14:07 23 Oktober 2018
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    ein Labor in Russland (Archiv)

    Unbemerkt, aber Spitze: Topleistungen russischer Forscher

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    Die heutigen russischen Forscher machen genug wichtige Entdeckungen, doch die Mehrheit der Bevölkerung weiß kaum davon. Warum?

    72 Prozent der Russen wissen keine Antwort, wenn es darum geht, bedeutende wissenschaftliche Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zu nennen – egal, ob aus dem In- oder dem Ausland. Dies ergab zumindest die jüngste Umfrage des russischen Meinungsforschungszentrums WZIOM.

    In Wirklichkeit gibt es aber genug nennenswerte Leistungen, darunter auch in Russland. Fachleute, die von der Online-Zeitung vz.ru befragt wurden, führten einige Beispiele an. So sagte Wladimir Fortow, Ex-Präsident der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAW):

    „Forscher des Vereinigten Instituts für Hochtemperaturen und des Instituts für Probleme der Chemischen Physik haben vor drei Jahren jenen Plasma-Phasenübergang entdeckt, der zuvor von Landau, Wigner, Seldowitsch, Abrikossow und weiteren vorhergesagt worden war. Das ist ein neuer Effekt, der nun in verschiedenen Laboren der Welt bestätigt wird.“

    Wie Fortow erläuterte, ist diese Entdeckung insbesondere für die Erforschung von Riesenplaneten des Sonnensystems sowie von Exoplaneten wichtig.

    Dmitri Wibe, Abteilungschef am Astronomie-Institut der RAW, sagte: „Die Astronomie ist eine internationale Wissenschaft. Es ist derzeit schwer, ausgesprochen nationale Entdeckungen in ihr zu finden. Wenn aber von Entdeckungen die Rede ist, die unter wesentlicher Mitwirkung russischer Forscher, aber auch unter Anwendung russischer Ausrüstungen und theoretischer Erkenntnisse gemacht wurden, so ist hier die Entdeckung in Bezug auf die Gravitationswellen zu erwähnen.“ Im Februar 2016 hatten Forscher der LIGO-Kollaboration über die erste direkte Messung solcher Wellen berichtet.

    Auch außerhalb der exakten Wissenschaften werden spektakuläre Entdeckungen gemacht. Eine davon hängt mit dem „Igorlied“ zusammen, einem mittelalterlichen Epos der Rus. Der Historiker Juri Piwowarow, Mitglied der RAW, sagte: „Als das ‚Igorlied‘ Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt worden war, kam man sofort auf den Gedanken, dass es sich um eine Fälschung handelt (…) Das Original soll 1812 beim großen Brand von Moskau verbrannt sein.

    Im 20. Jahrhundert schrieb der hervorragende russische Historiker Simin ein Buch, wonach es eben um eine Fälschung gehe (…) Doch dann wurde die Authentizität des ‚Liedes‘ von dem RAW-Mitglied Andrej Salisnjak und dem renommierten Archäologen, ebenfalls RAW-Mitglied, Walentin Janin, nachgewiesen. Dabei tat Salisnjak dies als Philologe von Weltruf. Das zeugt davon, dass die Kultur der Alten Rus sehr reif gewesen war. Das ist nicht bloß eine international bedeutsame Entdeckung, die Mitte der 2000er Jahre gemacht wurde. Das ist ein Anlass für eine Revision geschichtlicher Ansichten.“

    Warum weiß das Publikum dann so wenig Bescheid? Die Duma-Abgeordnete Aljona Arschinowa, Mitglied des Ausschusses für Bildung und Wissenschaft, kommentierte für vz.ru, man brauche ein besonderes Können, um wissenschaftliche Studien zu präsentieren, aber trotzdem seien diese kaum in der Lage, mit ‚Hot News‘ zu konkurrieren. Der Anteil der Information aus dem Forschungsbereich sei überhaupt äußerst gering. 

    Der russische Kernphysiker und Professor Igor Ostrezow bietet noch eine Erklärung an: „Im Bereich der Physik-Technologien wird es keine Entdeckungen mehr geben, denn die vier Typen der fundamentalen Wechselwirkungen sind schon bekannt. Alles Neue, was kommt, ist nichts mehr als eine Folge dieser Dinge (…) Zwar gibt es natürlich Leistungen bei der Vervollkommnung alter Entdeckungen, doch dies ändert grundsätzlich nichts.“

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