SNA Radio
    Bald Duell mit Weltmeister? Russe führt im Schach-WM-Halbfinale in Berlin

    Bald Duell mit Weltmeister? Russe führt im Schach-WM-Halbfinale in Berlin

    CC0
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Alexander Boos
    0 341

    Spielt bald ein russischer Spitzen-Spieler gegen den Schach-Weltmeister um den Titel? Aktuell duellieren sich in Berlin acht Schach-Großmeister. Darunter drei Russen.

    „Das Turnier kann Schach in Deutschland stärken“, so der Präsident des Deutschen Schachbunds im Sputnik-Interview. Das russische Unternehmen Kaspersky Lab ist einer der größten Sponsoren.

    Am Mittwochnachmittag starten die internationalen Duelle in die nächste Runde. „Das hier ist das zweitwichtigste Schach-Turnier der Welt: Quasi das Halbfinale zur Weltmeisterschaft“, sagte Ullrich Krause, Präsident des Deutschen Schachbunds (DSB), während der Turnier-Eröffnung am Freitag in Berlin gegenüber Sputnik. Er erklärte die Turnierregeln:

    „Es sind acht Teilnehmer. Jeder spielt zweimal gegen jeden. 14 Partien hat jeder Spieler zu spielen bei 18 Spieltagen insgesamt. Der Sieger hat das Recht, gegen den Weltmeister anzutreten. Im Herbst in London.“

    Der Spieler mit den meisten Punkten fordert demnach im November 2018 den amtierenden Titelträger Magnus Carlsen aus Norwegen heraus.

    Darum spielen die Teilnehmer aktuell beim Kandidatenturnier im „Kühlhaus“ in Berlin-Kreuzberg. Das Turnier begann am Sonntag und geht bis zum 28. März. Ausrichter des Wettkampfes ist die Welt-Schach-Föderation FIDE. Einer der größten Hauptsponsoren ist Kaspersky Lab. Das russische IT-Unternehmen ist einer der größten Software-Hersteller der Welt. Das Preisgeld für den Sieger beträgt laut Veranstalter 420.000 Euro.

    Russische Spieler dominieren

    Derzeit führt der Russe Wladimir Kramnik die Tabelle an. Er ist somit aussichtsreichster Kandidat für das Duell mit dem norwegischen Schach-Weltmeister in London. Die bisher spektakulärste Partie im Turnier spielte ebenso ein russischer Spieler: Schnellschach-Spezialist Alexander Grischtschuk. Er glänzte gegen den US-Amerikaner Wesley So „vor allem durch seine kreativen Turmmanöver“, wie der SPIEGEL schrieb.

     

    „Als Vize-Präsident des russischen Verbandes erfüllt es mich mit Stolz, unter den acht Teilnehmern drei russische Spieler zu sehen, die dieses fantastische Spiel bestreiten“, sagte Andrej Gurjew, Vize-Präsident des nationalen Schach-Verbands von Russland, bei der Auftaktveranstaltung am Freitagabend.

    Neben Kramnik und Grischtschuk tritt als dritter russischer Spieler Sergej Karjakin an. Aus den USA nehmen Fabiano Caruana und Wesley So teil. Weitere Spieler sind Ding Liren (China), Lewon Aronjan (Armenien) und Şəhriyar Məmmədyarov (Aserbaidschan). Das Teilnehmerfeld besteht insgesamt aus fünf Nationen. Es konnte sich kein deutscher Spieler für das Turnier qualifizieren.

    Verbandspräsident: „Schach-Standort Deutschland stärken“

    „Für Schach in Deutschland ist das hier ein ganz wichtiges Turnier“, erklärte Schachverbandspräsident Krause gegenüber Sputnik. „Acht der besten Spieler der Welt für drei Wochen zu Gast bei uns zu haben ist phänomenal. Wir erhoffen uns natürlich einen positiven Schub für Schach in Deutschland und auch für den Schach-Standort Berlin.“

    Fußball sei „natürlich klar die Nummer eins“, sagte er mit Blick auf die deutsche Sportlandschaft. „Tennis ist weit vorn. Schach ist eher eine Randsportart.“ Dennoch sei der Deutsche Schachbund mit 90.000 Mitgliedern und 2700 Vereinen „gut aufgestellt. Wir sind im weltweiten Vergleich eine der drei größten Schach-Föderationen.“

    Einziger deutscher Schach-Weltmeister gewann 1918 Turnier in Berlin

    „Überall in Deutschland wird es Public Viewing in Schach-Clubs geben, um die Partien des Turniers zu verfolgen“, so Krause. „Um es zusammenzufassen: In den nächsten Wochen wird Schach hoffentlich die Aufmerksamkeit erhalten, die es verdient.“

    2018 sei ein sehr wichtiges Jahr für Schach in Deutschland, betonte er. „Denn wir begehen in diesem Jahr den 150. Geburtstag des bisher einzigen deutschen Schach-Weltmeisters: Emmanuel Lasker.“ Lasker (1868 — 1941) trug insgesamt 27 Jahre lang den Weltmeister-Titel und gewann vor genau 100 Jahren ein internationales Schach-Turnier in Berlin.

    Die nächsten Schach-Partien

    Am Mittwoch um 15 Uhr eröffnen Grischtschuk (Russland) und Liren (China) mit ihrem Duell den nächsten Spieltag beim Kandidatenturnier Berlin. Der russische Tabellenführer Kramnik spielt gegen den US-Amerikaner Caruana und wird versuchen, seine Führung auszubauen.

    Das Turnier läuft noch bis zum 27. März. Bis dahin soll laut Spielplan der Turniersieger ermittelt sein. Die Siegerehrung ist für den 28. März geplant.

    Die Reportage zum Schach-Kandidaten-Turnier 2018 in Berlin zum Nachhören:

    Zum Thema:

    Schach-Profi von Weltpokal ausgeschlossen – wegen Dresscode-Verletzung
    Britische Wissenschaftler bieten eine Million für Lösung eines Schachrätsels
    Ex-Weltmeister Kasparow kehrt ans Schachbrett zurück
    Jugendstraftäter aus Russland und Schweiz messen sich online – in Schach
    Tags:
    Schachweltmeisterschaft, Schachmeister, Schachgroßmeister, Schachweltmeister, Schach, ELO, Deutscher Schachbund, FIDE, Kaspersky Lab, Lewon Aronjan, Şəhriyar Məmmədyarov, Ullrich Krause, Ding Liren, Wesley So, Fabiano Caruana, Alexander Grischtschuk, Wladimir Kramnik, Sergei Karjakin, Berlin, Deutschland