut vielen Experten war die Achillesferse der ägyptischen Flugzeuge in dieser Schlacht die viel zu große Bombenlast – ihre Piloten hatten nicht mit einem ernsthaften Widerstand seitens der gegnerischen Fliegerkräfte gerechnet. Allerdings fügten die Ägypter auch einen großen Schaden zu – sie vernichteten eine Radaranlage des Flugplatzes, sie trafen dreimal die Start- und Landebahnen des Stützpunktes.

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