14:30 22 Juli 2018
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    Die Kathedrale von Saint-Denis

    Schändung oder Änderungswunsch? Pro-Migranten-Demo auf französischen Königsgräbern

    © AFP 2018 / CHRISTOPHE ARCHAMBAULT
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    Eine Demonstration zum Schutz der Migranten-Rechte in der berühmten Kathedrale von Saint-Denis, die als Grablege französischer Könige bekannt ist, haben konservative Politiker scharf verurteilt. Die Stellungnahme der Organisatoren sowie eines Geistlichen ist nicht so kategorisch ausgefallen.

    Mehr als hundert Aktivisten, geleitet von dem Abgeordneten der linken Partei LFI (La France insoumise — deutsch: „Unbeugsames Frankreich") Éric Coquerel, stürmten am Sontag in die Kathedrale von Saint-Denis, wo sie eine Demo gegen das neue Migrationsgesetz abhielten, das ihrer Ansicht nach die Rechte der Flüchtlinge beeinträchtigt.

    ​Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die die Aktivisten aus der Kathedrale vertrieb. Die Abendmesse wurde aufgehoben.

    Mehrere ranghohe Mitglieder der Parteien „Die Republikaner" und „Front National" verurteilten die Aktion. Marine Le Pen bezeichnete die Manifestation als eine „Schändung" der Kathedrale.

    Die Aktion hatte die gesellschaftliche Organisation „Coordination Sans-Papiers du 93" organisiert, deren Chef Pierre Garelli gegenüber Sputnik erläuterte, warum die Kathedrale von Saint-Denis für diese Manifestation gewählt worden war.

    „Warum Saint-Denis? Weil es in dieser Stadt sehr viele illegale Migranten gibt", sagte er. „Unsere Organisation ist eine der größten und es war wichtig für uns, Aufmerksamkeit auf dieses Problem gerade in Saint-Denis zu lenken. Andererseits haben wir in Saint-Denis Unterstützung von beispielsweise Katholiken, aber nicht nur von Katholiken", so der Aktivist.

    Außerdem sei diese Wahl auf eine kulturelle und historische Tradition zurückzuführen, betonte er: „Es ist in diesem Lande nun einmal so, dass die Kirche sehr oft Menschen half, die in eine schwierige Lebenssituation geraten waren, damit sie sich erholen und sich aussprechen können". Es sei nichts Schlimmes daran, dass illegale Migranten und Menschen in einer schwierigen Lage in die Kirche kommen würden, wo sie aufgenommen würden und wo sie über ihre Probleme sprechen könnten.

    Auf eine Tradition, die jedoch mit relativ jüngeren Ereignissen verbunden ist, verwies auch der Sprecher des Erzbistums von Saint-Denis, Bruno Rastoin: „Die Kathedrale von Saint-Denis ist zum Symbol des Kampfes von illegalen Migranten geworden, seitdem Demonstrierende 2002 zum ersten Mal dort hineinstürmten", sagte er gegenüber Sputnik. „Gerade darauf ist die Wahl des Ortes für die Aktion am Sonntag zurückzuführen".

    Ob es sich aber dabei um eine Schändung handeln könne? Garelli, der bei der Aktion Garelli festgenommen wurde und nun mit einem Gerichtsurteil rechnen muss, sieht das anders: „In den Kirchen wird gesungen, und auch Flüchtlinge singen". Es sei nichts unangebrachtes daran, selbst wenn ein Plakat entfaltet werde, sagte er. „Die Menschen äußern ihren Schmerz, ihren Wunsch danach, die Situation zu ändern, sie äußern es so, wie sie es können. Und sie tun das unter anderem auch in einer Kirche".

    Auch ein Geistlicher, der jedoch seinen Namen nicht nennen wollte, bewertete die Sonntagsaktion nicht als „Schändung": „Ich würde es nicht so bezeichnen. Es hätte sich um eine Schändung gehandelt, falls sie das Sakramentshaus genommen, die Kirche beschmutzt, die Gräber beschmiert oder einen Anschlag auf den Katholizismus und die Sakramente mit Wort und Tat verübt hätten", erläuterte er seine Haltung. „Hier geht es nur um eine Manifestation, die nicht dem Charakter einer sakralen Einrichtung entspricht".

     

    Tags:
    Kathedrale, Schändung, Zusammenstöße, Demo, Migranten, Polizei, Katholische Kirche, Front National, Marine Le Pen, Saint-Denis, Frankreich
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