07:47 19 November 2018
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    in d. M.: die sowjetische Schülerin Katja Lytschowa (Archiv)

    Eine Sowjet-Schülerin und Präsident Reagan: Wie sie ihn traf und was sie ihm sagte

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    Vor genau 32 Jahren hat die historische USA-Reise der sowjetischen Schülerin Katja Lytschowa begonnen. Diese war eine Friedensbotschafterin – ebenso wie die US-Amerikanerin Samantha Smith, die die UdSSR zuvor besucht hatte. Die beiden Mädchen trugen dazu bei, die Entfremdung zwischen den Supermächten etwas zu mildern.

    Im November 1982 hatte die damals zehnjährige US-Schülerin Samantha Smith einen Brief an den neuen sowjetischen Parteichef Juri Andropow geschickt und gefragt, warum die Sowjets „die ganze Welt erobern“ wollen. Andropow betonte in seiner Antwort, die Sowjetunion wolle nur Frieden. Im Sommer 1983 besuchte Samantha auf Andropows Einladung die Sowjetunion, insbesondere das Ferienlager Artek am Schwarzen Meer, und schloss Freundschaft mit sowjetischen Kindern. Sie kam zu dem Schluss, dass die Russen „wie wir sind“. Die Reise machte Schlagzeilen in beiden Ländern.

    Zwei Jahre nach ihrer Heimkehr kam die amerikanische Botschafterin des guten Willens bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Kurz darauf wandte sich ihre Mutter Jane, berichtet die russische Zeitung „Argumenty i Fakty“, an die sowjetischen Behörden und plädierte für eine USA-Reise einer sowjetischen Schülerin – als Pendant zu jenem Besuch von Samantha. Die Idee wurde in Moskau begrüßt, ein Casting organisiert – rund 6.000 Mädchen nahmen daran teil. Gewinnerin war die elfjährige Jekaterina (Kurzform: Katja) Lytschowa.

    Trotz einiger bösen Gerüchte hatte Katja, erläutert die Zeitung, keine Verwandten in den sowjetischen Machtetagen. Ihre Eltern waren Forscher. Ein ganz gewöhnliches Mädchen von nebenan war sie allerdings auch nicht. Sie lernte an einer Moskauer Fremdsprachenschule und sprach gut Englisch. Ein weiterer Trumpf, der ihr die Kommunikation mit Journalisten und Politikern in Amerika erleichtern sollte, waren ihre Erfahrungen als Schauspielerin: Zu jenem Zeitpunkt hatte sie Rollen in drei sowjetischen Kinderfilmen hinter sich.

    Die Reise begann am 21. März 1986. Ein Höhepunkt war das Treffen mit dem US-Präsidenten. Die Zeitung zitiert aus Katjas Amerika-Aufzeichnungen: „Herr Reagan kam, reichte mir die Hand und sagte, er freue sich sehr darüber, mich im Weißen Haus zu sehen. Ich überreichte ihm ein Spielzeug und erläuterte, dieses sei von sowjetischen Kindern gefertigt worden, die – wie unser ganzes Volk – Frieden wollen. Dann sagte ich: ‚Ich denke, Kinder können auf der Erde nicht ruhig leben, solange es Atomwaffen gibt. Ich weiß, dass unser Land vorgeschlagen hat, alle Atomwaffen auf der Erde zu vernichten, noch bevor ich groß bin. Es wäre gut, wenn das geschehen würde. Dann werden alle Kinder glücklich sein.‘ Herr Reagan sagte, er träume auch vom Frieden, obwohl er kein Kind mehr sei.“

    Bei ihrer USA-Reise wurde Katja von Star Rowe, einem Mädchen aus San Francisco, begleitet. Zusammen besuchten sie unter anderem die Nasa-Zentrale, das UN-Hauptquartier und das Disneyland. In ihren Aufzeichnungen berichtete Katja auch über ihre alltäglichen Erlebnisse: „Zu Mittag aßen wir an jenem Tag in einem McDonalds-Café (…).

    Ein lächelnder Clown mit einer riesigen roten Perücke empfing uns am Eingang. Ich bekam sofort den Eindruck, ich sei in einem Zirkus. Als wir hereinkamen, war alles tatsächlich wie bei einer lustigen Vorführung. Ich und Star nannten Speisen, die dann wie durch Zauberei aus einer speziellen Maschine kamen. Die Namen der Speisen waren für mich freilich neu und ich wusste nicht, was ich bestelle (…). Der Big Mac schmeckte ungewöhnlich, ich habe ihn nicht aufgegessen. Bratkartoffeln mag ich aber sehr und aß sie deshalb alle auf, wobei ich keine Rücksicht mehr auf die Reporter nahm.“

    Nach ihrer Heimkehr war Katja sehr populär und bekam stapelweise Briefe. Im Jahr 1988 verließ sie aber die Sowjetunion, weil ihre Mutter als Wirtschaftsforscherin ein Stipendium in Frankreich erhalten hatte. Dort lebte das Mädchen einige Jahre lang und studierte an der Sorbonne. Im Jahr 2000 kam sie zurück nach Russland, wo sie seitdem bei verschiedenen Behörden und beim Autobauer AwtoWAS tätig war.

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    Tags:
    Atomwaffen, Besuch, Frieden, McDonald’s, UN, Ronald Reagan, Juri Andropow, USA, UdSSR