14:57 22 Juli 2018
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    „Kein einfacher Dialog“ - 20 Jahre Moskauer Deutsche Zeitung

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    Das unabhängige Blatt die Moskauer Deutsche Zeitung (MDZ) feiert ihr zwanzigjähriges Jubiläum. Bei den „Moskauer Gesprächen“, einem traditionellen Talk-Format der Zeitung, bemängeln MDZ-Redakteure und Herausgeber eine einseitige Berichterstattung in Deutschland. Und sprechen von Problemen in Russland, mit denen die MDZ zu kämpfen hat.

    Die Moskauer Deutsche Zeitung ist die einzige föderale Landeszeitung in der Russischen Föderation, die in deutscher Sprache herausgegeben wird.  In einer Auflage von 25.000 Exemplaren auf 16 Seiten in deutscher und acht Seiten in russischer Sprache erscheint die MDZ zwei Mal im Monat und versteht sich als unabhängige Zeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur.

    Am Freitag versammelten sich Redakteure, Journalisten sowie Gäste und Freunde des Blattes in Berlin, um gemeinsam auf die vergangenen 20 Jahre zurückzublicken.

    Das unabhängige Blatt die Moskauer Deutsche Zeitung (MDZ) feiert ihr zwanzigjähriges Jubiläum. Bei den „Moskauer Gesprächen“, einem traditionellen Talk-Format der Zeitung, bemängeln MDZ-Redakteure und Herausgeber eine einseitige Berichterstattung in Deutschland. Und sprechen von Problemen in Russland, mit denen die MDZ zu kämpfen hat.

    „In der Zeit, in der heftig Informationskriege geführt werden, ist die MDZ ein Territorium, wo man sich selbst eine Meinung bilden kann und wo man auch über die Normalität der deutsch-russischen Beziehungen reden kann und nicht nur über Konflikte“, sagt die Herausgeberin der MDZ, Olga Martens, gegenüber Sputnik. Die MDZ setzt nicht auf staatliche Unterstützung und möchte ein unabhängiges Medium sein, um frei zu berichten.

    Doch das erweise sich häufig als schwierig und sei eine Herausforderung, die die Zeitung präge, betont Martens: „Die Reaktionen der deutschen Leser sind, dass wir zu unkritisch gegenüber Russland berichten, wie das viele in Deutschland verlangen. Wenn man aber einem Leser aus Russland zuhört, sagt er: Wie könnt ihr zu eurem Land so kritisch sein. Die Schwierigkeit ist dabei die goldene Mitte zu finden — kritisch bleiben und den Leser zum Nachdenken bringen.“

    Medienlandschaft in Deutschland und Russland

    Die Berichterstattung in Deutschland über Russland sei zu einseitig, erklärt der ehemalige MDZ-Chefredakteur Bojan Krstulovic. Westliche Journalisten hätten nur eine eingeschränkte Themenauswahl, was Russland betreffe. Meistens seien das Probleme aus Russland. Das sei auch verständlich.

    „Wenn wir über China, Brasilien oder Argentinien berichten, suchen wir uns immer schwierige, kritikwürdige Seiten. Wenn man aber nur das sieht und hört, entsteht ein einseitiges Bild im Kopf“, sagt  Krstulovic.

    Die MDZ könne das als eine kleinere Zeitung etwas besser ausbalancieren, „weil sie auch über Sachen berichtet, die in Russland wirklich gut laufen. Die Entwicklung von Moskau, die Entwicklung der Wirtschaft insgesamt, dass man Krisen übersteht“, unterstreicht der Ex-MDZ-Chefredakteur.

    Ähnlich wie die über Russland, sei auch die deutsche Berichterstattung über die USA  sehr schlecht geworden. „Einseitig und zu polemisch. Das gefällt mir in den russischen unabhängigen Medien besser“, sagt Krstulovic.

    Gar geschockt über die Berichterstattung zu Russland in Deutschland zeigt sich die Herausgeberin der MDZ. „Wenn man beispielsweise so etwas schreibt, wie 'Putin lässt seine Muskeln spielen!' Ich würde sofort einen Journalisten entlassen, der so etwas schreibt. Aus meiner Sicht ist das unzulässig. Und hier geht es mir nicht nur um den russischen Präsidenten, sondern auch um andere“, kritisiert Martens.

    Als „recht bunt“ bewertet die Herausgeberin die russische Medienlandschaft. „Natürlich gibt es viele, die sich mehr unabhängige Medien wünschen, aber die Frage wird genauso an die deutschen Medien gestellt“, betont die Verlegerin.

    Etwas mehr Kritik von den staatlichen russischen Medien wünscht sich Bojan Krstulovic: „Natürlich ist das sehr einseitig, was in Russland über den Westen berichtet wird. Ich habe Verständnis dafür. Aber was mir nicht gefällt ist, dass es gar keine Kritik nach Innen gibt. Also man traut sich nicht die eigene Politik kritisch zu betrachten. Das ist schlecht für das Land.“

    MDZ als Vermittler

    Auch prominente Besucher waren zu Gast bei der Jubiläumsfeier in der Berliner Location Kalkscheune. Der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Christoph Bergner (CDU) bezeichnet im Sputnik-Interview die MDZ als ein Unikat,  „weil es die Zeitung einer deutschen Minderheit in Russland ist.“  Es sei auch ein Unikat, weil sie die Verbindung der beiden Länder als auch zwischen den Menschen in beiden Ländern suche und damit auch die deutsche Minderheit in Russland zu Vermittlern zwischen den beiden Staaten mache, betont Bergner, der acht Jahre lang Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen war.

    „Durch die Zeitung erfahre ich persönlich sehr viel über die Mentalität der Menschen in Russland. Und es gibt zwischen Russland und Deutschland einen Mentalitätsunterschied, über den wir reden müssen. Und das tut die Zeitung“, unterstreicht Bergner.

    In den deutsch-russischen Beziehungen wünsche sich Bergner, dass ein „neues Denken“ einkehre. „In der Weise, dass man ehrlich miteinander umgeht und sich die Frage stellt, warum haben wir uns in unseren Wertvorstellungen in den letzten Jahren so weit auseinander entwickelt. Das braucht Verständnis aus Deutschland. Daran gibt es keine Zweifel. Aber es braucht auch eine Offenheit in Russland, die ich oft vermisse. Der größte Stachel in den Beziehungen zwischen der EU und Russland ist der Ukrainekonflikt.“ Es sei im Interesse Russlands, dass das Minsker Abkommen umgesetzt werde und die Ukraine wieder Souveränität über ihre Außengrenzen bekomme, bemerkt der CDU-Politiker.

    Paul Linke

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    Tags:
    Deutschland, Moskau, Russland
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