01:05 14 November 2018
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    Juri Gagarin (Archivbild)

    „Nutzen für die Menschen“: Gagarins vorzeitige Abschiedsworte und verdienter Weltruhm

    © Sputnik / I. Snegirjow
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    Der Tod von Juri Gagarin, dem ersten Raumfahrer der Welt, jährt sich am Dienstag zum 50. Mal. Als Gagarin ums Leben kam, war das ein Schock für die sowjetischen Menschen. Auch im Ausland war der Kosmonaut sehr beliebt – ein Beleg dafür war etwa die Atmosphäre während seiner Kuba-Reise.

    Nach dem Absturz von Gagarins Trainingsflugzeug am 27. März 1968 wurde in der Sowjetunion ein nationaler Trauertag ausgerufen. Erstmals in der Geschichte trauerte das ganze Land offiziell um jemanden, der zum Zeitpunkt seines Todes nicht an der Staatsspitze gestanden hatte, erläutert die russische Onlinezeitung gazeta.ru.

    Sie zitiert auch aus Gagarins Brief, den er sieben Jahre zuvor an seine Ehefrau geschrieben hatte – direkt vor seiner historischen Weltraum-Mission. In jenem Brief verabschiedete sich der Kosmonaut im Voraus – für den Fall, dass er ums Leben kommt. Der Weltraumstart im Jahr 1961 verlief aber erfolgreich, deshalb wurde der Brief damals nicht an die Familie überreicht. Ehefrau Valentina bekam ihn erst nach dem Tod ihres Mannes.

    Gagarin schrieb: „Vorerst habe ich ehrlich, rechtschaffen und mit einem Nutzen für die Menschen gelebt, obwohl er nicht groß war. Noch als Kind habe ich einmal die Worte von W.P. Tschkalow (einem berühmten sowjetischen Flieger – Anm. der Red.) gelesen: ‚Wenn man sein soll, dann soll man Erster sein.‘ Nun gebe ich mir eben Mühe, ein solcher zu sein, und werde dies bis zum Ende tun. Diesen Flug möchte ich, Valetschka (Kosename für Valentina – Anm. der Red.), den Menschen der neuen Gesellschaft – des Kommunismus – widmen, in die wir bereits eintreten, aber auch unserem großen Heimatland und unserer Wissenschaft.“

    Alexander Smirnow, Fachmann des Museums für Russlands Politikgeschichte, sagte der Onlinezeitung spbdnevnik.ru, Gagarins Tod sei eine Erschütterung für die sowjetischen Menschen gewesen: „Gagarin wurde geliebt. (…) Er war ein Volksheld, ein Symbol, das die Zukunft verkörperte. Als im Radio von seinem Tod berichtet wurde, empfanden viele dies als Verlust eines Verwandten.“

    Wie Smirnow betonte, war Gagarin nach seinem Weltraumflug auch im Ausland sehr populär geworden und hatte insgesamt mehr als 60 Länder besucht: Als der Kosmonaut beispielsweise im Juli 1961 nach Havanna kam, versammelten sich mehr als 500.000 Menschen zu einer Kundgebung, um ihn zu begrüßen. Smirnow erzählte:

    „Einige Tage später musste er heimkehren. Die kubanischen Zeitungen berichteten, Gagarin habe Kuba bereits verlassen, doch in Wirklichkeit war er noch dort, um das Abschiedsbankett zu besuchen. Fidel Castro kam auf die Idee, Gagarin mit einem offenen Auto durch Havanna zu fahren, denn der Kosmonaut hatte bisher angesichts der vielen offiziellen Veranstaltungen nicht in vollem Maße diese wunderbare Stadt genießen können.“

    Während dieser Autofahrt war Gagarin laut Smirnow in Zivil – und der kubanische Revolutionsführer beschloss herauszufinden, ob die Einwohner der Stadt den Kosmonauten wiedererkennen würden: „Fidel stieg aus dem Wagen. Um ihn herum versammelte sich sofort eine Menschenmenge. Er fragte, ob es schade sei, dass Gagarin die Stadt schon verlassen habe. ‚Ja, das ist schade‘, antworteten die Kubaner und fragten, ob er wieder kommen werde.“

    Der Raumfahrer stand unterdessen, so der Historiker weiter, unauffällig hinter Castros Rücken: „Ein Kubaner fragte unsicher: ‚Gagarin?‘ Da wurden auch die anderen auf den Zivilisten aufmerksam, der dem beliebten Kosmonauten verdächtig ähnelte. Fidel warf einen strengen Blick auf die Menschenmenge und fragte: ‚Glaubt ihr etwa nicht den Zeitungen?‘ Es herrschte plötzlich tiefe Stille. Castro genoss die dramatische Pause, dann lächelte er breit und nickte einfach.“

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    Jahrestag, Astronauten, Weltraum, Tod, Fidel Castro, Juri Gagarin, Kuba, UdSSR, Sowjetunion