06:53 20 August 2018
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    Atomexplosion auf dem Mond: im Kalten Krieg konzipiert, aber ausgeblieben

    Atomexplosion auf dem Mond: im Kalten Krieg konzipiert, aber ausgeblieben

    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
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    Sowohl die USA als auch die Sowjetunion haben während des Kalten Krieges nukleare Sprengsätze im Weltall gezündet. Die sowjetischen Forscher planten sogar eine Atomexplosion auf dem Mond, verzichteten aber darauf.

    Wie die russische Wochenzeitung „Swesda“ berichtet, hatte die US-amerikanische Operation Argus im Jahr 1958 darauf abgezielt, den Einfluss von Atomexplosionen im Weltraum auf Radare, Satelliten und ballistische Raketen zu erforschen. Außerdem rückte das Zusammenwirken radioaktiver Plutonium-Isotope mit dem Magnetfeld der Erde ins Visier. Ein Schiffsverband der US-Navy feuerte vom Südatlantik aus drei ballistische Raketen ab. Die Explosionen fanden jeweils am 27. August, am 30. August und am 6. September statt – in Höhen von bis zu 750 (laut anderen Quellen 467) Kilometern.

    Obwohl die Tests streng geheim waren, verliefen sie für die sowjetischen Fachleute nicht unbemerkt. Am Tag der ersten Explosion startete die Sowjetunion, wie die Zeitung schreibt, gleich drei Raketen mit Messgeräten. Diese registrierten Anomalien im Magnetfeld. Offenbar hatten sowjetische Agenten den Kreml im Voraus über die geplanten US-Experimente informiert.

    Auch die Regierung in Moskau beschloss ein ähnliches Testprogramm. Am 27. Oktober 1961 wurden zwei atombestückte ballistische Raketen vom sowjetischen Versuchsgelände Kapustin Jar aus abgefeuert. Die Explosionen erfolgten in den Höhen von jeweils rund 300 und 150 Kilometern.

    Die Sowjetunion, so der Bericht weiter, entwarf auch ein Projekt mit dem Codenamen E-3, das eine Atomexplosion auf dem Mond vorsah. Damit wollte man allerdings nicht etwa Waffen testen, sondern die Ankunft einer sowjetischen Mond-Sonde veranschaulichen.

    Projektautor Jakow Seldowitsch berücksichtigte: Die Sonde ist klein, ihr Aufprall auf der Mondoberfläche wird von der Erde aus kaum bemerkbar sein. Selbst wenn sie einen konventionellen Sprengsatz an Bord hat, wird die Detonation nicht besonders auffallen. Eine Atomexplosion wird dagegen keine Zweifel am Erfolg lassen.

    Das Projekt wurde detailliert ausgearbeitet, eine Attrappe gebaut. Der Container, der den Sprengsatz enthielt, hatte mehrere Zündhörner wie eine Seemine, um eine mechanische Auslösung bei der Landung zu garantieren.

    Der Plan wurde aber nicht umgesetzt – wegen Sicherheitsbedenken. Man war nicht hundertprozentig gegen Pannen beim Start gefeit: Wäre es zu Problemen mit der Trägerrakete gekommen, hätte die Atombombe in der Sowjetunion oder im Ausland einschlagen können. Deshalb wurde auf das Projekt verzichtet.

    Atomtests im Weltraum wurden indes fortgesetzt – sowohl von der Sowjetunion als auch von den USA. Erst im Juni 1963 schlugen die Vereinigten Staaten vor, solche Tests vertraglich zu verbieten. Der Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser trat am 10. Oktober 1963 in Kraft.

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    Tags:
    Sonde, Atomtest, Rakete, Weltraum, US-Navy, Sowjetunion, Mond, USA
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