08:57 14 August 2018
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    Völkerfreundschafts-Denkmal in Leipzig im Ural bei Abendlicht

    Leipzig liegt in Russland und ist lieblich – Foto-Ausstellung

    © Foto: Danny Jüngling / Strohhut pictures
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    Leipzig gibt es nicht nur in Sachsen, sondern auch im Ural in Russland. Allerdings hat Leipzig im Ural kein Völkerschlachtdenkmal – dafür aber seit neuestem ein Völkerfreundschafts-Denkmal. Eine Foto-Ausstellung des Projektes „Leipzig-Leipzig“ zeigt die beiden Ortschaften in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit und freundschaftlichen Verbundenheit.

    Die Grundidee des Projekts „Leipzig-Leipzig“ sei es, „die Idee der Völkerfreundschaft zwischen den zwei Leipzigs zu verbreitern“, sagte Heiko Waber zur feierlichen Eröffnung der gleichnamigen Foto-Ausstellung am Donnerstag im russischen Haus der Wissenschaft und Kultur. Die Ausstellung präsentiert das sächsische Leipzig mit seinen rund 570.000 Einwohnern absichtsvoll urban. Dagegen ist die Siedlung Leipzig in Südrussland nahe der kasachischen Grenze mit ihren knapp 1000 Einwohnern von den Kindern des Ortes, die die Fotos knipsten, als liebliche Idylle aus imposanten Flusslandschaften und Zeugnissen einer soliden Landwirtschaftsindustrie abgelichtet.

    Die Siedlung erhielt ihren Namen 1843 von Kosaken, die gegen Napoleon gekämpft hatten und es bald langweilig fanden, ihren Grenzdienst für den Zaren an Wohnorten mit Namen wie „Posten Nr. 39“ auszuüben. Daher gibt es in Südrussland eine ganze Reihe von Orten, die nach Schauplätzen aus den antinapoleonischen Kriegen benannt wurden, wie Berlin, Paris, Varna, Rostock usw.

    Dass es in Russland auch ein Leipzig gibt, hat Heiko Waber vom Verein „Leipzig – Brücke der Kulturen e.V.“ erstmals 2011 und eher durch Zufall erfahren: „Ein baschkirischer Kosake kam zu uns ins Büro und sagte: Da gibt es noch ein Leipzig, wollen wir da nicht mal hinfahren? Wir sagten: Ein Dorf mit 1000 Seelen? Du spinnst, da fahren wir nicht hin. Was sollen wir da?“ Doch die Neugier war erwacht, und dann „sind wir wirklich das erste Mal hingefahren und haben Gefallen an der Idee gefunden, die zwei Leipzigs miteinander zu verknüpfen.“

    „Frieden mit uns“ – Völkerfreundschaft statt Völkerschlachten

    Vorläufiger Höhepunkt des seither angebahnten kulturellen Austauschs zwischen Leipzigern und Leipzigern ist die Schaffung eines Völkerfreundschafts-Denkmals in Leipzig im Ural. An der künstlerischen und finanziellen Konzeption und an der eigenständigen Fertigung und Errichtung des Denkmals beteiligten sich Einwohner beider Leipzigs gleichermaßen. Über 300 Gäste nahmen an der feierlichen Einweihung am 21. September 2017 teil.

    Leipziger und Leipziger bei der feierlichen Einweihung des ‚Völkerfreundschafts-Denkmals‘ in Leipzig im Ural am 21. September 2017
    Leipziger und Leipziger bei der feierlichen Einweihung des ‚Völkerfreundschafts-Denkmals‘ in Leipzig im Ural am 21. September 2017

    Das auch „Völfi“ genannte Völkerfreundschafts-Denkmal ist aus Aluminium gefertigt und von weiter Ferne betrachtet dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig nachempfunden. Allerdings ist das neue Denkmal liebevoller gestaltet und mit den Grundmaßen von vier mal vier Metern und einer Höhe von sieben Metern auch etwas beschaulicher als das kriegsherrliche Original in der sächsischen Metropole.

    Es wurde auch aus gutem Grunde nicht etwa Völker-Schlacht-Denkmal getauft, wie Waber betont: „Weil wir keine deutschen Patrioten, Soldaten oder ähnliches nach Russland bringen wollten. Da waren schon mal Soldaten. Das soll nie wieder passieren. Und deshalb, um die zwei Leipzigs wirklich freundschaftlich miteinander zu verbinden, haben wir gesagt: Es kann nur Völkerfreundschafts-Denkmal heißen. Deshalb steht auf dem Denkmal auch drauf: ‚Mir dlja Mira‘ – ‚Frieden mit uns‘.“

    Arbeiten und Feiern – Subbotnik und Fußball

    Die nächsten Pläne im Rahmen des Projekts „Leipzig-Leipzig“ sind schon geschmiedet: „Die nächste Reise wird Ende Mai stattfinden. Da können gern noch Teilnehmer mitmachen. Wir werden dort versuchen, uns um den Kindergarten zu kümmern. Das Dach ist kaputt, und wir wollen nicht, dass die Kinder, wenn es regnet, im Hause um die Pfützen herumlaufen müssen. Also machen wir dort ein bisschen was. Wir werden miteinander feiern, miteinander arbeiten, einen Subbotnik haben, miteinander Fußball spielen, Sport treiben und so weiter. Und wir werden miteinander freundschaftlich reden.“

    Russisch-deutsche Feierstunden im Kindergarten in Leipzig
    © Foto : Mikhail Vachtchenko
    Russisch-deutsche Feierstunden im Kindergarten in Leipzig

    Die Ausstellung „Leipzig-Leipzig“ findet noch bis zum 21.01.2018 im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin statt. Der Verein „Leipzig – Brücke der Kulturen e.V.“ freut sich über einen Besuch auf seiner Internetseite, über Sach- und Geldspenden oder über weitere Teilnehmer an der für Mai 2018 geplanten Freundschaftsfahrt nach Leipzig im Ural.

    Jens Klemke

    Das komplette Interview mit Heiko Waber zum Nachhören:

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    Tags:
    Kulturdenkmal, Städte, Fotos, Austausch, Partnerschaft, Leipzig, Deutschland, Russland
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