13:03 20 Juni 2019
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    US-Bomber B-47 Stratojet (Archivbild)

    Kernwaffe vermisst: Bombe aus Kaltem Krieg vor US-Küste womöglich noch scharf

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    Der Flug eines strategischen Bombers der US-Luftwaffe vor 60 Jahren raubt manch einem Amerikaner heute noch den Schlaf. Denn um nach einem Vorfall in der Luft sicher zu landen, musste dieser Bomber seine tödliche Fracht loswerden. Seitdem liegt vor der US-Ostküste irgendwo eine Atombombe – und niemand weiß genau, ob sie nicht doch noch hochgeht.

    Ein B-47-Bomber befand sich am 5. Februar 1958 auf einem Übungsflug im Auftrag des US Strategic Command. Der Kalte Krieg drohte ein heißer zu werden, die US-Luftwaffe probte täglich den Ernstfall.

    Gestartet war die B-47 auf der Homestead Air Base in Florida, wie die Onlinezeitung „Gazeta.ru“ berichtet. Und damit die Besatzung der Maschine unter möglichst realitätsnahen Bedingungen üben konnte, war das Flugzeug mit einer echten Kernwaffe bestückt, einer dreieinhalb Tonnen schweren Wasserstoffbombe vom Typ Mark 15.

    Auf dem Rückflug zur Heimbasis, circa um zwei Uhr morgens, erschütterte ein Schlag die Maschine: „Wir spürten einen starken Stoß und sahen ein Aufflammen am rechten Flügel. Was das war, wussten wir nicht. Aber es konnte sich nur um ein anderes Flugzeug handeln“, erinnert sich der Pilot Howard Richardson laut der Zeitung.

    Tatsächlich war die rechte Tragfläche des Bombers beschädigt, das äußerste Triebwerk hing in einem Winkel von 45 Grad vom Flügel herab, das Flugzeug sank. In einer Höhe von rund sieben Kilometern gelang es dem Piloten, die Maschine aufzufangen – die Crew bereitete sich auf die Notlandung vor.

    „Meine wichtigste Aufgabe war die Sicherheit meiner Männer. Dafür musste ich sorgen“, sagt der Pilot laut der Zeitung. Doch mit einer Wasserstoffbombe an Bord wäre bei der Notlandung nicht nur die Besatzung, sondern die gesamte Region gefährdet gewesen. Richardson entschloss sich, die H-Bombe vorher abzuwerfen: „Von der taktischen Doktrin des Strategic Command her war ich dazu berechtigt“, so der Pilot.

    Die Wasserstoffbombe flog ins Meer unweit Tybee Island in Georgia, USA. Danach landete die B-47 erfolgreich auf dem Hunter Army Airfield: „Wir hatten einen Zwischenfall, und ich habe das Flugzeug sicher gelandet. Dafür bin ich mit einem Verdienstorden ausgezeichnet worden“, so Richardson.

    Die Panne verursacht hatte übrigens tatsächlich ein anderes Flugzeug: Eine F-86 war mit dem Bomber zusammengestoßen und abgestürzt. Der Pilot konnte sich jedoch mit dem Schleudersitz retten.

    Den Abwurfort der Wasserstoffbombe hatte die Crew natürlich markiert. Und die Suche nach der Kernwaffe wurde auch sogleich aufgenommen. Ganze zwei Monate dauerte die Suchaktion. Sie blieb jedoch ohne Ergebnis, wie die Zeitung schreibt. Seitdem geht man davon aus, dass die Bombe in der seichten Wassow-Bucht ins Meer gefallen ist und sich ein- bis viereinhalb Meter tief in den Meeresgrund eingegraben hat. Unklar bleibt auch, ob und wie gefährlich die Bombe heute noch ist.

    Die Gefahr einer Explosion sei nicht gegeben, versichert der Pilot. In der Bombe fehle der Plutonium-Zünder, der die Kernspaltung auslösen könnte. Die Maschine habe schließlich einen Übungs-, keinen Patrouillenflug absolviert. In einer 1966 freigegebenen Geheimakte des Pentagons heißt es jedoch laut der Zeitung: die verlorene Bombe sei „eine einsatzbereite Waffe, eine Bombe mit atomarer Kapsel“ gewesen.

    Und das schürt Ängste, auch wenn die Suche nach der Bombe längst eingestellt ist. Schließlich würde bei einer Explosion ein Großteil der US-Küste vernichtet werden. Und es kann auch niemand ausschließen, dass Terroristen sich dieser Waffe bemächtigen, schreibt die Zeitung.

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    Tags:
    Gefahr, Umweltschutz, Unfall, Jagdflugzeug, Bomber, Kollission, Wasserstoffbombe, B-47, Kalter Krieg, USAF, Georgia, USA