14:36 22 September 2018
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    Klimawandel (Symbolbild)

    „Völlig unkalkulierbar“: Trotz Risiken plant Bundesregierung Geoengineering – Medien

    © REUTERS / Kacper Pempel
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    Die Bundesregierung will laut dem Nachrichten-Magazin „Spiegel“ durch Anwendung der Geoengineering-Technologien dem Klimawandel entgegenwirken. Doch die Kritiker dieses Vorhabens bezeichnen die Risiken als „völlig unkalkulierbar“.

    Wissenschaftler aus aller Welt würden mit großer Besorgnis die andauernde Erderwärmung beobachten. Die globale Treibhausgasemission sei 2017 wieder leicht gestiegen und die Folgen des Klimawandels seien schon in vielen Regionen der Erde spürbar. Auf der Suche nach einem Gegenmittel würden auch Vorschläge über gezielte Eingriffe ins Erdklima zur Abkühlung unseres Planeten, die Technologie von Geoengineering, ins Spiel gebracht.  

    Diese Technologie sei aber umstritten. Die Befürworter der Technologie behaupten, ohne solche Maßnahmen könnte die Menschheit den Klimawandel kaum stoppen. Doch Kritiker warnen vor unberechenbaren Folgen.  

    Laut dem „Spiegel“ will die Bundesregierung Vorgaben erarbeiten, die das so genannte marine Geoengineering regeln sollen. Es handle sich dabei um die Förderung des Wachstums von Algen im Meer, die Kohlenstoff binden und somit das Klima positiv beeinflussen. Auch werde über Mineralstoffe diskutiert, die die Ozeanversauerung zurückdrehen können. 

    Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Florian Pronold, erklärte dem Magazin, es bestehe nach wie vor Forschungsbedarf zu den Wirkungen, Folgen und Risiken eines Einsatzes von marinem Geoengineering. Deshalb werde in der Bundesregierung ein Regelungspaket mit Referentenentwürfen abgestimmt, das sich aus zwei Gesetzen und einer Verordnung zusammensetzen werde, so Pronold.

    Dem vorliegenden Referentenentwurf zufolge werden alle zukünftigen wissenschaftlichen Vorhaben im Bereich des Geoengineerings einem Erlaubnisvorbehalt unterliegen. Das habe unter anderem zum Ziel, die Meeresumwelt zu schützen und die menschliche Gesundheit zu gewährleisten, so Pronold.

    Die Sprecherin für Klimapolitik vom Bündnis 90/Die Grünen, Lisa Badum, warnte hingegen, dass die Folgen eines bewussten Eingriffs in das Klimasystem völlig unkalkulierbar seien. Sie beschreibt die Umweltpolitik der Bundesregierung als eine „klimapolitische Irrfahrt“. „Wir wollen keine weiteren Eingriffe in das Wetter, die Atmosphäre und die Natur“, sagte die Sprecherin. Umwelt-Staatssekretär Pronold erwiderte, die Bundesregierung führe ihre Umweltpolitik im Rahmen der internationalen Klimaverhandlungen durch und werde die Forschung zum marinen Geoengineering nur unter strengen Voraussetzungen in Übereinstimmung mit neueren Vorgaben des internationalen Rechts ermöglichen.

    Bisherige Forschungsergebnisse zum marinen Geoengineering, so der „Spiegel“, seien ziemlich ernüchternd. Die gezielte Förderung des Algenwachstums könnte nur wenig Kohlenstoff binden, weil die Fressfeinde der Algen, sogenannte Ruderfußkrebse, hungriger würden und das Wachstum fast komplett zunichtemachten. Theoretische Studien zur Ozeandüngung mit Olivin würden auch zeigen, dass sich diese Maßnahmen in der Praxis nicht lohnten, so das Magazin.

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