04:53 15 November 2019
SNA Radio
    Feierlicher Zug der russsischen Kommunisten (Archivbild)

    Weltgesundheitsorganisation: Wieviel Wodka saufen die Russen wirklich?

    © Sputnik / Sergej Ermokhin
    Panorama
    Zum Kurzlink
    141044
    Abonnieren

    Russen tranken im vergangenen Jahr weniger Alkohol als Franzosen oder Deutsche. Dies geht aus einer Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor, wie die Agentur „AFP“ berichtet. Auch von Zigaretten lassen demnach immer mehr Russen die Finger.

    So wenig wie 2017 tranken die Russen seit dem Ende der Sowjetunion noch nie. Hält dieser Trend an, wird die Menge verbrauchten Alkohols in Russland in zehn Jahren mit jener in Skandinavien oder England vergleichbar sein, sagte Dr. Melita Vujnovic, WHO-Vertreterin in Russland, der Agentur.

    Auch der Tabakkonsum in Russland ist zwischen 2009 und 2016 um mehr als ein Fünftel eingebrochen: Heute rauchen nur noch 30 Prozent der Russen, wie die jüngste Studie „Global Adult Tobacco Survey“ laut der Agentur zeigt.

    Offenbar tragen bestimmte Maßnahmen der russischen Regierung erste Früchte:

    „Der Rückgang des Alkohol- und Tabakkonsums in einem Jahr ist wirklich beachtlich, erst recht, wenn man bedenkt, wo die Russen angefangen haben“, sagt Dr. Vujnovic.

    Die neuesten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation zeigen laut „AFP“, dass die Russen pro Jahr 12,2 Liter puren Alkohols verbrauchen. Das sind 20 Prozent weniger als im Jahr 2012. Dagegen trinken die Franzosen 13,3 und die Deutschen 13,4 Liter Alkohol pro Jahr.

    Flaschen mit Wodka
    © Sputnik / Alexey Malhawko
    Den Grund für den positiven Trend sieht Vujnovic beim Gesetzgeber. Die russische Regierung hat in den letzten 13 Jahren Maßnahmen ergriffen, um den Gesundheitsnotstand in der Bevölkerung zu beheben und die Lebenserwartung zu steigern.

    Wer heute in Russland nach 23 Uhr ein alkoholhaltiges Getränk kaufen möchte, geht leer aus: Der Verkauf von Spirituosen in Supermärkten nach elf Uhr abends ist verboten. Verboten ist es auch, für Alkohol zu werben. Außerdem wurde der Mindestpreis für Spirituosen gesetzlich angehoben.

    „Was woanders funktioniert, funktioniert auch in Russland. Es kommen auch immer wieder dieselben Argumente, Trinken sei Teil der nationalen Identität. Doch das ist nur ein Mythos, sonst nichts“, sagt Vujnovic.

    Auch das Programm der russischen Regierung zur Tabakkontrolle hat die WHO-Expertin überzeugt. Dies sei – dem Ergebnis nach zu urteilen – „das beste der Welt“, sagte sie der Agentur. Zwar sei der Zigarettenpreis in Russland mit rund 1,6 Euro vergleichsweise gering. Doch das Gesundheitsministerium schlägt entschiedene Maßnahmen vor: ein unumkehrbares Verkaufsverbot an alle, die nach 2014 geboren wurden oder noch werden.

    Jelena Dmitrijewa, Direktorin einer Gesundheits-NGO aus Moskau, stimmt zu: Die Gesundheitspolitik der russischen Regierung sei der größte Faktor in dieser Entwicklung. Dahinter stecke aber auch ein allgemeiner Trend hin zu gesundem Lifestyle, vor allem in den Großstädten.

    „Diese Vorstellung, dass man seine Gesundheit um der Gesundheit willen pflegt, war uns lange Zeit fremd. Man ging einfach zum Arzt, wenn es ein Problem gab“, sagt sie.

    Heute aber existiere das Bewusstsein für Fitness, Wellness und Gesundheit: „Ernährungsgewohnheiten und Gesundheitstrends ändern sich auf der ganzen Welt. Und die Russen greifen das gern auf. Wir leben ja in einer globalen Welt“, so die NGO-Aktivistin.

    Der 32-jährige Anton aus Moskau zum Beispiel. Er hat das Trinken vor zehn Jahren aufgegeben – wegen Suchtproblemen. Seitdem steckt er seine Energie in den Kampfsport. „Es gibt mehrere Menschen in meiner Umgebung, die nicht trinken. Das wird immer beliebter. Ich glaube, dass eine gesunde Lebensweise inzwischen ein Trend ist. Und wenn du Sport treibst, willst du sowieso gesünder leben – Alkohol oder sonst irgendwas brauchst du dann einfach nicht mehr“, sagte Anton der Agentur.

    Der 26-jähige Jaroslaw, ein Künstler aus Sankt-Petersburg, hat das Rauchen aufgegeben, als es in Kneipen und Restaurants verboten wurde. Rauchen sei in der Gesellschaft immer weniger akzeptiert, sagt er: „Wenn ich nur daran denke, dass fast jeder Lehrer an meiner Schule rauchte – außer dem Sportlehrer vielleicht. Heute hat sich vieles verändert. Ich kenne noch ein paar Kneipen, wo man rauchen darf. Aber ich würde da nicht mehr hingehen. Der Rauch riecht und stört. Kaum zu glauben, dass wir so aufgewachsen sind.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Legendäre Wodka-Marke verspottet Trumps „Russland-Kontakte“
    USA bleiben bei russischem Wodka
    Russland produziert noch mehr Wodka – vor allem auch für Deutschland
    Tags:
    Zigaretten, Tabak, Alkohol, Konsum, Wodka, Weltgesundheitsorganisation (WHO), AFP, Deutschland, Frankreich, Russland