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03:02 13 November 2019
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    Knochen (Symbolfoto)

    Werwolf, Witzbold oder Winnetou: Wer bestückt den „Knochenbaum“ von Wollingst?

    CC0 / Pixabay
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    In Niedersachsen sorgt ein schauriges Gebilde für Aufsehen. Seit Jahren schmücken Unbekannte einen Zaunpfahl auf skurrile Weise: mit Tierknochen. Die Gemeinde steht vor einem Rätsel.

    „Knochenbaum“ von Wollingst?
    © Foto : Cora Beckmann
    „Knochenbaum“ von Wollingst?

    Der Pfahl, um den es hier geht, steht in der Mitte vom Nirgendwo. Hier kommt höchstens einmal ein Landwirt auf seinem Trecker vorbei, ein Spaziergänger oder ein Jäger. Wollingst ist ein ländlicher Ortsteil der ländlichen Gemeinde Beverstedt im ländlichen Landkreis Cuxhaven. Hier gibt es fast nichts – außer sehr „viel Gegend“, wie der Niedersachse sagt. Umso erstaunlicher sind die Dinge, die den Pfahl zieren: Es sind Knochen von Wildtieren: Schädel von Rehen und Hirschen, Gerippe von Wildschweinen, sogar Fuchs-Gebeine. „Das kommt den Leuten hier in meinem Heimatort ein wenig unappetitlich vor“, sagt Bernd Beckmann. Er ist Ortsvorsteher in Wollingst und Vorsitzender des Schützenvereins.

    In den vergangenen Jahren kamen immer mehr Knochen dazu. Sogar Federn schmückten den Pfahl. Etwas Schamanisches oder gar Indianisches vermutet Beckmann aber nicht dahinter: „Nein, mit Sicherheit nicht“, lacht der Ortsvorsteher. „Auch nichts Germanisches oder Bronzezeitliches. Dagegen spricht, dass die Knochen mit handelsüblichem Stacheldraht und Kabelbindern am Pfahl befestigt sind. Wenn sich jemand solche Mühe gibt, will er, dass das möglich lange erhalten bleibt.“ Die Krone des „Knochenbaums“ schmückt der Schädel eines Dammhirsches. Der Tierkopf wurde laut Beckmann sogar angenagelt.

    „Knochenbaum“ von Wollingst?
    © Foto : Cora Beckmann
    „Knochenbaum“ von Wollingst?

    Rätselraten um Motiv und Täter

    Ist etwa Spuk im Spiel? Nein, Beckmann schließt auch Werwölfe und andere Horrorgestalten aus: „Auf den Gedanken bin ich noch gar nicht gekommen, aber das schließe ich aus“, lacht er. „Ich glaube, das ist jemand, der die Knochen sammelt und für den dieses Gebilde sicher irgendeine Aussage hat. Aber die lässt er im Verborgenen.“ Immerhin hat der Ortsvorsteher einen Verdacht, woher die Knochen kommen. „Die könnten von einem sogenannten Luderplatz stammen. Den legen Jäger im Wald an. Es ist eine Stelle, an der Jäger Reste eines erlegten Wildes anlegen, um etwa Füchse anzulocken.“ Auch Wölfe gibt es im Landkreis Cuxhaven. Beckmann glaubt aber nicht, dass die gesammelten Knochen von Raubtier-Rissen stammen: „Dagegen spricht: Der Pfahl wird seit drei, vier Jahren mit Knochen bestückt. Damals hatten wir hier noch keine Wolfsproblematik.“

    Das Rätsel um den Knochenbaum wird erst einmal ein Rätsel bleiben. Rund um die Uhr bewachen wollen die Wollingster ihren Pfahl nicht. Der Ortsvorsteher fragt sich viel mehr: „Ist das Kunst oder kann das weg?“

    Das komplette Interview mir Bernd Beckmann finden Sie hier:

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    Tags:
    Knochen, Knochenbaum, Deutschland, Wollingst