01:20 16 Juli 2018
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    Schwangerschaft (Symbolbild)

    Führt beliebtes Schmerzmittel in Schwangerschaft zu Sprachstörungen bei Kindern?

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    Ein internationales Forscherteam hat vor Gefahren bei der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft gewarnt. Allerdings ist die entsprechende Studie aus Sicht von Experten aus Deutschland wegen methodischer Mängel umstritten. Dies berichtete die „Süddeutsche Zeitung“.

    Die im Fachmagazin „European Psychiatry" veröffentlichte Studie hat ergeben, dass die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft zu Sprachstörungen bei Kindern führen kann. Diese negative Auswirkung würde nur Mädchen betreffen.

    Allerdings stößt die Studie wegen mangelnder Stichhaltigkeit auf Kritik. 754 Frauen in der achten bis 13. Schwangerschaftswoche, die an der Studie teilgenommen haben, gaben nur aus ihrer Erinnerung Aufschluss über ihren Medikamentenkonsum. Das heißt, sie wurden lediglich gefragt, ob und wie viel Paracetamol sie eingenommen hatten.

    Wolfgang E. Paulus, Leiter der Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie an der Universität Ulm, verwies darauf, dass unter anderem auch der Moment der Einnahme von Bedeutung ist. Es mache einen Unterschied, ob das „kurz nach Empfängnis oder in der zehnten Schwangerschaftswoche erfolgt".

    Der Test des Urins auf Rückstände des Arzneimittels sei auch nicht besonders verlässlich. Das Medikament werde im Körper rasch abgebaut, deshalb könne der verwendete Test nur einen kurzfristigen Eindruck vermitteln.

    Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) machte in einer schriftlichen Stellungnahme darauf aufmerksam, dass die die Empfehlung von Paracetamol als Schmerzmittel für Schwangere nur aufgrund dieser Studie nicht aufgehoben werden dürfe. Die Autoren der Studie bestätigen das indirekt. Sie betonen, ihre Daten könnten bloß als Hinweise und nicht als „ultimative Beweise" dafür gesehen werden, dass Paracetamol Kinder im Mutterleib schädigt.

    Dennoch sei die Studie trotz ihrer methodischen Mängel wichtig, weil sie Probleme in der Medikamentenforschung mit Schwangeren aufwerfe, ist sich der Verfasser des Artikels, Felix Hütten, sicher. Er weist auf die Schwierigkeit der Untersuchungen an Schwangeren hin, da die ungeborenen Kinder geschützt sein müssten. Zudem seien Studien, die keine eindeutigen Beweise liefern würden, „brandgefährlich". Frauen könnten aus falscher Angst vor Schmerzmitteln auf noch unsicherere Medikamente umsteigen, die ihrem Kind erst recht schaden könnten.

    Außerdem verweist der Verfasser auf bisherige Studien, die von einer mehrwöchigen beziehungsweise hochdosierten Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft eher abgeraten haben. Medikamente, darunter auch Paracetamol, sollten von Schwangeren sowieso lediglich auf Rat des Arztes eingenommen werden, schreibt er abschließend.

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    Tags:
    Arzneimittel, Störung, Schwangerschaft, Studie, Medikamente, Kinder, Süddeutsche Zeitung, Deutschland
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