18:18 22 April 2018
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    Wohnungslose in Berlin (Archiv)

    Revolution im Internet: Portal gegen Wohnungsnot

    © AFP 2018 / Tobias SCHWARZ
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    Alexander Boos
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    Die „Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe“ hat ein revolutionäres Online-Angebot vorgestellt. „Unser Portal ermöglicht es erstmalig, bundesweit gebündelt Einrichtungen zu finden, die Wohnungslosen helfen“, erklärt BAGW-Geschäftsführerin Werena Rosenke im Sputnik-Interview. So könnten Betroffene schnelle Hilfe in der Nähe finden.

    Früher sei es für Wohnungslose nicht leicht gewesen, Anlauf- und Beratungsstellen in der Nähe ausfindig zu machen. „Es gab keine zentrale Anlaufstelle für die Hilfsstellen“, erklärten Vertreter der „Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe“ (BAGW) auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung eines neuen Online-Portals am Dienstag in Berlin. Dieses ist seit Ende Dezember 2017 im Internet erreichbar unter www.woundwie.de. „In dem Portal haben wir etwa 1200 Adressen von Diensten mit Angeboten im Wohnungsnotfall, die auch ständig erweitert werden“, sagte Werena Rosenke, Geschäftsführerin der BAGW, nach der Pressekonferenz im Sputnik-Interview.

    Das Online-Angebot biete nun die Möglichkeit, Einrichtungen und Hilfsangebote für Wohnungslose gebündelt einsehbar – und vor allem auffindbar – zu machen. Das Angebot richte sich nicht nur an Obdachlose, sondern auch an Menschen mit Mietschulden oder an die, denen der Verlust der eigenen vier Wände droht. „Bundesweit sind das Adressen von Beratungsstellen, Tagesaufenthalten, Notübernachtungen, Präventionsstellen, medizinische Versorgungsangebote für Menschen ohne Wohnung, ebenso stationäre Angebote und Angebote des betreuten Wohnens“, zählte Rosenke auf, die auch als stellvertretende Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz fungiert. Das Portal beinhalte alle Facetten der Hilfe für Menschen, die eine Wohnung benötigen oder vom Verlust einer Wohnung bedroht sind.

    Bald 1,2 Millionen obdachlose Menschen in Deutschland?

    Im Jahr 2016 waren nach Schätzung der BAGW etwa 860.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung. Das sei ein Anstieg von über 150 Prozent seit 2014. Für dieses Jahr prognostiziert die soziale Organisation einen weiteren Zuwachs auf dann etwa 1,2 Millionen wohnungslose Menschen in Deutschland. Seit dem Jahr 2016 schließt die BAGW in ihre Schätzung die Zahl der wohnungslosen anerkannten Flüchtlinge ein.

    Das Portal sei zudem für Jedermann frei und ohne vorherige Registrierung zugänglich. Es läuft auch auf dem Smartphone. Das „WoundWie“-Portal der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe ist bedienerfreundlich und übersichtlich gehalten. Nutzer können nach der Stadt oder Postleitzahl suchen und sich dementsprechende Angebote für Betroffene, auch nach Geschlechtern getrennt, anzeigen lassen, wie die folgende Beispiel-Suche für Berlin zeigt:

    Sozialarbeiter nutzen Portal

    Im Portal befindliche Informationen waren zuvor in einem Buch einsehbar, das seit 1954 jährlich veröffentlicht wurde. Der Vorteil der Online-Datenbank: Sie könne nun ständig gepflegt und aktualisiert werden. „Das ist sehr wichtig“, kommentierte BAGW-Chefin Rosenke gegenüber Sputnik. „Dieses Portal ist keine Eintagsfliege, wo man einmal Adressen ins Netz stellt und sie dort so belässt. Sondern das Portal wird von uns genauso regelmäßig und professionell gepflegt wie zuvor die Buchpublikation. Mindestens einmal pro Jahr erhalten die Einrichtungen die Möglichkeit, ihre Adresse zu pflegen. Zum Beispiel, wenn ein zusätzliches Angebot ins Leben gerufen wird, das dann eben auch in unserem Verzeichnis hinterlegt wird.“

    Professionelle Sozialarbeiter nutzen das Portal derzeit schon mit erweiterten Suchmöglichkeiten. „Die können detaillierter nachschauen, auf welcher Rechtsgrundlage beispielsweise ein Angebot firmiert. Um folgende Fragestellungen zu prüfen: Ist das etwas, was auch für junge Wohnungslose geeignet ist? Gibt es Arbeitsangebote?“ Auch einige Justizvollzugsanstalten (JVA) nutzen das Angebot des „WoundWie“-Portal bereits. „Wenn sie die Entlassung von Haftinsassen professionell betreiben, können sie nachschauen, wo gibt es weiterführende Hilfsangebote, die der Betroffene dann auch in Anspruch nehmen kann.“

    Keine Extra-Förderung von Staat oder EU

    Es gebe keine staatliche Förderung für das Portal, so die BAGW-Geschäftsführerin. „Wir werden vom Bundesministerium des Sozialen gefördert. Das ist aber keine Vollfinanzierung.“ Für das Portal erhielt die Sozialorganisation weder vom zuständigen Sozialministerium noch aus dem Europäischen Hilfsfonds EAPN (Europäisches Armutsnetzwerk) finanzielle Zuschüsse. „Wir hatten beim EAPN einen Antrag gestellt, aber da sich unser Angebot naturgemäß als Online-Angebot darstellt, wurde das erstmal als nicht den Kriterien entsprechend zurückgewiesen“, so Rosenke.

    Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) bitte um Spenden. „Wir haben einen Förderverein. Die Informationen findet man auf unserer Website“, verwies Rosenke auf die Homepage ihres Dachverbands.

    Wer spenden möchte, findet Hinweise auf der Website www.bagw.de/de/der-verein/foerderverein.html oder kann sich auch an folgende Adresse wenden: Förderverein der Wohnungslosenhilfe in Deutschland e.V., Boyenstraße 42 in 10115 Berlin. Telefonisch erreichbar unter 030 / 2 84 45 37 0 und per Email unter info@bagw.de

    Das Interview mit Werena Rosenke (Geschäftsführerin der BAGW) zum Nachhören:

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    Tags:
    Portal, Arbeitsmarkt, Miete, Obdachlose, Wohnungsnot, Wohnung, Arbeitslosigkeit, Deutschland
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