19:53 23 Juni 2018
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    „Ziel der USA: Russland zum Kollaps zu bringen“ – Valentin Falin in zehn Zitaten

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    Valentin Falin, ehemaliger Botschafter der Sowjetunion in der Bundesrepublik Deutschland und Vorsitzender der Nachrichtenagentur Nowosti (kurz APN, Vorgänger der russischen Mediengruppe Rossiya Segodnya), ist am Donnerstag im 92. Lebensjahr gestorben. Sputnik erinnert sich an zehn prägende Zitate des Diplomaten.

    Über die Inkompatibilität der UdSSR und der USA

    „Die Amerikaner haben im Jahr 1946 beschlossen, dass allein die Existenz der Sowjetunion mit der Sicherheit der USA nicht kompatibel ist. Kommunisten oder Nichtkommunisten – das ist eine nicht besonders korrekte Frage. Der Nutzen ist ganz einfach: Ressourcen. Die Ukraine ist ein Teil dieses Plans. Abgesehen von den Ressourcen wird Russland ohne die Ukraine bedeutend angreifbarer, das sagte schon Brzezinski (Zbigniew Brzezinski, der ehemalige US-Politologe – Anm. d. Red.).“

    Über den Zusammenhang zwischen den Sanktionen und dem Wettrüsten

    „Die Sanktionen, die Schaffung eines Gürtels von Militärstützpunkten entlang Russlands Grenzen – das alles ist nur die Fortsetzung der früheren Politik des Westens, es ändern sich nur die Methoden. Nach der Entwicklung von thermonuklearen Waffen durch die Sowjetunion und somit der Bruch des Monopols der USA in diesem Bereich verwandelte sich das Wettrüsten in eine Form der Kriegsführung. Und das heutige Aufzwingen neuer Spiralen dieses Wettrüstens durch die USA verfolgt ein ganz konkretes Ziel: Russlands Wirtschaft zum Kollaps zu bringen. Und die USA werden diese Idee kaum aufgeben.“

    Über US-Bombardements gegen Japan

    „Bomben wurden auf Japan abgeworfen, um der Sowjetunion zu zeigen, dass es nur einen Herren in der Welt gibt.“

    Über die globale Bedeutung der Konferenz von Jalta

    „Jalta war eine der besten Chancen, die der Menschheit im Laufe ihrer ganzen schriftlichen Geschichte, zumindest seit der Geburt von Jesus Christus, gegeben wurde, als wir einen Krieg ausschließen konnten, wie es in der Uno-Satzung steht. Die Chance wurde nicht genutzt. Die Verantwortung dafür trägt in erster Linie Washington.“

    Darüber, wie die Sowjetunion hätte gerettet werden können

    „Um die Sowjetunion zu retten, hätten wir sehr einfach vorgehen müssen. (…) Es ist natürlich eine Extremposition, aber sie vertrat seinerzeit, nebenbei gesagt, Andrej Sacharow (sowjetischer Atomphysiker, Vater der sowjetischen Wasserstoffbombe – Anm. d. Red.). Wir hätten eine x-beliebige Menge an Megatonnenbomben schaffen, diese entlang der US-Küsten im Atlantik und Pazifik auf dem Ozeanboden stationieren und, hätten uns die Amerikaner angegriffen, all diese Bomben auf einmal sprengen sollen. Dann wäre von den USA nichts übriggeblieben.“

    Über Jewgeni Primakow, den russischen Leiter der Auslandsaufklärung, Außenminister und Ministerpräsident unter Boris Jelzin:

    „Der größte Verdienst von Jewgeni Maximowitsch, der ihm als ein Denkmal dienen wird, ist die Herausführung des Landes aus der Finanzkrise, als sich Russland praktisch nicht nur am Rande eines politischen, sondern auch eines wirtschaftlichen Zerfalls befand.“

    Über die Handlungen Russlands während des bewaffneten Konfliktes in Südossetien (2008):

    „Hätten wir anders als unsere Führung reagiert, dann hätten wir eine Schleuse für neue Provokationen gegen Russland geöffnet, gegen seine lebenswichtigen Interessen, um uns einzuengen und in unserer Peripherie alle aggressiven Positionen aufzustellen.“

