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    E-Zigarette iQOS von Philip Morris

    Tabakriese Philip Morris: „Hört auf zu rauchen“ – Wie gesund sind E-Zigarette & Co?

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    Der Tabakriese Philip Morris empfiehlt seinen Kunden, das traditionelle Rauchen zu unterlassen. Tabakexperten sagen: Wer es nicht lassen kann, sollte am ehesten zur am wenigsten schädlichen E-Zigarette greifen. Zigarettenhersteller schütteln über Philip Morris den Kopf und bezeichnen seine Kampagne als unglaubwürdig.

    Klingt wie ein Scherz, ist aber geschehen: Der Deutschlandchef von Philip Morris, Markus Essing, hat Rauchern empfohlen, auf herkömmliche Zigaretten zu verzichten. Stattdessen sollten sie auf elektrische Geräte wie iQOS umsteigen – das allerdings auch ein Produkt von Philip Morris ist. Bis 2025 will Philip Morris sogar 30 Prozent seiner Produkte auf diese Form des Konsums umstellen. Schon Anfang des Jahres hatte der Tabakriese angekündigt, in Großbritannien die Zigarettenproduktion einzustellen.

    Fakten zum Tabakkonsum
    Fakten zum Tabakkonsum

    Im gleichen Atemzug empfiehlt der US-Konzern allerdings ein neues Tabakprodukt, sogenannte Tabaksticks. Bei dieser Technik kommt zwar immer noch Tabak zum Einsatz, wird aber nicht mehr verbrannt, sondern nur so weit erwärmt, bis die Inhaltsstoffe verdampfen, die der Konsument dann einatmet.

    Zigarettenindustrie unbesorgt, Wissenschaftler skeptisch

    „Wir glauben, dass diese Kampagne von Philip Morris sehr unglaubwürdig ist“, sagt Jan Mücke, Geschäftsführer und Sprecher des Deutschen Zigarettenverbands, im Sputnik-Interview. „Philip Morris ist dafür bekannt, dass sie sich große Ziele setzen, die sie in der Regel nicht erreichen.“ So schnell lassen sich die klassischen Tabakerzeugnisse nicht ersetzen, findet Mücke. Er bemerkt, dass Philip Morris als Marktführer in Deutschland das eigentlich wissen müsste. Dennoch werden auch aus seiner Sicht in den nächsten Jahren alternative Rauchprodukte einen größeren und stärkeren Marktanteil einnehmen.

    IQOS
    © Foto : PhilipMorris
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    Dass die Kampagne „mit einer gewissen Skepsis zu sehen“ sei, betont auch Tabakexpertin Katrin Schaller aus der Stabsstelle für Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums. „Die Kampagne wird von einem Tabakriesen durchgeführt, der in der Vergangenheit gelogen und verheimlicht und betrogen hat, die Wahrheit gebogen hat, dass sich die Balken biegen“, merkt sie an. Derzeit weite der Konzern seinen Markt in Asien und Afrika stark aus. Das aktuelle Ereignis sei nichts anderes als der Versuch, neue Produkte in Industrieländern auf den Markt zu bringen. Doch was macht diese Produkte aus?

    Zigarette, E-Zigarette, Tabakstick: ein Vergleich

    Tabakzigaretten bestehen aus Tabak, der mit vielen Zusatzstoffen versetzt ist, die die Schärfe des Tabaks abmildern sollen. Beim Verbrennen entstehen Tausende Substanzen, viele davon sind schädlich und giftig, 100 erwiesenermaßen krebserregend.

    Während man die herkömmliche Zigarette raucht, wird bei der E-Zigarette eine nikotinhaltige Flüssigkeit, das Liquid, verdampft und Dampf statt Rauch eingeatmet. Deswegen fallen unzählige Stoffe weg, die bei der Verbrennung anfallen. Die E-Zigarette besteht aus zwei Teilen: einem Akkuträger und einer Verdampfer-Einheit.

    E-Zigarette
    E-Zigarette

    Die Verdampfer-Einheit umschließt ein Glastank, in diesem befindet sich die Flüssigkeit. In der Mitte des Glastanks sitzt das Kernstück des Verdampfers, der Verdampfer-Kopf, der Watte enthält, um die ein Heizwendel gewickelt ist. Die Watte saugt permanent Flüssigkeit aus dem Glastank an. Wenn der Akku den nötigen Strom durch den Heizwendel schickt, erhitzt sich dieser und bringt die Watte zum Verdampfen.

    Über ein Röhrchen inhaliert der Konsument am Ende den so erzeugten Dampf. Ist die Spannung des Akkus zu hoch eingestellt und wird das Heizwendel zu heiß, können sich aus dem Propylenglykol und Glycerin die gesundheitsschädlichen Substanzen Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein bilden. Außerdem kommen in Abhängigkeit vom Material des Wendels Metalle wie Nickel in der Lösung vor.

    Beim Tabakstick ist der Mechanismus ähnlich, allerdings wird hier immer noch Tabak eingesetzt. Der Tabak ist von einer Aluminiumhülle umschlossen und wird von außen erwärmt. Dabei dampfen die aromatischen Bestandteile des Tabaks aus, ohne zu verbrennen. Weder bei der E-Zigarette, noch beim Tabakstick entsteht der lästige Rauchgeruch.

    Vergleich von Zigarette, Tabakstick und E-Zigarette
    © Foto :
    Vergleich von Zigarette, Tabakstick und E-Zigarette

    * Die Entstehung dieser Stoffe hängt von der Erhitzung der Flüssigkeit ab. Wenn das Gerät auf niedrige Stufe gestellt wird, bilden sich die Stoffe nicht.

    Das Fazit der Forscherin vom Krebsforschungszentrum lautet: „Es gibt nichts Schlimmeres als Zigaretten. Die Tabaksticks enthalten auch noch viele Substanzen, allerdings deutlich weniger als im Tabakrauch. Und bei E-Zigaretten ist es noch weniger als in Tabaksticks.“

    Durch technische Weiterentwicklungen wie automatische Temperaturregelungen und den Einsatz von edleren Metallen für die Heizwendel ließen sich die entstehenden Schadstoffe bei der E-Zigarette zudem noch weiter senken.

    Allerdings gibt die Tabakexpertin zu bedenken: Es fehlen Langzeitstudien, wie sich die neuen Produkte auf lange Zeit auf die Gesundheit auswirken. „Es ist davon auszugehen, dass es wahrscheinlich weniger schädlich ist“, sagt sie, „aber es ist eben auch nicht harmlos“.

    Das komplette Interview mit Dr. Katrin Schaller zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Jan Mücke zum Nachhören:

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    E-Zigarette, Tabakindustrie, Krebs, Rauchen, Zigarette, Gesundheit