13:59 23 Juli 2018
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    Julia Skripal

    Vergiftung von Skripal: Neue Details bekanntgegeben – Medien

    © AP Photo / Yulia Skripal/Facebook
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    Die britische Zeitung „The Telegraph“ hat unter Berufung auf hochrangige Quellen in Geheimdiensten neue Details zur Vergiftung des Ex-Doppelspions Sergej Skripal veröffentlicht. Ein russischer Experte hat die Information bereits kommentiert.

    Laut „The Telegraph“ befand sich der Stoff, mit dem Skripal vergiftet wurde, im Koffer seiner Tochter Julia.

    Nach Angaben der Zeitung sollte das Gepäck erst im Haus von Skripal in Salisbury ausgepackt werden. Mit dem nervenparalysierenden Stoff könnten Kleidung, Geschenke oder Kosmetik von Julia durchsickert gewesen sein.

    Das Ex-Mitglied der UN-Kommission zu Bio- und Chemiewaffen, Igor Nikulin, stellt das jedoch unter Frage, dass der Giftstoff sich im Koffer von Skripals Tochter befinden konnte.

    „Ich denke, dass das kaum wahrscheinlich ist. Denn im Unterschied etwa zu (Giftgas – Anm. d. Red.) Sarin ist es schwer, diesen Stoff unbemerkt zu verwenden. Er hat einen scharfen und unangenehmen Geruch“, so der Experte.

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    Demzufolge wirkt „Nowitschok“ schnell. Wenn ein Mensch nach dem Kontakt mit diesem Gift kein Gegengift bekommt, „hat er keine Überlebenschancen“.

    „Wenn Großbritannien die Wahrheit in diesem Fall herausfinden will, sollte es mit russischen Fachleuten zusammenarbeiten und Beweise vorlegen. Einen Behälter zum Beispiel, wo sich das Gas befand. Die Erklärungen (von der britischen Regierungschefin, Theresa May – Anm. d. Red.) lassen nur mehr staunen“, sagte Nikulin. 

    Laut dem ständigen Vertreter Russlands bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen, Alexander Schulgin, hat Moskau ein größeres Interesse an der Aufdeckung der Wahrheit als Großbritannien, weil Julia Skripal eine russische Bürgerin ist.

    Die Vergiftung Skripals

    Sergej Skripal, einst Oberst des russischen Militärnachrichtendienstes GRU, war 2004 als Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 entlarvt und von einem Militärgericht wegen Hochverrats zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Sechs Jahre später wurde Skripal gegen russische Agenten ausgetauscht.

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    Am 4. März dieses Jahres wurden der 66-jährige Skripal und seine Tochter Julia in der britischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden und mit Anzeichen einer Vergiftung in ein Krankenhaus gebracht, wo beide ins Koma fielen. Medienberichten zufolge sollen 21 Personen in Mitleidenschaft gezogen worden sein, darunter auch ein Polizist.

    Die britischen Behörden vermuten einen Anschlag. Die genauen Umstände sind noch unklar. Doch Premierministerin May erklärte am Montag, dass hinter dem mutmaßlichen Giftanschlag „höchstwahrscheinlich“ Russland stehe.

    Am Mittwoch hatte May Maßnahmen gegen Russland angekündigt, darunter die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten aus London. Zudem stelle Großbritannien alle bilateralen Kontakte zu Russland ein und ziehe die Einladung für den russischen Außenminister Sergej Lawrow nach London zurück.

    Russland weist die Vorwürfe zurück und erklärte sich bereit, an den Ermittlungen teilzunehmen. London verweigert Moskau ohne Angabe von Gründen den Zugang zu den Ermittlungsmaterialien. Außenminister Sergej Lawrow rief Großbritannien auf, den Verpflichtungen aus der Chemiewaffenkonvention nachzukommen.

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    Giftanschlag, Spion, Giftattentat, Gift, Spione, Giftstoffe, Agent, Spionage, Sergej Skripal, Großbritannien, Russland
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