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    Wer einen neuen Tesla hat und ihn zu einem Taxi umrüsten möchte, hat derzeit Pech. Wer diese Umrüstung noch vor Inkrafttreten der neuen Eichverordnung vom Oktober 2016 über die Bühne gebracht hat, kann das Fahrzeug nur schlecht einsetzen, weil es zu wenige Schnellladesäulen gibt. Ein Problemfeld.

    Acht Jahre Garantie auf Batterie und Antrieb, lebenslang kostenloser Strom an Schnellladesäulen, keine Durchsicht, kein Verschleiß, kein Ölwechsel und dazu: das Bewusstsein, ökologisch zu fahren. So stellte sich das Andreas Krone, Taxiunternehmer in Wusterwitz bei Brandenburg an der Havel vor, als er sich für den Kauf eines teuren Teslas entschied. „Ich wollte ökologisch fahren“, bemerkt der Taxifahrer gegenüber Sputnik, „und habe mich lange mit der Thematik beschäftigt.“ Nach 150.000 Kilometern fahre sich ein Tesla günstiger als ein Mercedes, so Krone.

    Andreas Krone
    © Foto : Andreas Krone
    Andreas Krone

    „Ausnahmeregelung muss her“ – wie das neue Eichgesetz die Taxibranche behindert

    Also gab der Taxifahrer am 15. Oktober 2017 knapp 80.000 Euro für das Elektrofahrzeug aus. Aber gefahren hat er es nicht wirklich: „Mein Auto steht zuhause auf dem Hof“, sagt er verbittert. Zwar sei es kein Problem, das Auto zu einem Taxi umzurüsten. Aber das deutsche Eichgesetz sehe eine solche Maßnahme bei Elektrofahrzeugen seit einer Änderung im Oktober 2016 nicht mehr vor. Es dürften nur Fahrzeuge als Taxis verwendet werden, die auch als Taxis das Werk verlassen. Spezialisierte Dienstleister dürften die Streckenzähler und Taxameter bis auf weiteres nicht mehr einbauen.

    Und das in einer Zeit, in der die Regierung von E-Mobilität schwärme und sich hohe und höhere Ziele setze, beschwert sich der Taxifahrer. „Das ist das, was mich fuchsteufelswild macht“, sagt er. „Ich kann gar nicht mehr Fernsehen gucken, in keine Zeitung schauen. Die Frau Merkel sagt jeden Tag: Wir wollen am besten übermorgen alles elektrisch haben.“ Aus Sicht des Taxifahrers wären gerade die Taxifahrer die erste Adresse, bei der die Politik vorbeischauen sollte. Deswegen fordert er im Namen der Branche: „Wir wünschen uns, dass für Elektrotaxen und vor allem für Tesla eine Ausnahmeregelung geschaffen wird.“ Aktuell nütze die Regelung nur Unternehmen wie Mercedes und VW, die von Haus aus Taxen bereitstellen.

    „Die Infrastruktur für E-Taxis fehlt“ – Berliner Tesla-Taxifahrer

    Glück dagegen hatte Martin Doll, Taxiunternehmer aus Berlin. Mitte Oktober 2016 war er beim Berliner Eichamt vorbeigefahren und hat eine Plakette für seinen umgerüsteten Tesla erhalten. „Ich war das letzte Tesla-Taxi in Deutschland, das nach diesem alten Eichrecht umgerüstet worden ist“, bemerkt Doll gegenüber Sputnik.

    Tesla Roadster 2
    © REUTERS / Tesla/Handout
    Allerdings ist auch Doll mit der Situation in Deutschland alles andere als zufrieden: Gerade einmal sechs bis sieben Schnellladesäulen gebe es in Berlin – eine unzureichende Infrastruktur. Diese reiche nicht aus, um E-Fahrzeuge, die in mehreren Schichten gefahren werden müssen, in eine Taxiflotte einzubauen. Als Taxiunternehmer könnte man maximal ein bis zwei Stunden pro Tag für den Ladevorgang verwenden. Das sei derzeit nicht gegeben. Deswegen fordert Doll: „Wer möchte, dass mehr Taxen als Elektroautos unterwegs sind, der müsste dem Taxigewerbe schnellere Säulen zur Verfügung stellen.“ Und stellt die Frage an die Politik: „Wieso werden Leute ausgebremst, die der Umwelt und der Gesundheit der Menschen etwas Gutes tun wollen?“

    Doll berichtet auch vom bremsenden Effekt der neuen Eichverordnung: Viele Kollegen, die sich für Tesla-Fahrzeuge interessiert hätten, wären vor dem Kauf zurückgeschreckt, nachdem sie erfahren hatten, wie problematisch die Verwendung der Fahrzeuge als Taxis sein würde.

    „Lösung für das Problem in der Entwicklungsphase“ – Firma Intax

    Der Grund für die neue Eichverordnung sei, dass Manipulation ausgeschlossen sein müsse, berichtet Maik Reske, Kundenbetreuer bei der Oldenburger Firma Intax. Die Problematik, wie sie Krone erlebt, resultiere zwar tatsächlich aus dem Eichrecht, sei aber nicht das Kernproblem. Um möglichen Manipulationen vorzubeugen, müssten vertrauenswürdige Unternehmen eng mit den Herstellern kooperieren. Das geschehe im Fall einer aktuellen Zusammenarbeit von Tesla und Intax. Eine Umrüstung für das Modell S befinde sich gerade in der Entwicklungsphase. Man sei schon „relativ weit“.

    Wann aber die Lösung da sein wird, weiß Reske nicht zu sagen. Krone ist diese Entwicklung zwar bekannt, aber wirklich beruhigt zeigt er sich nicht, denn für ihn gilt: „Jeder Tag, an dem ich das Fahrzeug nicht nutzen kann, kostet Geld für mich.“

    Das komplette Interview mit Andreas Krone zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Martin Doll zum Nachhören:

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    Tags:
    Gesetz, Elektrofahrzeuge, Verkehr, Taxifahrer, Garantien, Tesla, Deutschland