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    „Tausche zwei Zimmer, Küche, Bad …“ – Berliner Plattform gegen Wohnungsnot

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    Nach dem Willen der Berliner Senatsverwaltung sollen die Hauptstädter sich künftig besser über den vorhandenen Wohnraum verteilen. Dabei soll eine Online-Plattform helfen, auf der Wohnungen getauscht werden können. Es ist ein Baustein zur Bekämpfung des Problems, aber keine Lösung, sagt David Eberhart vom BBU.

    Wohnungssuche in Berlin ist mühsam und zeitraubend – nicht nur, wenn der finanzielle Rahmen eng gesetzt ist. Auch mit einem mittleren Einkommen stellt es sich oft als schwierig heraus, eine annehmbare Wohnung zu finden, mit guter Anbindung, einer nahegelegenen Kita oder Schule für die Kinder, Parkmöglichkeiten. Der Weg zur Arbeit sollte auch möglichst nicht mehr als eine Stunde in Anspruch nehmen. Die boomende Metropole hat Mühe, mit dem wachsenden Bedarf Schritt zu halten – da müssen neue Konzepte her.

    … oder eben alte. Ein Konzept, das aus der DDR bekannt ist und nun verstärkt in der Bundeshauptstadt umgesetzt werden soll, ist der Wohnungstausch. Auf Initiative der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unter Katrin Lompscher (Linke) soll in der zweiten Jahreshälfte 2018 eine entsprechende Online-Plattform eingerichtet und der Wohnungstausch auch mit städtischen Geldprämien gefördert werden.

    Dr. David Eberhart, Sprecher des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, erklärt die Neuerung:

    „Die Möglichkeit zum Wohnungstausch besteht ja schon jetzt: Die landeseigenen Wohnungsbauunternehmen bieten ihren Mietern unternehmensintern an, größere gegen kleinere Wohnungen und umgekehrt zu tauschen. Das Neue ist, dass auch zwischen den sechs Unternehmen Wohnungen getauscht werden können, sodass der Pool, aus dem gewählt werden kann, bei über 300.000 Wohnungen liegt.“

    Gegenwärtig sei es so, dass in der Regel eine zu groß gewordene Wohnung gegen eine kleinere getauscht werde – weil die Kinder ausgezogen sind oder der Partner verstorben ist. Einen 1:1-Tausch unmittelbar zwischen zwei Mietparteien gebe es bisher nicht, da Fragen der Organisation und des Datenschutzes noch nicht abschließend geklärt seien. Daher würden Wechselwillige derzeit aus ihrer Wohnung in eine leerstehende Wohnung ziehen, erklärt der Fachmann.

    Dass die Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt angespannt sei, liege nicht zuletzt am starken Zuzug von Außerhalb und an der Gentrifizierung, so Eberhart.

    „Die Stadt hat in den letzten Jahren einen Modernisierungsschub erfahren, wo viel in den Wohnungsbestand und in die Kieze investiert worden ist. Die Stadt wächst, weil auch viele Arbeitsplätze geschaffen werden und ein Zuzug von Arbeitskräften mit relativ hohen Einkommen zu verzeichnen ist. Deswegen muss man schauen, dass alle etwas von dem Wachstum haben und auf keinen Fall Verlierer dieses Wachstums in andere Bezirke verdrängt werden. Dass der Wohnungsbau sich in allen Bezirken manifestiert und überall auch bezahlbare Wohnungen entstehen. Davon sind wir noch ein ganzes Stück weit entfernt, weil Bauland fehlt, weil Baugenehmigungsverfahren viel zu lange dauern und große Bauflächen nicht zur Verfügung gestellt werden.“

    Auch der Wohnungstausch werde keine Lösung für das Wohnungsproblem in Berlin sein, aber wenigstens ein weiterer Baustein dafür, dass das Wohnungsangebot besser genutzt werden könne.

    „Der Wohnungstausch, selbst wenn er ausgeweitet wird, ist kein Ersatz dafür, dass neue Wohnungen gebaut werden müssen. Es wird davon gesprochen, dass mindesten 20.000 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt werden können. Wenn man sich aber die Tauschzahlen bisher anguckt, dann sind das um die 200 pro Jahr. Das zeigt, dass die Menschen in aller Regel in ihrer angestammten Wohnung bleiben wollen. Wenn die Tauschbörse in Kraft ist, wird es vielleicht eine größere Zahl geben, aber keine massive Nachfrage nach Wohnungstausch.“

    Wer dennoch nicht innerhalb der Stadt fündig werde, könne ins brandenburgische Umland ziehen – da sei das Leben günstiger und das Angebot an freien Wohnungen größer. Schließlich sei es in anderen deutschen Metropolen auch längst Gang und Gäbe, dass Berufstätige längere Pendelwege in Kauf nehmen.

    Ilona Pfeffer

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Unternehmen, Möglichkeit, Wohnung, Probleme, Austausch, Die LINKE-Partei, DDR, Berlin, Deutschland
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