08:29 19 Oktober 2018
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    Gerhard Seyfried packt nach 20 Jahren Pause seine Comicfigur Zwille wieder aus

    Nach 20 Jahren: Seyfried lässt Comicfigur Zwille neue Abenteuer erleben – VIDEO

    © Foto : Gerhard Seyfried
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    Bolle Selke
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    Er hat mit seinen Comics die linke Szene im Berlin-Kreuzberg der 70er und 80er Jahre festgehalten. Nun hat Gerhard Seyfried nach 20 Jahren Pause seine Comicfigur Zwille wieder ausgepackt. Der Comic heißt auch ganz passend „Zwille“ und erscheint am Freitag im Westend-Verlag. Bei Sputnik erzählt Seyfried, wie es ist, die Kultfigur wieder anzuheuern.

    „Auf vielfachen Wunsch der Fans habe ich jetzt mal wieder auf den Charakter Zwille zurückgegriffen", berichtet der Cartoonist und Autor. „Es ist eigentlich die lustigste Figur, die ich habe, oder überhaupt eine der wenigen Figuren, die in den Comics öfter vorkommen. Erfunden habe ich ihn um 1974/1975 herum als Anarcho-Männchen, mit schwarzem Hut und schwarzem Mantel."

    In „Zwille" treten die Figur Zwille, sein Kumpel McÖko und der Comiczeichner Fumetti Seyfretti (Namensähnlichkeit kein Zufall) gegen die Graphic Novel Authority (GNA) an. Diese unterstützt Senator Schmarotzke, welcher die Gentrifizierung von Berlin und Kreuzberg weiter vorantreiben möchte. Der Begriff Graphic Novel schmeckt Autor Seyfried nicht:

    „Ich bin da einer Meinung mit Alan Moore. Das ist der Zeichner der ‚V wie Vendetta‘ gezeichnet hat. Er empört sich sehr über den Begriff Graphic Novel. Mir ist das auch zu snobistisch. Das ist der Versuch der Verlage, das irgendwie auf ein Literaturlevel zu heben. Da bin ich konservativ. Für mich sind das immer Comics. Zudem ist es bei mir so, dass ich darauf achte, dass das Bild und die Zeichnung bei mir dominiert und nicht der Text."

    Sein bekanntester Comic „Flucht aus Berlin", Erstveröffentlichung 1990, ist mittlerweile vergriffen und nur noch aus zweiter Hand zu bekommen. Es sei der beliebteste Comic bei seinen Fans — und auch der politisch interessanteste. Immerhin sind ein paar Exemplare vom Goethe-Institut ins Tschechische übertragen worden. Seyfried hofft, dass es auch zu einer Neuauflage kommt. Er erinnert sich:

    Gerhard Seyfried bei der Arbeit
    © Foto : Gerhard Seyfried
    Gerhard Seyfried bei der Arbeit

    „Ich habe ‚Flucht aus Berlin‘ angefangen, als noch niemand vom Mauerfall ahnte. Ursprünglich sollte es ein Comic über Umweltprobleme werden. Letztendlich eine Abenteuerreise auf der Suche nach der Möglichkeit, aus Comics wieder Bäume zu machen. Als ich bei der Hälfte des Buches war, kam der Mauerfall dazwischen. Weil ich das alles live mitgekriegt habe, habe ich umgeschwenkt. Einer der wenigen, die das rechtzeitig noch in ein Buch gepackt haben. Das war dann natürlich sehr faszinierend, und Russland musste natürlich auch involviert werden. Ich hatte dann auch diese schöne Figur, den Iwan Kagebejewitsch, der uns dann auch aus einem Arbeitslager rettet."

    Der Comic „Zwille" von Gerhard Seyfried ist am 9. März im Westend Verlag erschienen.

    Bolle Selke

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    Tags:
    1990, Gentrifizierung, Graphic Novel, Comics, Comic, Mauerfall, Flucht aus Berlin, Westend Verlag, Gerhard Seyfried, Kreuzberg, Berlin, Deutschland