    Über die Verantwortung für die Zukunft:

    „Bald nach dem Zerfall der Sowjetunion habe ich festgehalten: Die erste Sorge eines jeden, der die Verantwortung für die Zukunft des Landes übernimmt, muss die Konsolidierung der Gesellschaft sein. Der Aufruf ‚Russland, nimm Dich zusammen!‘ von Alexander Gortschakow (russischer Diplomat und Kanzler im Russischen Reich des 19. Jahrhunderts – Anm. d. Red.) ist heute aktuell wie nie zuvor – die Ideen, die Energie und die Bemühungen für das Schöpfertum und den Wiederaufbau, für die Versöhnung mit sich selbst zu konzentrieren. Anderenfalls kann Russland keine neue Hoffnung schöpfen.“

    Über Donald Trumps Politik:

    „Um den Sinn von Trumps Entscheidungen, ihre gemeinsame Ausrichtung und Perspektiven zu verstehen, muss man die Begutachtung von Details überschreiten und die Situation in den USA und in der Welt komplex betrachten, denn das, was im November des vorigen Jahres (2016 – Anm. d. Red.) in diesem Land passierte, bedeutet nicht einfach den Wechsel der amerikanischen Jacke gegen die amerikanische Hose. Es geht hier um den Beginn eines Wechsels einer globalen Matrix.“

    Über die Hauptbedrohungen für die Menschheit:

    „Wenn gefragt wird, was heute die Menschheit und lebenden Wesen auf der Erde am meisten bedroht, nennt man gewöhnlich nukleare, chemische oder biologische Waffen. Aber man vergisst dabei eine weitere wirklich schreckliche Massenvernichtungswaffe, die vor allem auf das menschliche Gehirn abzielt: Information. Propaganda und Agitation.“

    Womit Valentin Falin in Erinnerung bleiben wird

    Valentin Falin hat nach seinem Abschluss am Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO) viele Jahre der Diplomatie gewidmet: Er arbeitete in einer analytischen Gruppe des Informationskomitees beim Außenministerium der Sowjetunion, erstellte Texte zur deutschen Problematik für öffentliche Reden von Nikita Chruschtschow, leitete eine Beratergruppe des damaligen Außenministers Andrej Gromyko. In den Jahren 1971-1978 war er Botschafter der Sowjetunion in der Bundesrepublik Deutschland.

    Von 1978 bis 1982 war Falin erster Vizeleiter der Abteilung für internationale Informationen des ZK der KPdSU, später befasste er sich mit Publizistik, war Kommentator für die Zeitung „Iswestija“ und bekleidete einen leitenden Posten in der Nachrichtenagentur Nowosti (APN), des Vorgängers der russischen Mediengruppe Rossiya Segodnya.

    Er verfasste mehrere Bücher, darunter: „Geschichte der Außenpolitik der UdSSR“ (1969), „Politische Erinnerungen“ (1993 Deutschland, 1999 Russland), „Die zweite Front“ (1995 Deutschland, 2000 Russland) und „Konflikte im Kreml“ (1997 Deutschland, 1999 Russland).

    Er war Preisträger des Staatspreises der Sowjetunion (1982). Für seine Errungenschaften wurde er außerdem mit dem Orden der Oktoberrevolution, mit drei Orden Arbeitsrotbanners sowie der Völkerfreundschaft ausgezeichnet und erhielt 2010 einen persönlichen Dank des Präsidenten Russlands.

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    Tags:
    Default, Kompatibilität, Erinnerungen, Ressourcen, Zusammenbruch, Provokationen, Chance, Verantwortung, Wettrüsten, ZK der KPdSU, APN, Moskauer Staatliche Hochschule für Internationale Beziehungen (MGIMO), Rossija Segodnja, Andrej Gromyko, Valentin Falin, Zbigniew Brzezinski, Nikita Chruschtschow, Atlantikküste, US-Pazifikküste, Sowjetunion, Südossetien, UdSSR, Deutschland, Russland, Ukraine
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