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    Protestwelle in französischen Gefängnissen (Im Bild: Proteste im Gefängnis Fleury-Mérogis)

    Frankreich in Gefängniskrise: Gewerkschaftler nennt Forderungen an Macron - VIDEO

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    Seit Tagen toben in Frankreich Proteste in staatlichen Gefängnissen. Mitarbeiter beklagen sich über miserable Arbeitsbedingungen und fordern von der Politik, endlich gehört zu werden. Cédric Boualier vom französischen Gewerkschaftsbund und Vertreter des Gefängnisses von Fresnes hat in einem Interview die Forderungen der Protestierenden bekräftigt.

    Laut Boualier, Vertreter des französischen Gewerkschaftsbundes „Confédération générale du travail“ (CGT), dauern die Proteste bereits seit fünf Tagen an, eine vernünftige Reaktion der Regierung gibt es aber immer noch nicht.

    „Es entsteht der Eindruck, dass die Regierung uns nicht zuhört und uns nicht hört“, sagte Boualier.

    Die Bedingungen, unter denen das französische Gefängnispersonal arbeiten müsste, seien katastrophal.

    „Die Menschen sind auf sich alleine gestellt“, betonte der Gewerkschaftsvertreter.

    Ein Wächter müsse 130 Insassen, die teilweise als extrem gefährlich eingestuft werden, bewachen. Es mangele an Personal, um alle Aufgaben im Gefängnis konsequent zu erledigen.

    Regelmäßig komme es zu Gewalttaten gegen Angestellte seitens der Insassen – jährlich würden zwischen 4.000 und 5.000 Gefängnismitarbeiter angegriffen. Nicht selten versuche die Gefängnis-Administration diese Vorfälle herunterzuspielen.

    In manchen Gefängnissen, wie etwa in der Haftanstalt Fresnes, würden zudem „komplett unhygienische Bedingungen“ herrschen. Das Gefängnis bestehe bereits seit den 1800er Jahren, manche Komplexteile seien fast unverändert aus der Zeit geblieben – einen Umbau habe es kaum gegeben.

    Daraus würden auch erhebliche Ausbruchrisiken entstehen, da viele moderne Sicherheitsstandards nicht eingehalten werden würden.

    „Zum Beispiel hat vor zwölf Stunden in dieser Nacht ein Insasse versucht auszubrechen, indem er einen Tunnel in seiner Zelle ausgehoben hat. Er wurde schon außerhalb der Zelle aufgehalten. Gut, dass die Kollegen von den Wachtürmen Achtsamkeit bewiesen haben, sodass der Ausgebrochene gefasst werden konnte“, berichtet der Angestellte.

    Viele der Häftlinge würden zudem als äußerst gefährlich gelten, manche seien für ernste Kriminalvergehen verurteilt worden, andere wegen Terrorismus angeklagt.

    Proteste werden weitergehen

    • Brennende Barrikaden im französischen Gefängnis Fresnes: Proteste wegen miserablen Arbeitsbedingungen ausgebrochen
      Brennende Barrikaden im französischen Gefängnis Fresnes: Proteste wegen miserablen Arbeitsbedingungen ausgebrochen
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    • Brennende Barrikaden im französischen Gefängnis Fresnes: Proteste wegen miserablen Arbeitsbedingungen ausgebrochen
      Brennende Barrikaden im französischen Gefängnis Fresnes: Proteste wegen miserablen Arbeitsbedingungen ausgebrochen
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    Brennende Barrikaden im französischen Gefängnis Fresnes: Proteste wegen miserablen Arbeitsbedingungen ausgebrochen

    Um endlich etwas zu verändern, wollen die Protestierenden nun laut Boualier weiter auf die Barrikaden gehen. Allein in seinem Gefängnis seien drei Barrikaden aufgebaut worden, von denen eine in der Nacht angezündet werden solle.

    Videos von den gestrigen Protesten im Hochsicherheitsgefängnis Fleury-Mérogis habe er auch gesehen und sei darüber, wie auch seine Kollegen, „entsetzt“.

    Er weist aber auch darauf hin, dass die Angestellten von Fleury-Mérogis deutlich besser ausgerüstet seien – sie hätten Schlagstöcke und Luftdruckpistolen.

    „Wir fordern, dass uns alle Mittel, Ausrüstung, Elektroschocker, Diensthunde bereitgestellt werden. Wir fordern die notwendigen Mittel, damit wir so arbeiten können, wie es sich in Strafvollzugsanstalten gehört“, erklärte der Gewerkschaftsvertreter abschließend.

    Die Proteste der Gefängnismitarbeiter waren nach dem Messerangriff eines ehemaligen Al-Qaida-Mitglieds, bei dem drei Wärter im Gefängnis von Vendin-le-Vieil verletzt wurden, in der vergangenen Woche ausgebrochen. Die Gewerkschaft der Bediensteten des Justizvollzugs hatte den Behörden daraufhin vorgeworfen, sich nicht mit den mehr als 4.000 kürzlich gemeldeten Fällen von Gewalt gegen Wachpersonal auseinanderzusetzen.

    Der französische Präsident, Emmanuel Macron, hat bereits versprochen, bis nächsten Monat einen Aktionsplan zu entwerfen, um die dramatische Situation in den französischen Gefängnissen in den Griff zu bekommen.

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    Tags:
    Ausbruch, Häftlinge, Terrorist, Protest, Gefängnis, Gewalt, Gefängnis von Fresne, Französischer Gewerkschaftsbund „Confédération générale du travail“ (CGT), Gefängnis von Vendin-le-Vieil, Staats- und Hochsicherheits-Gefängnis Fleury-Mérogis, Al-Qaida, Emmanuel Macron, Frankreich