09:28 17 Januar 2019
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    Feuerwerkskörper explodieren bei Polizei-Wagen (Archiv)

    Halle-Neujahr! „Böller-Idioten“ verletzen 50 Berliner Polizisten

    © REUTERS / Kai Pfaffenbach
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    Der Landesvorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Berlin hat eine verheerende Silvesterbilanz gezogen: 50 Beamte erlitten bei Einsätzen zum Jahreswechsel Verletzungen. Die meisten durch Feuerwerkskörper. Im Sputnik-Interview fordert er Maßnahmen und erhebt Forderungen.

    „Aus meiner Sicht sind das ‚Böller-Idioten‘, die gar nicht begreifen, was sie tun, wenn sie Polizisten oder Feuerwehrleute angreifen“, empört sich Bodo Pfalzgraf. Zum Glück gebe es inzwischen eine Strafverschärfung, führt der Landesvorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) an. Allerdings sei es schwer, die Täter in der Dunkelheit einer Silvesternacht zu identifizieren. Insgesamt wurden laut Pfalzgraf allein in Berlin 50 Polizistinnen und Polizisten sowie Feuerwehrleute verletzt. „Da sind Hörstürze dabei, weil in einigen Fällen illegale Böller – also Sprengsätze – direkt neben den Köpfen der Kollegen explodiert sind. Das war schon heftig.“

    Pfalzgraf hebt einen Ort im Bezirk Schöneberg hervor, wo es besonders heiß herging: „Im Bereich Pallasstraße gab es eine massiv auftretende Bande von diesen Böller-Hohlköpfen, die permanent die Polizeikräfte vor Ort malträtiert hat.“ Der Polizeigewerkschafter nennt die Attacken Tötungsversuche.

    Feuerwerks-Verbote ja, aber nur wenn …

    Was kann man tun, um solche Vorfälle zu verhindern? In Richtung Gesetzgeber will Pfalzgraf im Moment keine Forderungen stellen. Das Strafgesetzbuch sei gerade geändert worden. Stattdessen hinterfragt der Polizist die Strategie der Einsatzleitung, also die eigenen Reihen: „Stimmt das Konzept noch? Müssen wir mehr auf kleinere Gruppen eingehen und unsere Taktik ändern, um die Täter zu bekommen?“ Viele Einsatzkräfte seien bei der großen Silvesterparty am Brandenburger Tor im Einsatz.

    Diese fehlten dann in der Fläche: „Es schlägt komplett durch, dass wir in den vergangenen zehn Jahren zu wenig Leute eingestellt haben. Der Personalmangel wird dann sofort sichtbar“, kritisiert Pfalzgraf. Feuerwerksverbote wie in anderen Ländern hält der Polizeigewerkschafter für sinnvoll, allerdings müsse die Politik dann auch Farbe bekennen: „All diese Verbote helfen nicht, wenn man das Verbot aufgrund des Personalmangels nicht kontrollieren kann.“

    Matthias Witte

    Das komplette Interview mit Bodo Pfalzgraf (DPolG) zum Nachhören:

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    Tags:
    Feuerwerkskörper, Verletzter, Angriffe, Gefahr, Polizei, Deutschland