03:21 16 Juli 2018
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    Bild-Zeitung (Archivbild)

    Russenskandal bei „Bild“-Zeitung: „Vorbildliche journalistische Arbeit“

    © AFP 2018 / Odd Andersen
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    Ilona Pfeffer
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    Der Russenskandal um Kevin Kühnert von den Jusos ist zur Blamage für die „Bild“-Zeitung geworden. Wie am Mittwoch bekannt wurde, ist die Zeitung offenbar einem Streich des Satire-Magazins „Titanic“ aufgesessen. Nun meldet sich „Titanic“-Autor Moritz Hürtgen bei Sputnik selbst zu Wort.

    Seit Tagen fragte sich die „Bild“-Zeitung und mit ihr ganz Deutschland: Was hat denn Juso-Chef Kevin Kühnert mit den Russen zu tun? Ein anonymer Informant hatte dem Blatt einen heiklen Email-Wechsel zwischen Kühnert und einem Russen namens Juri zugespielt. Darin soll es darum gegangen sein, wie Juri seinem Freund Kevin helfen könnte, die NoGroKo-Kampagne in der SPD zu forcieren. „Plumpe Fälschung!“ hieß es schnell aus Kühnerts Stab. Doch die Investigativ-Journalisten der „Bild“-Zeitung ließen sich nicht mit dem Dementi abspeisen. Sie schalteten eigene Experten ein. Am 19. Februar veröffentlichte die Zeitung ihre Erkenntnisse:

    „Jede E-Mail verrät, von welchem Server sie verschickt wurde. Die kompromittierende E-Mail weist auf einen SPD-Server hin, von dem sie ursprünglich verschickt wurde.“

    Screenshots der Server-Daten wurden gemäß der journalistischen Sorgfaltspflicht beigelegt. Weiter heißt es im „Bild“-Artikel:

    „Nach Prüfung der Daten der E-Mail meint Cyber-Security-Professor Timo Kob jedoch: ‚Die Server-Daten kreisen den Verfasser mit hoher Wahrscheinlichkeit auf jemanden mit Zugang zu Systemen der SPD ein – berechtigt oder unberechtigt.‘“

    Die Springer-Journalisten fragen sich: „Versucht also jemand mit Zugang zum SPD-Netz, Kevin Kühnert zu schaden, indem er seine NoGroKo-Kampagne mit russischen Quellen in Verbindung bringt?“

    „Super-Zusammenarbeit!“

    Am Mittwoch dann die Meldung, die wie eine Bombe einschlägt: Juri, die Mails, Kühnerts Verstrickung – alles Lüge! Das Satire-Magazin „Titanic“ bekennt sich, die „Bild“ hinters Licht geführt zu haben.

    „Wir haben diese Mails der ‚Bild‘-Zeitung angeboten, und es war eine Super-Zusammenarbeit! Wir haben es nur bei der ‚Bild‘ versucht und waren sehr froh, dass wir dort total ernst genommen wurden und diesen Skandal gemeinsam mit der ‚Bild‘ entwickeln konnten“, so Moritz Hürtgen von der „Titanic“ im Sputnik-Interview.

    Mit Begeisterung habe das Team der „Titanic“ in den letzten Wochen die Kampagne der „Bild“ gegen die SPD und Juso-Chef Kevin Kühnert verfolgt, erinnert sich der Autor der Fake-Kampagne. Ihm sei völlig klar gewesen: Mit seiner Russengeschichte könne er nur zum Flaggschiff des Springer-Konzerns gehen. Schwer sei es nicht gewesen, als angeblicher Informant aus Juso-Kreisen das Interesse und das Vertrauen der Politikredaktion des Springer-Blatts zu bekommen.

    „Es gab einen langen Email-Wechsel mit einem Politik-Redakteur, mehrere Telefonate. Es war einfach eine gute Zusammenarbeit, die wir eigentlich vorbildlich finden, auch vom journalistischen Standpunkt“, schwärmt Hürtgen.

    Mit Kühnert selbst hat Hürtgen nach der Enthüllung noch nicht gesprochen. Der Juso-Chef hat sich aber auf Twitter bereits erfreut geäußert. „Wir freuen uns natürlich auch, wenn wir der SPD jetzt helfen können, auf 17-18 Prozent zu kommen“, sagt der „Titanic“-Autor.

    „Jeder kann russische Hilfe gebrauchen“

    Wie gut die angebliche Russland-Verstrickung Kühnerts bei „Bild“ funktioniert hat, zeigt einmal mehr: Ohne russische Einmischung läuft zurzeit nichts. Auch Hürtgen sagt:

    „Es ist eine famose Leistung, dass überhaupt keine Abstimmung international ohne Russland auskommt. Ich finde, da kann man nur stolz sein und das unbedingt weiter betreiben. Bei ‚Titanic‘ sind wir da auch offen.“

    Russische Hilfe könne grundsätzlich Jeder gebrauchen, so der „Titanic“-Autor. Und auch an uns von Sputnik appelliert er:

    „Ich wäre enttäuscht, wenn Sie nicht auch, wie ‚Titanic‘, Intrigen spinnen, manipulieren und mit Bots arbeiten. Als russisches Medium in Deutschland ist das Ihre Aufgabe.“

    Die „Titanic“ sei zudem gern bereit, ihr wertvolles Wissen im Umgang mit der „Bild“-Zeitung mit allen Interessierten zu teilen.

    Das komplette Interview mit Moritz Hürtgen zum Nachhören:

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    Tags:
    Presse, miomiogate, Titanic, Skandal, Russen, Axel Springer, Bild-Zeitung, Jusos, SPD, Kevin Kühnert, St. Petersburg, Deutschland
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