02:18 10 Juli 2020
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    Mit bis zu 175 Stundenkilometern fegt der Orkan Burglind am Mittwoch über Deutschland – da ist äußerste Vorsicht geboten. Jedoch sind winterliche Sturmtiefs nicht ungewöhnlich, sagt Meteorologe Andreas Friedrich. Anzeichen deuten außerdem darauf hin, dass schon kommende Woche der „echte“ Winter Einzug in Deutschland hält.

    Orkan Burglind fegt seit dem frühen Mittwochmorgen über Deutschland. Vor allem für Gebiete im Südwesten Deutschlands wird davor gewarnt, sich im Freien aufzuhalten. Durch umgestürzte Bäume kam es zu zahlreichen Verkehrsbehinderungen in Nordrhein-Westfalen.

    Andreas Friedrich, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes, warnt im Sputnik-Interview eindringlich davor, sich draußen aufzuhalten:

    „Momentan gibt es in Deutschland wirklich Gebiete, wo man sich auf keinen Fall draußen aufhalten sollte. Es ist derzeit so ein Streifen vom Schwarzwald über Baden-Württemberg bis nach Nordbayern. Da haben wir zum Teil volle Orkan-Böen. In Waibstadt hatten wir heute Morgen eine Windspitze von 126 km/h – das ist Windstärke 12, Orkan. Auf der Zugspitze kann man sich oben kaum noch halten bei 175 km/h. Zum Teil sind Gewitter auch noch mit dabei. Es ist in diesen Gebieten wirklich lebensgefährlich, sich draußen aufzuhalten.“

    Deutlich besser sei es in der Nordhälfte Deutschlands, da sei der Wind schwächer. Allerdings werde auch die Nordseeküste am Mittag vom Sturm getroffen, so der Wetterfachmann.

    Entwurzelte Bäume, aber auch umherfliegende Dachziegel und umgestürzte Baugerüste seien die unmittelbaren Gefahrenquellen für Fußgänger und Autofahrer.
    Doch sollte man die milden Temperaturen und das feucht-stürmische Wetter nicht gleich dramatisieren. Es stimme, das Klima sei wärmer geworden, jedoch seien Orkane im Winter keine neue Erscheinung, erklärt Friedrich.

    „Das ist gar nicht so ungewöhnlich. Stürme brauchen immer große Temperaturunterschiede. Wir haben arktische Temperaturen nördlich von uns in der Arktis und über Grönland und noch fast sommerliche Temperaturen im Mittelmeer und auf den Kanaren. Wenn sich dieser Temperaturgegensatz über Deutschland konzentriert, kann es auch hier zu Orkanen kommen. Die meisten dieser Orkane tauchen tatsächlich im Januar und Februar auf. Manche erinnern sich noch an Kyrill im Januar vor zehn Jahren – das war der schlimmste Orkan der letzten Jahrzehnte.“

    Die nächsten Tage sollte man sich laut dem Experten auf jeden Fall noch auf Gummistiefel statt Skischuhe einstellen, wenn man sich nicht oberhalb von 1000 Metern befindet.

    „Bis etwa Samstag wird es mit dem Schmuddelwetter weitergehen. Es gibt aber Anzeichen, dass es Mitte nächster Woche vor allem im Nordosten Deutschlands einen kräftigen Kaltlufteindruck geben kann mit Temperaturen bis unter minus 10 Grad. Das ist noch wacklig, aber der Trend Richtung Winterwetter könnte nächste Woche auf dem Programm stehen.“

    Schneeliebhaber dürfen noch hoffen: Die höchste Schneewahrscheinlichkeit in der Saison ist laut Andreas Friedrich erst Mitte Januar bis Anfang Februar.

    Bericht: Ilona Pfeffer

    Das komplette Interview mit Andreas Friedrich zum Nachhören:

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    Tags:
    Orkan, Schnee, Winter, Wetter, EU, Europäische Union, Europa, Deutschland