11:19 20 Juni 2018
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    Die Essener Tafel

    „Nazis“: Essener Tafel nach Migranten-Aufnahmestopp mit Parolen beschmiert

    © AFP 2018 / dpa/ Roland Weihrauch
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    Seit ihrer Entscheidung, keine Flüchtlinge mehr aufzunehmen, ist die Essener Tafel landesweit in aller Munde. Manche zeigen Verständnis für den drastischen Schritt. Andere aber gar nicht: In der Nacht zum Sonntag haben Unbekannte nach übereinstimmenden Medienberichten die Türen der Tafel mit Parolen beschmiert.

    Wie deutsche Medien unter Berufung auf die Polizei melden, wurden die Türen der ehrenamtlichen Einrichtung und sechs in der Nähe geparkte Autos mit Parolen wie „Nazis“ beschmiert.

    Es sei eine „naheliegende Vermutung“, dass das mit dem jüngsten Aufnahmestopp für Migranten zusammenhänge. Im Netz soll es im linken Spektrum Aufrufe zu Aktionen gegen die Tafel gegeben haben.

    Die Entscheidung der Essener Tafel, von nun an nur noch deutsche Kunden aufzunehmen, sorgte landesweit für Aufsehen. Es gab viel Kritik aus der Politik und in der Presse. So nannte die „Rheinische Post“ diesen Schritt die „kälteste Nachricht des Winters“: Bedürftigkeit kenne keine Nationalität, heißt es in dem Artikel. Die Maßnahme sei ein Armutszeugnis.

    Der „Münchner Merkur“ warnte hingegen vor eiligen Verallgemeinerungen: Die Betreiber der Essener Tafel seien nicht gleich ausländerfeindlich, weil sie darauf reagierten, dass alleinerziehende Mütter und Omas nicht mehr kämen. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb: „Problematisch, Toleranz von denen zu verlangen, die um ihre Würde kämpfen“.

    In den Leser-Kommentaren zu entsprechenden Beiträgen in der Presse findet man allerdings viel Zuspruch für die Entscheidung der Tafel. „Respekt und große Hochachtung vor der gerechtfertigten Zivilcourage dem Betreiber der Tafel! Den Menschen, die zuerst Deutschland aufgebaut und Steuern gezahlt haben.Schlimm genug, dass es arme Rentner gibt in einem Land, wo Politiker gut und gerne verdienen“, schrieb der „Welt“-Leser Arlett O.

    „Da das freiwillige Helfer sind, ist es ja eine ziemliche Frechheit, denen vorschreiben zu wollen, wem sie helfen sollen. Als freiwilliger Helfer sollte man zur Not durchaus mal die ‚Kiste‘ fallen lassen und sich stattdessen eine schöne Zeit zu Hause machen. Das dürfte den Herrschaften, die sich über die Essener Tafel beschweren, wohl auch nicht passen“, so Corinna G.

    Wegen des hohen Andrangs von Migranten hatte sich der gemeinnützige Verein Essener Tafel zu einer drastischen Maßnahme entschieden: Seit Mitte Januar müssen Bedürftige einen deutschen Pass vorweisen, um aufgenommen zu werden.

    Nichtdeutsche machten zuletzt einen Anteil von 75 Prozent an den Tafel-Kunden aus, sagte der Vorsitzende des Vereins, Jörg Sartor, gegenüber der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ). „Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt“, so Sartor. Denn gerade ältere Nutzerinnen hätten sich von vielen fremdsprachigen Männern abgeschreckt gefühlt. Mit dem Aufnahmestopp habe man sich schwergetan und wisse, dass das ein „heißes Thema“ sei.

     

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    Tags:
    Nazis, Hilfe, Essen, Flüchtling, Migrant, Deutschland, Essen
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