08:29 14 November 2018
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    Sasha Grey (Archiv)

    Von der Porno- zur Kunstikone: Warum Sasha Grey so beliebt ist

    © AP Photo / Chris Pizzello
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    Sie war ein Star in der „Filmkunst für Erwachsene“, ihr Name ist einer der bekanntesten in der ganzen Pornobranche und sie ist stolz darauf. Allerdings taucht der Name Sasha Grey schon längst in Filmen ganz anderer Genres auf.

    Die Online-Zeitung Gazeta.Ru enthüllt in diesem Beitrag, der dem 30. Geburtstag des ehemaligen Pornostars gewidmet ist, den wahren Grund für Greys Beliebtheit.

    Ihr erstes Pseudonym in der Pornobranche lautete „Anna Karina“. Sie trug den Namen zu Ehren einer der Lieblingsschauspielerinnen von Jean-Luc Godard, die Hauptrollen in französischen „New Wave“-Filmen gespielt hatte. Aber unter diesem Namen klappte es nicht und sie entschied sich für einen anderen. So wurde aus Marina Ann Hantzis, der Tochter eines KFZ-Mechanikers und einer Beamtin, Sasha Grey. Sasha – zu Ehren des Frontmannes der Industrial-Rock-Band KMFDM. Grey – zu Ehren Oscar Wildes und dessen Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“.

    Damit zeigte die 18-jährige Pornodarstellerin im Jahr 2006, dass sie anders als ihre Kolleginnen ist. Und immer anders bleiben wird.

    Einige Jahre später, erläuterte Sasha Grey (zu diesem Zeitpunkt hatte sie der Pornobranche bereits den Rücken gekehrt) in einem Interview für die Zeitschrift „Vice“, warum sie einst beschlossen hatte, „Filme für Erwachsene“ zu drehen. Damals besuchte sie ein College, arbeitete sechs bis sieben Tage in der Woche als Serviererin und guckte ab und zu Pornos. Das, was sie dabei sah, gefiel ihr nicht: „Ich spürte, dass es dort an Kreativität mangelte und hatte meine eigenen Vorstellungen von Sex. Es widerte mich an. Ich dachte, dass ich nicht immer dieselben Dinge sehen will.“

    Was den Sex angeht, wollte sie sich nach ihren Worten von Anfang an „in Sicherheit spüren, spüren, dass ich alles kontrolliere“. Die Arbeit in der Pornobranche erwies sich für Grey als Möglichkeit, ihre eigene Sexualität und die von anderen Menschen zu „erforschen“. Ihre Eltern waren über ihre Entscheidung nicht gerade erfreut, unterstützten aber ihre Tochter. Vor allem galt das für ihren Vater, der sich von der Mutter Sasha Greys hatte scheiden lassen, als der künftige Pornostar fünf Jahre alt war: „Verfolge dein Ziel und gib nicht auf!“

    Sasha Grey drehte drei Jahre lang Pornofilme und behauptete die ganze Zeit über, vor ihr würde die Aufgabe zur Aufklärung der Menschen stehen. 2009 schrieb die „New York Times“, Grey sei einerseits bereit, „sich gehen zu lassen“, andererseits aber „sehr intellektuell und seriös bei der Arbeit“.

    2009 war Greys letztes Jahr in der Pornobranche. Ihren letzten Preis erhielt sie 2010. Danach entschied sie sich für den nächsten Schritt: Als Frau mit einer Figur, die für Erwachsenenfilme eher untypisch ist (Grey hat einen kleineren Busen), wollte sie sich auf einmal als Schauspielerin für Independent-Filme versuchen. 2009 spielte sie die Hauptrolle in Steven Soderberghs „The Girlfriend Experience“. Der Regisseur verlangte von ihr, Godards Filme wie „Die Geschichte der Nana S.“ und „Elf Uhr nachts“ anzusehen (in denen übrigens Anna Karina gespielt hatte).

    Nach Soderbergh spielte sie noch in mehreren Folgen der TV-Serie „Entourage“, deren Produzent Mark Wahlberg war. Dieser hatte übrigens in „Boogie Nights“ einen Pornodarsteller verkörpert. Danach folgten das Drama „I Melt with You“, der Horrorfilm „Would You Rather“ und die Thriller „Open Windows“ und „The Scribbler“. Parallel bemühte sich Grey nach ihrem Ausstieg aus dem Sexfilmgeschäft um die Verteidigung des Porno-Genres in verschiedenen TV-Shows. Dabei bestand sie darauf, dass solche Filme als Aufklärung wichtig  seien und hatte damit Erfolg. Kein einziger anderer Star der Pornobranche durfte beziehungsweise darf sich über einen so großen Respekt vonseiten des Publikums freuen.

    Sasha Grey hat ein besonderes Verhältnis zu Musik und Literatur, was sich auch in ihrem Pseudonym widerspiegelt.

    Bereits 2008 gründete sie gemeinsam mit ihren Freunden die Industrial-Rock-Band aTelecine: Dies war zunächst eher ein Gag, da Grey behauptete, sie könne weder singen (aber sie singt), noch Gitarre spielen (aber sie spielt Gitarre). Dennoch hatte die Band Erfolg. Grey besitzt eine große Schallplatten-Sammlung, bei der unter anderem die Gruppen Throbbing Gristle, Joy Division, Current 93, The Stooges und Parliament-Funkadelic vertreten sind.

    Sasha Grey ist zudem Autorin mehrerer Bücher. Das erste von ihnen war ein Fotoalbum, das sie noch in ihren Porno-Jahren zusammengestellt hatte. Das zweite Buch trägt den Titel „The Juliette Society“ und ist ein dreiteiliger Erotikroman: Der erste Teil erschien 2013, der zweite 2016, und der dritte wird am 31. März präsentiert.

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    Tags:
    Schauspielerin, Filme, Kunst, Porn, Pornodarstellerin, Sasha Grey