19:39 23 September 2018
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    Ikebana (Symbolbild)

    Wie hilft Ikebana-Kunst bei Spionage? Russische Ex-Agentin packt aus

    © Sputnik / Ekaterina Plyasunkova
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    Ljudmila Nujkina, Veteranin des russischen Auslandsgeheimdienstes, hat in einem Sputnik-Gespräch einen Einblick in ihren Beruf gegeben.

    Die meisten Informationen über die Arbeit von Nujkina und ihrem Mann bleiben geheim. Die ehemalige Agentin teilte jedoch einige Tatsachen mit: Was diese Arbeit für eine Familie mit Kindern bedeutet, in welchen Situationen die Ikebana-Kunst helfen kann und wie die Art, ein Kleid anzuziehen, die echte Nationalität einer Agentin preisgeben kann.

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    „Das war sehr schwer. Man muss das Leben eines anderen Menschen leben. Nicht spielen. Die illegale Ausspähung ist kein Theater, wo man für zwei-drei Stunden auftritt, spielt und nach Hause geht. Wir haben nicht einfach gearbeitet: Wir haben der Heimat gedient, und deshalb muss man vor allem patriotisch sein“, sagte Nujkina.

    Ihr zufolge muss eine Frau in diesem Beruf besonders tapfer sein, wenn sie Kinder hat. Nujkina musste ihren Sohn in der UdSSR bei seinen Großmüttern und Tanten lassen und konnte ihn nur hin und wieder besuchen.

    „Natürlich durfte ich keine Fotos von ihm mitnehmen. Ich erzählte meinem Ehemann immer wieder, vielleicht hundert Mal, wie es dem Sohn geht. Er interessierte sich zum Beispiel dafür, welche Frisur Jura (der Sohn – Anm. d. Red.) hat“.

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    Aus Angst sich zu verraten wagte es Nujkina nicht, auf Russisch zu denken, geschweige denn zu sprechen. Sie verwies auf das Hindernis, welches bei ihrer Arbeit die sowjetische Erziehung darstellte.

    „Alles ist anders. Wie ziehen unsere Frauen etwa Kleider an? Über den Kopf. Und dort – nur von unten. Alle diese Kleinigkeiten muss man wissen. <…> Alle früheren Gewohnheiten, die Routine von Zuhause muss man vergessen.“

    Der Ex-Agentin zufolge gab es Situationen, in denen nur sie als Frau die nötigen Informationen bekommen oder Kontakte knüpfen konnte. Eine gute Gelegenheit boten unter anderem Frauenklubs, wie beispielweise Kurse für Ikebana-Kunst.

    „Gewiss zeigten Frauen ihre Kleider, erzählten, wohin sie gefahren waren.  Sie begannen zu prahlen, wessen Mann fetziger ist. Natürlich sprach ich diese Frauen an, weil ich zuerst sie und dann ihre Männer kennenlernte. Das war bequem, wenn mein Mann den ihn interessierenden Menschen nicht direkt kontaktieren konnte“.

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    Nujkina bezeichnete Ikebana als eine nützliche Fertigkeit, weil sie auch als eine Art „Deckmantel“ benutzt werden konnte: „Du hast gelernt, zugesehen und kannst deinen eigenen kleinen Klub eröffnen, in den du für dich interessante Menschen einladen kannst“.

    Nach mehreren Jahren im Ausland mussten Nujkina und ihr Mann plötzlich mit der Arbeit aufhören, weil ein Resident in London sie verraten hatte. „Wenn ich ihn getroffen hätte, hätte ich ihm die Augen ausgekratzt! Das Schicksal eines Verräters finde ich nicht beneidenswert Man mag solche Menschen nicht. Weil wenn man einmal jemanden verraten hat, dann macht man das wohl wieder“.

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    Tags:
    Ausland, Spionage, Ausspähung, Agentin, Frau, Russlands Auslandsgeheimdienst SWR, Auslandsaufklärung, UdSSR, Russland