08:29 21 Oktober 2018
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    Falken im Kreml: Bewachung besonderer Art für Präsidentensitz

    Falken im Kreml: Bewachung besonderer Art für Präsidentensitz

    © Sputnik / Ilya Pitalyow
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    Der Moskauer Kreml, der als Sitz des russischen Präsidenten dient, wird sorgfältig bewacht – auch mit nicht ganz üblichen Mitteln. Über dem Gelände absolvieren Raubvögel ihren Wachdienst. Denn es gibt vorerst keine wirksame Alternative, um ein seit Jahrzehnten und gar Jahrhunderten bestehendes Problem zu lösen.

    Wie die russische Wochenzeitung „Argumenty i Fakty“ berichtet, gab es immer viele Krähen auf dem Hügel, wo der Kreml steht. Diese Vögel werden bereits in schriftlichen Quellen erwähnt, die aus der Zeit Iwans des Schrecklichen stammen.

    In den 1960er Jahren stiegen Soldaten des Kreml-Regiments regelmäßig auf die Dachböden der dortigen Baulichkeiten, um die Krähen zu verscheuchen. Die Dachfenster wurden verriegelt, doch die Vögel fanden immer wieder einen Weg in die Dachböden hinein.

    Als Abschreckmittel gegen Krähen wurden auch akustische Signale benutzt: Ein mit Laufsprechern ausgestattetes Fahrzeug fuhr durch das Gelände, um die Vögel fernzuhalten. Diese durchschauten den Trick allerdings schnell und reagierten nicht mehr. Letztendlich gelangte man zum Schluss: Die beste Methode, Vögel zu bekämpfen, sind andere Vögel.  

    Im Jahr 1983 bekam der Kreml einen ornithologischen Dienst. Zwei Würgfalken wurden mit dem Anti-Krähen-Einsatz beauftragt. Später wurden sie allerdings durch Habichte abgelöst, die in der Natur häufiger vorkommen. Derzeit übernehmen Habichte und ein Uhu den biologischen Schutz des Kremls.

    Wie die Zeitung erläutert, werden die Krähen, wenn sie in Scharen kommen, wirklich zu einem Problem. Sie besudeln altehrwürdige Kathedralen, rutschen deren Kuppeln herunter und kratzen das Blattgold ab. Dazu rupfen sie noch Blumen aus den Beeten aus und vernichten Singvögel, die ebenfalls auf dem Kreml-Gelände leben.

    Der Habicht ist ein natürlicher Feind der Krähen. Wo er vorkommt, baut die Krähe kein Nest und brütet keine Küken aus. Die Arbeit mit Greifvögeln hat aber ihre Schwierigkeiten. Ein gut gefütterter Raubvogel will nicht jagen, denn er fühlt sich ohnehin wohl. Aber auch ein sehr hungriger Vogel ist kein guter Jäger, denn er ist zu schwach. Deshalb muss der Falkner genau den Zeitpunkt abpassen, an dem der Vogel sowohl Hunger als auch genug Kräfte hat, um gegen die Krähen vorzugehen. Für diesen Zweck werden die Raubvögel täglich ausgewogen.

    Die Habichte erledigen ihre Arbeit bei Tageslicht. Nachts springt der Uhu namens Filja ein – er fliegt geräuschlos und packt die Krähen, während sie schlafen. Die Todesschreie der Opfer alarmieren andere Krähen und lassen sie abziehen – aber nicht chaotisch, sondern organisiert: Die Krähen sammeln sich zu einer Schar und warnen die Ihrigen vor der Gefahr. Erst danach verlassen sie das Gelände. In Moskau gibt es allerdings eine solche Unmasse an Krähen, dass ihre endlose Migration den Raubvögeln im Kreml keine Chance lässt, den Dienst zu quittieren.

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    Tags:
    Falke, Raubvögel, Bewachung, Sicherheit, Präsidentenregiment, Kreml, Wladimir Putin, Moskau, Russland