01:33 17 August 2018
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    das atomgetriebene U-Boot „Karelia“

    Mit Atomantrieb und Schlauchboot: Geschichte einer russischen Untersee-Topleistung

    © Sputnik / Michail Fomitschew
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    Am Montag wird in Russland der Tag des U-Boot-Fahrers begangen. Die Geschichte der russischen Untersee-Flotte hat viele spektakuläre Episoden. Eine davon ist die postsowjetische Mission mit einem Auftauchen am Nordpol.

    Die russische Wochenzeitung „Swesda“ klärt über die Vorgeschichte auf: „Anfang 1994, als im Ausland viel von der schwindenden Stärke der russischen Kriegsflotte geredet wurde, war es eine Ehrensache, das Gegenteil zu beweisen (…) Die Entscheidung wurde auf Ebene der ranghöchsten Staatsmänner gefällt. Arktische Missionen unter Eis – erst recht am Nordpol – waren immer ein bestes Kriterium für die Möglichkeiten der U-Boot-Leute in Sachen Technik und Moral. Außerdem waren sie ein Element des Prestiges des Landes.“

    Am 15. Juli 1994 verließ die „Karelia“ den Standort Gadschijewo im Gebiet Murmansk. Sie wurde begleitet vom atomgetriebenen Jagd-U-Boot „Daniil Moskowski“, das die Aufgaben im Sinne der Fernsicherung übernahm. Die Fahrt zum Pol nahm rund zwei Wochen in Anspruch – unter der Eisdecke, die mancherorts 2,5 Meter dick war.

    Das Jagd-U-Boot erreichte als Erstes den Nordpol, tauchte aber nicht auf. Es weilte dort zwei Tage lang unter Eis, um die Situation zu untersuchen, und verließ dann den Raum. Nun kam die „Karelia“ an den Punkt, wo alle Meridiane zusammenfallen, und fand eine Lücke im Eis – rund 300 Meter lang und 250 Meter breit. Dann befahl der Kommandeur des U-Bootes, Juri Jurtschenko, das Auftauchen, wie die Zeitung weiter berichtet.

    Nun ging es darum, eine russische Flagge auf dem Eis aufzustellen. Den rund zehn Meter großen Abstand zwischen dem Rumpf des aufgetauchten Atom-U-Boots und dem Rand der Eisscholle überwanden zwei Besatzungsmitglieder mit einem Schlauchboot, das eigens für diese Zwecke mitgenommen wurde.

    Die Aufgabe wurde erfüllt: Erstmals in der Geschichte des postsowjetischen Russlands tauchte ein U-Boot direkt am Nordpol auf – und wiederholte damit die sowjetische Rekordleistung aus dem Jahr 1963. Abgesehen von Russland gelang ein solches Auftauchen bis heute nur den USA.

    Der einstige Kommandeur der „Karelia“ sagte nun dem Blatt, er sei stolz auf die aktuelle Situation der russischen Kriegsmarine: „Im Vergleich zu dem Stand der 1990er Jahre wurde die russische U-Boot-Flotte einen Kopf größer. Derzeit wird kaum jemand ihre Kampffähigkeit bezweifeln.“

    Der russische Marinechef Wladimir Koroljow sagte unterdessen in St. Petersburg nach Angaben eines Sputnik-Reporters: „Dank der festen russischen Verschmelzung von Bemühungen der Schiffsbauer und fachlichen Kompetenzen der U-Boot-Fahrer erfüllen unsere Untersee-Kräfte derzeit Aufgaben im Weltmeer und lassen dabei nicht einmal eine geringste Bedrohung für die Sicherheit des Staates zu.“

    Russland werde Atom-U-Boote der 4. Generation weiter bauen und an der 5. Generation weiter tüfteln, so Koroljow. Zur 4. Generation zählen die Projekte Borej (Typschiff „Juri Dolgoruki“) und Jassen (Typschiff „Sewerodwinsk“). Als nächste Generation gilt das in Entwicklung befindliche Projekt Chaski, wobei eine Ausrüstung mit Hyperschall-Marschflugkörpern geplant ist.

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    Ausrüstung, Hyperschallwaffen, Eis, Mission, Erfolg, Leistungen, U-Boote, Jassen (U-Boot), Borej (U-Boot), USA, Nordpol, Russland
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