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    Ein Stück Berliner-Mauer (Archiv)

    Ein Stück Mauer steht noch in Berlin – und keiner hat’s bemerkt

    © AFP 2019 / John MACDOUGALL
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    Armin Siebert
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    Es ist eine kleine Sensation. Ein Heimatforscher hat das wohl letzte am Originalplatz erhaltene Stück der Berliner Mauer entdeckt. Der 80 Meter lange Mauerstreifen der ersten Generation lag Jahrzehnte verborgen in einem Waldstück im Norden Berlins. Der Forscher will sich nun für den Erhalt der Mauer als Europäisches Kulturerbe einsetzen.

    Entdeckt hat Christian Bormann das Mauerstück bereits 1999. Fast zwei Jahrzehnte hielt er seinen Fund geheim und stellte Nachforschungen an. Der Pankower Stadtchronist und Heimatforscher meint im Sputnik-Interview, dass vor zwanzig Jahren das Bewusstsein für den Wert der Mauer noch nicht da war und das Stück wahrscheinlich wie alle anderen abgerissen worden wäre:

    „Der historische Abstand muss einfach bei gewissen Sachen groß genug sein, damit das Interesse da ist. Heute ist das eine Weltsensation, vor zehn oder zwanzig Jahren hätte man das noch als Gefahr weggerissen.“

    Wenn Bormanns Recherchen stimmen, dann handelt es sich bei dem versteckten Grenzwall um das letzte existierende Stück Ur-Mauer. Der Streifen in Berlin-Schönholz zwischen Pankow und Reinickendorf ist Teil der Mauer 1, die im Sommer 1961 in aller Eile von den DDR-Organen hochgezogen wurde. Später stellte sich die Grenzanlage als zu leicht überwindbar heraus und wurde durch eine höhere und besser gesicherte Mauer ersetzt.

    • Heimatforscher Bormann auf der Berliner Mauer vom 13. August 1961
      Heimatforscher Bormann auf der Berliner Mauer vom 13. August 1961
      © Foto : Christian Bormann, Guido Kunze, Bundesarchiv
    • vergessener Teil der Berliner Mauer 2018 Bahnhof Pankow-Schönholz
      vergessener Teil der Berliner Mauer 2018 Bahnhof Pankow-Schönholz
      © Foto : Christian Bormann, Guido Kunze, Bundesarchiv
    • vergessener Teil der Berliner Mauer 2018 Bahnhof Pankow-Schönholz
      vergessener Teil der Berliner Mauer 2018 Bahnhof Pankow-Schönholz
      © Foto : Christian Bormann, Guido Kunze, Bundesarchiv
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    © Foto : Christian Bormann, Guido Kunze, Bundesarchiv
    Heimatforscher Bormann auf der Berliner Mauer vom 13. August 1961

    Zwanzig Jahre im Dornröschenschlaf

    Es grenzt an ein Wunder, dass dieses Stück Mauer mitten in Berlin bisher niemandem aufgefallen ist. Auch dafür hat Bormann eine Erklärung:

    „Im Frühling und im Sommer sieht man hier in dem Waldstück keine drei Meter weit. Und selbst, wenn Sie die Mauer entdecken, müssen Sie schon fachkundig sein, um die Signalanlage als solche zu identifizieren. Ich habe das gleich erkannt und dann mit historischem Kartenmaterial abgeglichen.“

    Die Ur-Mauer wurde Anfang der 1960er Jahre quer durch Wohngebiete, Gartenkolonien oder, wie in Schönholz, durch einen Friedhof gelegt. Die 80 Meter ehemaliger innerdeutscher Staatsgrenze, die Bormann jetzt wiederentdeckt hat, wurden damals auf der Außenwand mehrerer zerbombter Mietshäuser errichtet. Nur 200 Meter entfernt befand sich der erfolgreichste Fluchttunnel aus der DDR, über den wohl mehrere hundert Menschen in den Westen gelangten.

    Warum dieses Stück Mauer nicht schon beim Bau der zweiten Grenzmauer abgerissen wurde, erklärt Bormann so:

    „Mauer 1 hat man damals überbaut und komplett ersetzt mit Mauergeneration 2. Hier in Schönholz hat man aber die neue Mauer ein Stück vorversetzt und die alte Mauer stehenlassen, quasi als zusätzliche Mauer. Das ist eine bauliche Besonderheit hier in der Ecke.“

    Nach der Öffnung der Berliner Mauer 1989 wurde nach und nach der gesamte „antifaschistische Schutzwall“ abgetragen. Dieses Teilstück im Norden Berlins wurde offenbar übersehen:

    „Bei der Beräumung der Mauer nach der Wende hat man dieses Dreieck, was in ein Waldstück reingeht, übersehen“, so Bormann.

    Offiziell gibt es dieses Stück Mauer eigentlich gar nicht mehr. Das Landesdenkmalamt war bisher davon ausgegangen, dass alles abgerissen wurde. Von der Behörde war auch dieses Mauerstück als demontiert erfasst worden.

    Gefahr im Verzug

    Der 37-jährige Bormann hat sich erst jetzt, fast zwanzig Jahre nach der Entdeckung, dazu durchgerungen, die Behörden über seinen Fund zu informieren. Grund dafür war seine Sorge, dass das mögliche Denkmal in Gefahr ist:

    „Bei unseren letzten Vermessungs- und Dokumentationsarbeiten der Anlage haben wir festgestellt, dass die Frostschäden zu groß sind und wir das sofort melden müssen, damit die Anlage geschützt wird“, so Bormann.

    Der Pankower hofft nun auf ein schnelles Reagieren der Behörden und sogar überregionale und internationale Hilfe:

    „Wir warten noch auf die amtliche Bestätigung. Sobald wir die haben, hoffe ich, dass wir das ‚European Heritage Label‘ bekommen. Das ist ein Schutzstatus für Dinge von besonderem europäischem Wert.

    Dazu bin ich heute noch mit dem Europa-Abgeordneten Arne Gericke verabredet und erhoffe mir da Unterstützung. Im Moment versucht das Bezirksamt auch, die Eigentumsverhältnisse zu klären.“

    Pankower Schätze

    Bormann ist seit frühester Jugend äußert rege in seinem Kiez unterwegs auf der Suche nach Geschichten, Geheimnissen und vergessenen Schätzen. Dabei ist er schon einmal auf Mauerreste gestoßen:

    „Letztes Jahr hab ich auf einem Grundstück an der Wackenbergstraße 80 Mauerteile entdeckt. Als ich dann merkte, dass das Grundstück geräumt wurde, hab ich noch sieben, acht Mauerteile retten können.“

    Diesen und andere Funde dokumentiert Bormann in bisher über 170 Berichten auf seinem Blog. Dort findet sich neben vielen Fotos auch Kartenmaterial, das Bormanns These vom Stück der Ur-Mauer belegen soll. In den nächsten Tagen wird mit einer Stellungnahme vom Berliner Landesdenkmalamt gerechnet.

    Das komplette Interview mit Christian Bormann zum Nachhören:

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    Tags:
    Schutz, Denkmal, Geschichte, Berliner Mauer, DDR, Berlin, Deutschland