22:35 25 April 2019
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    Leuchtturm

    Heiß begehrt: Der schönste Arbeitsplatz der Welt

    © Foto : Henning Sias (Wremer Heimatkreis)
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    Matthias Witte
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    „Kleiner Preuße sucht neue Crew“ – so die Stellenanzeige des Örtchens Wremen im vergangenen Jahr. Die Gemeinde an der Wesermündung hat 2017 für ihren kleinen Leuchtturm neue Wärter gesucht und ein großes Echo bekommen: Über 100 Bewerbungen. Aber nicht jeder und jede ist für diese Tätigkeit geschaffen.

    Sogar aus Berlin und dem Allgäu haben sich Menschen beworben. Die Aussicht auf den Arbeitsplatz im Leuchtturm, der in der Nähe eines kleinen Hafens mit ein paar Sportbooten und sechs Fischkuttern liegt, zog Abenteurer und Aussteiger wie das Leuchtturm-Licht die Fliegen an. Aber ganz so romantisch, wie sich viele Bewerber den Job an der Nordseeküste vorgestellt hatten, ist er gar nicht.

    Leuchtturm
    © Foto : Henning Sias (Wremer Heimatkreis)
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    Der Leuchtturmwärter darf nicht im Turm schlafen

    „Die Tätigkeit wird nicht bezahlt, man kann also nicht von uns angestellt werden. Wir bieten auch keine Unterkunftsmöglichkeiten auf dem Turm, man kann also auch nicht bei uns schlafen“, nimmt Henning Siats Träumern den Wind aus den Segeln. Der erste Vorsitzende des Wremer Heimatkreises zeichnet dagegen nüchtern das Anforderungsprofil für den Job: „Die Saison geht von April bis Oktober. Die offizielle Öffnungszeit ist von 13 bis 15 Uhr. Die Leuchtturmwärter beantworten die Fragen der Besucher. Etwa zum Naturpark Wattenmeer, zu den Gezeiten oder auch zu den Schiffen, die am Leuchtturm vorbeifahren“, erklärt Siats.

    Dazu kommen die Trauungen. Im „Kleinen Preußen“ finden im Jahr zwischen 120 und 150 Hochzeiten statt. Auch da ist der Leuchtturmwärter gefragt, wie der Vorsitzende des Wremer Heimatvereins erklärt: „Er muss eine Stunde vorher da sein, er sorgt für Sauberkeit und dafür, dass die Außenstelle des Standesamtes Wurster Nordseeküste für den schönsten Tag im Leben des Paares bereit ist. Nach der Trauung werden noch Fotos gemacht. Eine Schicht dauert dann etwa drei Stunden.“

    Neun Wärter und eine Wärterin

    Über 100 Bewerbungen gab es insgesamt. 15 Interessierte wurden schließlich zum Vorstellungsgespräch eingeladen. „Letztlich haben wir jetzt zehn Menschen, die sich den Job teilen. Ende des Monats laden wir die ganze Crew zum Kaffeetrinken ein. Dabei besprechen wir dann den Dienstplan“, erklärt Siats das Procedere.

    Leuchtturm
    © Foto : Henning Sias (Wremer Heimatkreis)
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    Von den zehn sind sieben Rentner. Die anderen drei sind berufstätig. „Eine Frau ist darunter“, sagt Siats. „Sie ist 39 Jahre alt und hat eine Anreise von 120 Kilometern pro Weg. Sie arbeitet im Schichtdienst immer am Wochenende und übernimmt deshalb gerne Schichten zu Beginn der Woche.“

    Früher haben sich zwei Männer die Aufgabe geteilt. Aber jetzt Vollzeitkräfte zu finden sei schwierig, erklärt der Vereinsvorsitzende. Er geht davon aus, dass bald wieder Stellen freiwerden: „Manchmal ändern sich die Lebensumstände, und man hat keine Zeit mehr. Oder man verliert ganz einfach die Lust.“ Interessierte können sich also immer gern in Wremen melden.

    Das komplette Interview mit Henning Siats zum Nachhören:

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    Tags:
    Turm, job, Arbeit, Natur, Nordsee, Deutschland