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06:26 19 Juli 2019
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    Berliner Zoodirektor: „Ich hoffe, dass wir mal den Geburtstag eines Eisbären feiern“

    © Foto : Matthias Witte
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    Der Tod des Eisbären-Mädchens im Berliner Tierpark wirft Fragen auf. Ist die Bärenstadt Berlin der richtige Ort für die Eisbären-Zucht? Der deutsche Tierschutzbund sagt: Nein. Im Tierpark Berlin wollen die Verantwortlichen dennoch weitermachen.

    Traurig, aber auch kämpferisch zeigte sich Tierpark- und Zoodirektor Dr. Andreas Knieriem, als er die Hauptstadt-Presse am späten Dienstagnachmittag über die Umstände des Todes des kleinen Eisbären informierte. „Ich wollte heute eigentlich nur kurz nach dem Rechten sehen“, sagte der Tiermediziner zu Beginn. Aber dann berichtete ihm Säugetier-Kurator Dr. Florian Sicks vom Tod des kleinen Eisbären. „Das Tier starb am 2. Januar wohl etwa um 3.30 Uhr“, führte der Zoodirektor aus.

    Die Ursache war möglicherweise Dehydrierung. Das sagten zumindest die Veterinärmediziner. Endgültige Ergebnisse gibt es aber erst nach mehreren Obduktionen und Untersuchungen. Feststeht, dass der kleine Eisbär mit knapp einem Kilogramm sehr leicht für sein Alter war. Und, dass es ein Mädchen war. „Darauf hatten wir gehofft. In den Europäischen Zoos gibt es derzeit einen Männerüberschuss bei den Eisbären“, gesteht Knieriem mit etwas Bitterkeit. „Offenbar muss Berlin härter um seine Eisbären kämpfen.“

    Sputnik will wissen, ob die Silvester-Böllerei rund um den Tierpark etwas mit dem Tod des Tieres zu tun hat. „Eisbärenmutter Tonja hat auf die Böller reagiert“, gesteht Dr. Sicks, der für die Eisbären verantwortlich ist. „Sie ist aber nur etwa zehn bis 15 Minuten umhergelaufen und hat das Jungtier dann wieder gestillt.“ Die Knallerei sei nicht die Ursache für den Tod. Zumal Eisbären bis zum Alter von 35 Tagen noch gar nicht hören können.

    Tierschutzbund kritisiert: Euros wichtiger als Tiere

    Es ist das dritte Jungtier, das innerhalb eines Jahres im Tierpark starb. Kritik an der Zucht in deutschen Zoos gab es schon vorher. „Die Jungtiersterblichkeit ist in Zoos augenscheinlich nicht besser als in der Natur. Obwohl man im Zoo Faktoren wie Nahrungsmangel und Krankheiten ausschalten kann, kritisieren wir die Haltung der Eisbären“, sagte James Brückner vom Deutschen Tierschutzbund im Dezember gegenüber Sputnik. Am Mittwoch erneuerten die Tierschützer ihre Kritik:

    „Wie viele Jungtiere müssen noch sterben, bis die Zoos erkennen, dass diese Zucht ein Irrweg ist? Die Hoffnung der Zoodirektoren auf einen neuen Publikumsliebling ist scheinbar riesig, und die Eurozeichen in den Augen versperren den Blick auf die bittere Realität“, heißt es in einem Kommentar von Pressesprecher Marius Tünte.

    Zoodirektor Knieriem sieht trotz der aufflammenden Kritik keinen Grund, die Eisbärenzucht einzustellen: „Wir haben bei vielen anderen Tieren enorme Erfolge, etwa bei den Breitmaulnashörnern. Beim Eisbär scheinen wir derzeit kein Glück zu haben. Freude und Trauer liegen in der Stadt nahe beieinander. Wir hätten uns das gewünscht.“ Gleichzeitig betonte er, die Eisbären würden im Tierpark natürlich und nicht unter klinischen Bedingungen oder per Flasche aufgezogen: „Die Mutter muss es machen. Sie akzeptiert uns nicht als Tierarzt oder Hebamme.“

    Die Verantwortlichen denken über Maßnahmen nach, die Bedingungen für Baby-Eisbären zu verbessern. So sei es laut Kurator Dr. Sicks bei Bedarf möglich, den Schallschutz für Mutter und Kind in ihrer Höhle zu verstärken. Auch der Zoodirektor beteiligt sich an der Ursachenforschung. „Wenn wir etwas finden, was wir verbessern können, werden wir das tun und es auch offen kommunizieren.“ Das Ziel bleibt klar: „Ich hoffe, es kommt einmal der Tag, an dem wir einmal einen ersten Geburtstag eines Eisbären feiern können“, sagt Dr. Knieriem. Das wird aber dauern. Eisbären bekommen ihren Nachwuchs immer erst im Spätherbst.

    Matthias Witte

    Das komplette Interview mit Dr. Florian Sicks, Tierarzt und Säugetier-Kurator im Tierpark Berlin zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Dr. Andreas Knieriem, Zoo- und Tierpark-Direktor Berlin zum Nachhören:

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    Tags:
    Interview, Ursachen, Tod, Eisbären, Zoo, Berlin, Deutschland