09:53 22 Oktober 2018
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    Migranten warten auf einen Bus auf dem Münchner Hauptbahnhof, September 2015.

    Genitalverstümmelung: Knapp 13.000 Mädchen in Deutschland bedroht

    © AFP 2018 / CHRISTOF STACHE
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    In Deutschland sollen derzeit mindestens 13.000 Mädchen von einer Beschneidung bedroht sein. Zudem gibt es laut einer Aktivistin der Frauenrechtsorganisation Terre de Femmes einen sogenannten „Beschneidungstourismus“ aus Deutschland.

    Die Fachreferentin zur Genitalverstümmelung bei Terre des Femmes, Charlotte Weil, hat in einem Focus-Online-Interview über die Hintergründe dieser barbarischen Praxis gesprochen. Mit dem Migrantenzustrom sei in Deutschland die Zahl der Frauen gewachsen, die in ihrer Heimat einer Beschneidung unterzogen worden seien. Jetzt drohe dieses Schicksal ihren Töchtern.

    Allein in München sollen derzeit laut Terre des Femmes etwa 800 Mädchen zwischen vier und acht Jahren von Genitalverstümmelung bedroht sein. Landesweit seien es insgesamt mindestens 13.000 Mädchen.

    Weil erklärt die weibliche Beschneidung mit dem patriarchalischen Interesse zur Unterdrückung der weiblichen Sexualität: Die Jungfräulichkeit solle bewahrt und die Treue der Frau garantiert werden. Diese Praxis sei besonders in Afrika in einem Gürtel zwischen Guinea und Somalia verbreitet: So seien beispielsweise in Somalia 97 Prozent der Frauen beschnitten, in Ägypten 87 Prozent.

    Dass Mütter bereit seien, ihren eigenen Töchtern so etwas anzutun, liege am hohen Anpassungsdruck. „Mütter wollen nicht riskieren, dass ihre Töchter ausgegrenzt werden oder keinen Ehemann finden. Denn die meisten Männer dieser Gesellschaften wollen keine unbeschnittene Frau“, so Weil.

    Terre des Femmes setze sich zum Ziel, diese Praxis zu beenden. Die Organisation habe in Deutschland eine klare Forderung: die Aufnahme einer verpflichtenden Genital-Untersuchung in die U-Untersuchungen – zur Prävention und Entdeckung von Genitalverstümmelung an Mädchen.

    Die etwas zynische Einstellung „Lasst sie doch“ gegenüber diesem Brauch hält Weil für unzulässig: „Die Genitalverstümmelung ist eine Menschenrechtsverletzung und der Auslöser für schwere körperliche und seelische Qualen. Infektionen, Inkontinenz, Blutstau bei der Menstruation, Schmerzen beim Sex, Probleme bei der Geburt kommen häufig vor.“ Auch sexuelle Befriedigung bleibe den Frauen verwehrt.

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    Tags:
    Migranten, Tradition, verstümmeln, Beschneidung, Paris, Ägypten, Somalia, Afrika, Deutschland