22:33 20 November 2018
SNA Radio
    Essen im Restaurant „Feinberg’s“

    Wirt in Berlin antisemitisch beschimpft: „Woher kommt dieser grundlose Hass?“

    © Foto : Restaurant Feinberg's, 2017
    Panorama
    Zum Kurzlink
    172448

    Ein Fall von Antisemitismus sorgt zurzeit im Internet für großes Aufsehen. Ein Video zeigt einen Mann, der den Besitzer eines israelischen Restaurants in Berlin-Schöneberg wüst beschimpft. Dabei fallen Worte wie „Gaskammer“ und „Wir wollen euch hier nicht“. Die Polizei ermittelt. Sputnik sprach exklusiv mit dem Geschädigten sowie Restaurant-Gästen.

    „Das war sehr traurig“, erklärte der Berliner Wirt Yorai Feinberg am Donnerstag in seinem Restaurant gegenüber Sputnik. „Ich war verzweifelt. Das kann nicht sein. Dieser Mann wusste ganz genau, was er sagt. Es ist unglaublich: Jemand geht auf die Straße, sieht ein Paar – und wünscht ihm den Tod.“

    Der Restaurantchef wurde gemeinsam mit seiner Freundin Opfer von antisemitischen und volksverhetzenden Aussagen eines Mannes, der das Paar vor dem Restaurant „Feinberg’s“ anpöbelte. Die Partnerin filmte den Mann dabei. Allein auf Facebook wurde das Video bis Donnerstagnachmittag fast 500.000 Mal angeklickt:

    Video geht viral – Facebook sperrt Nutzer

    „Um ehrlich zu sein, ich wollte das Video zuerst nicht veröffentlichen, weil ich nicht wusste, wie das mit den Persönlichkeitsrechten ist“, erklärte Feinberg, der früher beruflich als Balletttänzer tätig war. Dennoch veröffentlichte er den kurzen Film und „es kam, zu was es kam. Was ich wirklich schrecklich finde ist, dass Facebook den ursprünglichen Post gelöscht hat. Und die Person, die das gepostet hat, für 24 Stunden blockiert hat.“

    Das sei „ganz schlimme Zensur“ durch Facebook. Dennoch sei er nun froh, dass das Video öffentlich ist. Denn: „Vielleicht bewirkt es etwas gegen Antisemitismus.“

    So reagieren Restaurant-Gäste

    Die meisten seiner Gäste, die er bewirtet, „sind erschüttert, schockiert. Sie finden das wirklich absurd. Diese Todeswünsche, Sprüche von Gaskammern. Das ist die Boshaftigkeit in Person.“

    Die Berliner Studentin Claudia Peters war geschockt, als sie das Video am Donnerstagvormittag das erste Mal sah. „Ich habe gesehen, wie der Mann den Restaurantbesitzer angegangen ist“, erklärte sie im Gasthaus gegenüber Sputnik. „Auch die Beleidigungen, mit Sachen zur NS-Zeit, Gaskammern. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Wo kommt dieser grundlose Hass her?“ Sie hätte sich danach schlecht gefühlt und sei „aus Solidarität“ in das Restaurant zum Mittagessen gekommen.

    So reagiert die Politik

    Der israelische Botschafter in Berlin, Jeremy Issacharoff, besuchte demonstrativ das Restaurant und stärkte dem Betreiber den Rücken, wie Medien berichteten. Auch Justizminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die antisemitischen Ausfälle gegen den israelischen Restaurantbetreiber scharf. „Auch dieser völlig unfassbare und unentschuldbare Vorfall in Berlin zeigt: Wir alle müssen uns antisemitischer Hetze engagiert und mutig entgegenstellen“, so der Minister.

    Feinberg findet die Idee eines Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung gut. „Ich denke, die meisten Deutschen sind nicht antisemitisch. Sie glauben es nicht, dass es noch Leute gibt, die die Nazi-Ideologie tragen. Ich bin für einen Antisemitismus-Beauftragten.“ Denn es gebe leider trotz allem immer noch viele Antisemiten, „die voller Hass sind.“

    Berliner Polizei ermittelt jetzt

    Die Berliner Polizei nahm den pöbelnden Mann fest. Dabei soll der 60-jährige die Beamten ebenso beleidigt haben. Die Streife brachte ihn zu einer Gefangenensammelstelle. „Dort wurde ihm Blut entnommen und er wurde erkennungsdienstlich erfasst“, sagte eine Polizeisprecherin gegenüber Sputnik. Bei der Blutentnahme habe er Widerstand geleistet.

    Die Ermittlungen dauern an. Unter anderem geht es um Volksverhetzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt.

    Alexander Boos

    Das komplette Interview mit Restaurant-Chef Yorai Feinberg zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Restaurant-Gast Claudia Peters zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    „Die Antisemitenmacher“: Wird so die Meinungsfreiheit eingeschränkt?
    Antisemitische Aktion: Lazio-Fans missbrauchen Bilder mit Anne Frank
    Facebook ermöglichte gezielte Werbung für Antisemiten – Recherche
    Tags:
    Aussagen, Restaurant, Antisemitismus, Israel, Deutschland